Das Kännchenblog ist umgezogen

23. März 2014 Kommentare deaktiviert

Liebe Kaffeehausgäste,

das Kännchenblog ist umgezogen. Sie finden es ab sofort in seinen neuen Räumlichkeiten in Dortmund unter

http://fraunessy.vanessagiese.de.

Kommen Sie gerne direkt zu Fuß mit rüber oder nehmen Sie den neuen RSS-Feed.

Raketenmänner: Die Gewinner

8. März 2014 § 11 Kommentare

Eine leicht untersetzte, unrasierte Glücksfee hat “Stop” gerufen, während ich durch die E-Mails scrollte, die ich für jeden Kommentar im Kännchencafé bekomme.

Die Stop-Rufe sind:

Herzlichen Glückwunsch zu einem Exemplar der “Raketenmänner”!

Raketenmänner: Buchverlosung

5. März 2014 § 148 Kommentare

Achtung, es gibt etwas zu gewinnen! Und zwar:

Frank Goosen: Raketenmänner

Kiepenheuer & Witsch hat mir das Buch zur Rezension geschickt – und gleichzeitig angeboten, dass ich drei Exemplare verlose.

Frank Goosen bin ich bislang zweimal begegnet: einmal beim Hören seines Kabarettprogramms “A40″, ein weiteres Mal beim Lesen seines Buchs “So viel Zeit”. Die A40-Nummern fand ich so lala, was aber eher an mir als an Herrn Goosen liegt, denn ich habe grundsätzlich ein Problem mit Kabarett-Komplettprogrammen – einfach, weil niemand durchgehend 90 Minuten lang super sein kann und zwischendrin quasi naturgegeben Ernüchterung eintritt.

“So viel Zeit” war nach der So-lala-A40-Erfahrung eine Überraschung für mich. Die Geschichte gefiel mir gut. Der Stil gefiel mir gut. Das war rund und prima, und Lesen kann ich sowieso besser als hören.

Nun die “Raketenmänner”. Kurzgeschichten. Auf Kurzgeschichten kann ich normalerweise gar nicht. Kurzgeschichten sind immer irgendwie unvollständig, der Ejaculatio praecox unter den schriftlichen Werken: Man hat sich gerade eingegroovt, da ist es abrupt vorbei. KiWi diente mir also “Raketenmänner” an, und ich dachte erstmal: Nun ja –  was soll’s, her damit, ist ja für umme.

Lange Vorrede, kurzes Fazit: “Raketenmänner” ist richtig gut – weil es Erzählungen sind, die sowohl alleine für sich als auch im Zusammenhang mit den anderen Geschichten im Buch stehen können. Es sind kurze Episoden aus dem Leben von Männern: Sie heißen Riedel, Frohnberg, Sabolewski, sie stehen in der Mitte ihres Lebens, manchmal auch etwas weiter vorne oder hinten, sie betrügen ihre Frau, sie werden von ihrer Frau betrogen, sie werden gekündigt oder eröffnen einen Laden – und irgendwo dazwischen begegnen sie sich.

Was ich an Goosen mag, ist seine nüchterne, zweckmäßige Erzählweise. Er beschränkt sich auf Beschreibungen und lässt Raum für eigene Vorstellungen. Keinen der Männer lernt man als Leser näher kennen und doch meint man zu verstehen, was sie für Typen sind.

Wer gerne eines der drei Exemplare gewinnen möchte, schreibe bitte bis Samstagmorgen (8. März), 9 Uhr, in die Kommentare diese Beitrags:

Ja, ich will.

Am Wochenende lose ich aus. Im Falle eines Gewinns schreibe ich Ihnen eine Mail, frage Sie nach Ihrer Postadresse, schicke Ihre Adresse an Kiepenheuer & Witsch, und die Volontärin dort schickt Ihnen das Buch.

Rosenmontag, abends

3. März 2014 § 26 Kommentare

Im Stadtgarten sitzt ein Sträfling und kotzt.

Neben ihm auf der Bank steht eine Flasche Fruchttiger. In der Ferne klimpert ein Spielmannszug “Anton aus Tirol”. Eine pummelige Katze steht zwischen dem Sträfling und einem zart ausschlagenden Ginster und brüllt in ihr Handy: “Schlaf getz! Mama und Papa kommen gleich!”

Es ist 18.30 Uhr. Ich habe gerade Feierabend und gehe durch die Stadt, um noch ein wenig  Luft zu schnappen – was eine schlechte Idee ist, aber nun bin ich unterwegs, nun ist es nicht mehr zu ändern. Ein Krokodil auf einem Fahrrad fährt vom Friedensplatz aus in Richtung Stadthaus. Auf Schicht gab es heute einen Teller mit Berlinern. In meinem war Erdbeermarmelade, das war sehr schön, das mag ich lieber als Aprikose. Ansonsten war wenig los. Rosenmontag halt.

In der U-Bahn stehen Menschen in BVB-Trikots. Ein BVB-Trikot geht hier in Dortmund immer und zu jedem Anlass – damit ist man niemals falsch angezogen, im Stadion sowieso nicht, aber auch nicht zu Karneval, auf dem Spielplatz mit den Kindern, , im Supermarkt, beim Spazierengehen oder samstags beim Grillabend. Ein Tausendsassa, so ein BVB-Trikot – und noch dazu atmungsaktiv.

Ich war ja an Rosenmontag niemals jemand anderes als Piroschka – in einem weißen, mit bunten Farben besticktem Rock und einer Haube mit weißen, roten und grünen Bändern. An einem kalten Aschermittwoch im Jahr 1984, nachdem ich in der Nachbarschaft zum x-ten Mal “Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig” gesungen hatte, habe ich das Kostüm ein letztes Mal getragen und fürderhin für immer abgelegt. Im folgenden Jahr passte es mir nicht mehr, und mit Piroschka starb  meine ohnehin nur schwach glimmende Karnevalsleidenschaft. Ich versuchte mich noch einmal als Clown, gewann mit dem vom Nachbarsjungen geliehenen Kostüm sogar den informellen Grundschulpreis für das beste Kostüm in der zweiten Klasse, dotiert mit Ruhm, Ehre und einem unförmigen Holzorden, den ich schon am selben Tag wieder abgeben musste, doch der Erfolg  versöhnte mich nicht. Ich legte Gewinn und Verkleidung ab und kümmerte mich nicht mehr um Karneval.

Ich steige in die U-Bahn. Die BVB-Trikots bleiben, wo sie sind. Sie wollen in eine andere Richtung, dorthin, wo noch etwas los ist. Statt ihnen huscht im letzten Moment eine Gruppe kichernder Krankenschwestern durch die piependen Türen des Waggons, wirft sich in einen Vierersitz und reicht eine Sektflasche herum. Wie gut, dass die Temperaturen dieser Tage schon deutlich im Plus sind, sonst hätten sie morgen sicherlich eine Nierenbeckenentzündung, so kurz wie ihre Röcke und Blusen sind; man kommt nicht umhin, sich über diese Dinge Gedanken zu machen.

Als ich aussteige, knutschen neben der Tür zwei Hasen mit auf einen Haarreif geschnallten Klappohren; sie schlecken sich wild und schmatzend. In Paderborn sagt man übrigens nicht “Alaaf” oder “Helau”, sondern “Hasi Palau”. Das hat mir heute Morgen eine Kollegin erzählt; das fällt mir in diesem Moment ein.

Das letzte Stück nach Hause gehe ich zu Fuß. Niemand ist mehr verkleidet, so weit reicht die Dortmunder Leidenschaft nicht; in den Vororten hört sie auf. Ich bin hier schon ganz richtig, denke ich und gehe heim.

Die Lieblingstweets im Februar

28. Februar 2014 § 2 Kommentare

Lieblingstweets 02/2014:

Treffer, versenkt

25. Februar 2014 § 6 Kommentare

Der kleine Ex-Azubi gibt heute Muffins auf Schicht aus.

Frau Sylvia: Hasse Geburtstach? Wie alt wirße denn? Zwölf?
Ex-Azubi: Ein! und! zwan! zig!
Frau Sylvia (deutet auf Kollege, 42): Dann ist er ja jetzt doppelt so alt wie du!

Zwei auf einen Streich. Respekt!

Delegiert

23. Februar 2014 § 17 Kommentare

Zwei Katzen besuchen regelmäßig meinen Garten.

Beide schwarz, die eine dicker, die andere dünner, eine neugierig, die andere misstrauischer. Die beiden sind die Sheriffs meines Gartens, sie sorgen für Ordnung. Zu Beginn dieser Woche bewachte eine von ihnen das Wühlmausloch hinter dem Kirschbaum, eine Dreiviertelstunde lang in aufmerksamem Habacht. Ob mit Erfolg, kann ich nicht sagen, ich musste irgendwann zur Arbeit. Aber eins ist klar: Das Thema “Wühlmaus” habe ich erfolgreich delegiert.

Gestern Abend lag ein toter Vogel auf der Terrasse. Nicht vor dem Fenster; es sah nicht so aus, als sei er dagegen geflogen. Er vermittelte eher den Eindruck, als sei er in einem harten Kampf unterlegen gewesen. Ich richtete mich für den nächsten Tag auf ein stilles Begräbnis ein. Doch am Morgen war die Leiche weg. Offenbar hatte in der Nacht jemand aufgeräumt.

Trotz der Katzenpatrouille herrscht reger Vogelbetrieb. Finken, Spatzen, Amseln und Rotkehlchen baden im Teich, mampfen Körner, feiern Party. Ab und an kommt eine dicke Taube vorbei, immer dieselbe, ich erkenne sie am Gefieder. Gediegen spaziert sie über Rasen und Beete, eine Queen Mum in dezentem Grauviolett. Besonders gefällt es ihr, wenn Bauch und Po über knospende Krokanten schleifen. Durch Zufall hat sie diese Wohltat entdeckt, war erst überrascht, dann erfreut, hat sich umgeguckt, ist im Bogen zurückgegangen und hat sich noch einmal kraulen lassen. Seither dreht sie im Krokantenbeet immer noch eine zweite Runde.

Gelber Krokus

Lila Krokus

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