Alltagsrassismus

30. August 2012 § 57 Kommentare

Ich sitze beim Friseur für Strähnchen.

Neben mir sitzen eine Dauerwelle und einmal Ansatz färben. Beide sind Mitte vierzig, ein bisschen verlebt; Ansatzfärben hat schon graue Haare, das sieht man deutlich, die müssen weg. Die Dauerwelle riecht aus allen Poren nach Zigarettenqualm, ihre Haut ist ganz fahl. Die Friseurinnen ondulieren, drehen Wickler, rühren Farbe, matschen sie auf den Kopf.

Dauerwelle und Ansatzfärben kennen sich aus der Nachbarschaft, das geht aus ihrem Gespräch hervor. Sie unterhalten sich über Menschen, die sie kennen, weil sie sie öfters treffen oder vom Fenster aus sehen. Nää, was ist die fett geworden, und die Dingens, die wirft ihr Altglas immer sonntags ein, unverschämt, die Leute haben keine Manieren mehr, früher hätten wir uns das nicht getraut. Das geht so eine ganze Weile, auch Haustiere bleiben nicht verschont, die kacken nämlich überall hin oder machen so ein lautes Gekreische, da kann man sich mittags nicht mal ‘ne Stunde hinlegen, wir sind doch hier nicht bei den Hottentotten!

A propos Hottentotten, sagt die Dauerwelle, hast du gehört, was neulich in der Zeitung stand? Das Asylbewerberheim platzt aus allen Nähten. Und jetzt sollen die auch noch genauso viel kriegen wie Hartz-Vier-Empfänger, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben. Und wem nehmen die es dafür weg? Uns, dem einfachen Bürger.

Ansatzfärben nickt. Die Friseurin hat aufgehört, an ihrem Kopf herumzumachen. Die Farbe muss nun einwirken. Ja, sagt Ansatzfärben, das sind sowieso zu viele, die nach Deutschland kommen. Also nicht, dass sie ausländerfeindlich ist, sonst wäre sie ja nicht mit einem Türken verheiratet, aber sogar ihr Mann findet, dass es langsam ein bisschen viel wird – und wenn der das schon sagt!

Ein paar müssen wir schon aufnehmen, wiegelt die Dauerwelle ab. Es gibt ja wirklich einiges Elend auf der Welt, aber die Leute können auch woandershin fliehen, wo mehr Platz ist. Nach Amerika zum Beispiel, dort ist nicht alles dicht an dicht so wie hier.

Ansatzfärben ergänzt, dass diese Asylanten, also, die denken auch, dass uns hier gebratene Hühner in den Mund fliegen. Dabei haben wir auch unsere Probleme.

Ich sage: Wenn ich kurz stören dürfte? Die Asylbewerberzahlen gehen nachweislich seit Jahren zurück, und für einen syrischen Flüchtling ist Deutschland halt ein bisschen näher als die USA. Wenn einem grad die Familie weggebombt wurde, hat man vielleicht nicht so die Kraft, in einem Holzboot über den Atlantik zu rudern.

Die beiden drehen sich in ihren Sitzen zu mir um und sehen mich an, als hätte ich ihnen soeben die Handtaschen geklaut und wedelte nun mit ihren Geldbörsen, bevor ich lachend wegliefe. Die Dauerwelle entgegnet: Bis in die USA vielleicht nicht, aber doch bitteschön bis nach Frankreich. Sie ahnen ja gar nicht, was ich schon mit diesen Ausländern erlebt habe! Seit drei Monaten leben Rumänen bei uns im Haus. Seitdem kommt kein Paket mehr an, obwohl es nachweislich ausgeliefert wurde. Tja, was meinen Sie denn, wo diese ganzen Pakete wohl sind?

Haben Sie schonmal bei DHL nachgefragt?, antworte ich. Dort gibt es die Möglichkeit der Sendungsverfolgung. Damit können Sie sehen, wer das Paket angenommen hat. Dafür muss der Empfänger schließlich unterschreiben.

Ach!, ruft die Dauerwelle und winkt ab. Das ist doch immer das Gleiche, die unterschreiben einfach mit einem falschen Namen. Das kennt man doch.

Haben Sie das denn von der Post überprüfen lassen?, bohre ich nach, aber Ansatzfärben geht nicht darauf ein, sondern erzählt vom Schmutz im Hausflur und kommt dann von Hölzken über Stöcksken irgendwie auf ihren Ex-Mann, und das Ausländerthema ist durch.

About these ads

§ 57 Antworten auf Alltagsrassismus

  • “Und jetzt sollen die auch noch genauso viel kriegen wie Hartz-Vier-Empfänger, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben.”

    Unverschämt … und ich weiß nicht, wie lange sich das der HARTZinger noch gefallen lässt … :D

  • Armes Deutschland…

  • Bärbel Reinke sagt:

    Arme Asylanten. Bei der Nachbarschaft.

  • FrauDinktoc sagt:

    Ja, so ist es leider. Der Firnis ist dünn.
    Ein aus Polen stammender Nachbar stellte öfter mal seine Mülltonne erst spät abends raus. Ein anderer Nachbar bat ganz manierlich darum, das doch wegen des Lärms schon früher zu tun und schob dann noch den Satz hinterher “das könnt ihr bei euch in Polen machen, aber nicht hier!”

    • Nessy sagt:

      [ironie] Ich kann nur hoffen, dass in Ihrem Haus keine Pakete wegkommen. Da weiß man doch gleich, wer sie nimmt.[/ironie]

  • Ein sehr wichtiges Thema! Ich überlege in letzter Zeit auch immer öfter, ob dieser “Alltagsrassismus” zugenommen hat oder ob ich nur empfindsamer/aufmerksamer geworden bin. Derlei Erlebnisse habe ich alle naselang, und ich finde es teilweise erschreckend, mit welchem Selbstverständnis jeder mit seinen Vorurteilen und seinem Hass hausieren gehen kann und noch Applaus von vielen Seiten erhält. War das schon immer so? Ich finde es wichtig wachsam zu sein bei solchen Tendenzen und absolut großartig, wenn nicht nur hingehört, sondern auch reagiert wird, so wie von Ihrer Seite, liebe Frau Nessy! Wehret den Anfängen…

    • Nessy sagt:

      Ich glaube, dass es den Alltagsrassismus immer schon gab, er fällt uns Deutschen nur so auf, weil wir nicht davon betroffen sind. Was sich sichtbar ausländische Menschen auf Wohnungssuche anhören müssen, will ich mir gar nicht vorstellen. Es reicht mir schon, wenn ich im Supermarkt oder in der Bahn Bemerkungen gegen Kopftücher höre oder Bemerkungen mitkriege wie: “Die spricht aber gut deutsch!”

  • Seit einiger Zeit frage ich mich immer häufiger das Eine:

    Da auch DIE ja wählen gehen dürfen – was, wenn die mal in absehbarer Zeit hierzulande die Mehrheit stellen? Und entsprechend wählen?

    Man muss vielleicht nicht gleich den Teufel an die Wand malen, aber – was, wenn wir eines morgens aufwachen, und das hier ist ein fremden-, kinder-, menschenfeindliches Land geworden?

    • Zaphod sagt:

      Das ist es leider schon, manchmal hab ich das Gefühl die stellen schon die Mehrheit, wenn auch nur ganz knapp vielleicht.

      Das ist mal wieder so eine Geschichte, bei der mir das Lachen im Hals stecken blieb. Trotzdem: Danke. Sie sind so ein Schatz im Netz, muss man einfach mal sagen.

  • Micha sagt:

    Viele, die über die drei Türken in D schimpfen, sollten mal nach F kommen und schauen, was hier an Arabern und Afrikanern rumläuft. Da hat F ganz andere Aufgaben. Wie jedes Land mit seinen Prozenten Ausländerfeindlichkeit zu kämpfen hat, integrieren dafür die anderen in F ihre Asylanten wirklich. Gemixte Pärchen sind ebenso selbstverständlich wie viele, viele, oft afrikanische Kinder, die von französischen Familien adoptiert werden.

    Während ich in D gerne den Eindruck habe, dass die verschiedenen Kulturen nebeneinander und nicht miteinander bestehen, kann man in F weit eher von einem Bevölkerungs-Mix reden. Aber sobald die Krisenzeiten härter werden und wir Richtung inflationärer Zeiten rutschen, brauchts Schuldige – war schon immer so. Macht man halt mal Ausländer für die Misere verantwortlich.

    Solange D wie F Milliarden für Rüstung und Militär über hat, sollte es auch für Assylanten reichen.

    • Micha sagt:

      Ach, und was ich noch anfügen möchte: Wie immer eine gute Anregung, Frau Nessy!

    • Julia sagt:

      Ich würde gerne drauf aufmerksam machen, dass “Asylant” als sehr abschätziges Wort gilt – weil es zum Beispiel von abschätzigen Damen wie den frisierten Nessy-Nachbarn benutzt wird, immer im abwertenden Kontext. Wenn Frau Nessy den Begriff zitierend verwendet, geschieht das zur Veranschaulichung des Alltagsrassismus – ich fänd’s ganz wunderbar, wenn dagegen beim Kommentieren auf mehr sprachliche Feinheit geachtet werden könnte.

      Hier eine ganz gute Erklärung der österreichischen Nachbarn, warum der Begriff beleidigend ist: http://derstandard.at/1259282533915/Was-den-Begriff-Asylant-zur-Beleidigung-macht

      Es mag spitzfindig wirken, aber Sprache ist immer auch Instrument – wenn man sich aus Unachtsamkeit hinreißen lässt, das Instrument der Rassisten zu verwenden, lässt man sich versehentlich und ohne bösen Willen instrumentalisieren, weil man verdeckte Bedeutungen selbst mit in den Alltag transportiert. Und das gegen jede eigene böse Absicht.

      Danke schön!

    • Micha sagt:

      Ich wiederum finde, dass Assylant bereits im Wort veranschaulicht, dass jemand Assyl sucht. Und wer viel in anderen Kulturen unterwegs war, bekommt eine gute Vorstellung davon, dass man seinen eigenen Kulturkreis nicht *einfach so* verläßt.

      Aber das sind Wortglaubereien. Wir meinen das Gleiche. Ich kann auch *Mohrenkopf* sagen, ohne den Hauch von Fremdenhass. Es kommt auf die innere Haltung an, mit der ein Wort benutzt/ mißbraucht wird.

    • Andrea sagt:

      Frankreich, das Land, in dem Roma und Sinti mit fadenscheinigen Gründen abgeschoben werden. Das Land, in dem es heftigste Zusammenstöße in den Vororten der Großstädte gab, weil Menschen (in der Regel nicht weiß), die dort landen keine Perspektive haben / weil ihnen keine Perspektive zugebilligt wird. Das Land, in dem Wahlbezirke so gelegt werden, daß die Stimmen der Menschen aus den Vororten kein Gewicht haben. Dieses Land stellen Sie ernsthaft als ein Musterbeispiel für gelungene Integration dar?

    • Micha sagt:

      @Andrea & Julia:
      Andrea, lesen Sie richtig: *Wie jedes Land mit seinen Prozenten Ausländerfeindlichkeit zu kämpfen hat, integrieren dafür die anderen in F ihre Asylanten wirklich*. Das bedeutet doch nicht im gleichen Zuge *mustergültig*.

      Aber ich ahne, dass ich schnell in Spitzfindigkeiten gerate – worauf ich keinen Bock habe. Ich bin als Deutsche in F selbst Ausländerin und zudem kompromisslose Parzifistin. Meine inneren (gefestigten) Einstellungen stelle ich dabei nicht zur Diskussion. Wie ich nicht missioniere, will ich nicht missioniert werden. Voilà.

      Alle weiteren Mißverständisse zu meinem Kommentar(en) werde ich stehenlassen.

    • Nessy sagt:

      Es ist hanebüchen, jetzt das Spiel zu spielen: “Wer hat die bessere Integration?” Alle Staaten haben sicherlich auf die ein oder andere Weise Probleme damit – und überall gibt es auch viele positive Beispiele.

      Was die Begrifflichkeiten angeht: Das Thema hatten wir hier schonmal. Damals ging es um den “Negerkuss”.

      Sicherlich gibt es ein paar Anti-Wörter, die nicht politisch korrekt sind. “Asylant” gehört dazu, “Tschechei” darf man auch nicht sagen – usw. Ich denke, es kommt auf den Kontext an und die Intention des Sprechers an. Ich weiß: Auch unbedachter Gebrauch kann Schaden anrichten, andererseits bewirken bevormundende Belehrungen meist eher das Gegenteil von dem, was sie sollen.

    • Wolfram sagt:

      Micha, Assylanten ist hoffentlich keine freud’sche Fehlleistung… aber wenn wir schon über Asylanten in Frankreich sprechen: die meisten Araber und Afrikaner sind keine. Sondern Leute, die über die Francophonie oder sonstige Verbindungen aus den ehemaligen französischen Kolonien ins ehemalige Mutterland gekommen sind, um dort eine Ausbildung zu bekommen. Erst recht, wenn sie einheiraten, denn dann haben sie meist studiert.
      Asylanten haben es hie (F) wie da (D) ja auch noch relativ gut, die dürfen ja arbeiten. Meist bezeichnet man fälschlicherweise mit diesem Wort die Asylbewerber, die tatsächlich nicht arbeiten dürfen und auch mit dem absoluten Minimum abgespeist werden – zu Nessys Mitgehörtem sei angemerkt, HartzIV ist schon das absolute Existenzminimum; wie man als Asylbewerber mit deutlich weniger auskommen sollte, war zu Recht einem deutschen Gericht nicht einsichtig und nicht mit Art.1 GG vereinbar: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Hätte allerdings eine brauchbare Entschuldigung fürs Klauen geliefert, von irgendwas muß man ja leben.
      Asylbewerber sind aber in Frankreich noch entrechteter als in Deutschland. Ich weiß nicht, Micha, ob dir der Name CIMADE was sagt; ich hab da mal mitgearbeitet und halte heute noch Kontakt: da haben wir gesehen, was wirklich los ist mit Asylbewerbern. Die werden mal eben vor der Schule ihrer Kinder in Dijon verhaftet, in ein Internierungslager (Centre de Retention) beispielsweise an der spanischen Grenze verfrachtet, und falls jemand es schafft, den Einspruch gegen dieses Vorgehen vor Gericht zu bringen, bevor sie abgeschoben sind (das Asylverfahren muß längst nicht abgeschlossen sein…), dann spricht sie ein Richter frei, verfügt die Freilassung – und sie werden ohne einen Cent in der Tasche nachts um eins auf einer Landstraße ausgesetzt.
      Leider kein Einzelfall. Auch vorgekommen: Ein Brief “Es gibt eine Entwicklung in Ihrem Asylantrag; bitte kommen Sie am… um… zur Préfecture, Zimmer x, um einige Fragen zu klären.” Die gehen dahin, machen die Tür auf, und die Handschellen klicken.
      Weshalb in solchen Fällen mittlerweile nach Möglichkeit der CIMADE-Mitarbeiter hingeht.
      Frankreich, das “Mutterland der Menschenrechte”, begeht täglich Kindermord an diesem “seinem Kind”.

      Und abseits dieser schon vor Sarkozy eingelaufenen Verwaltungs-Menschenverachtung: Micha, ich weiß nicht, wo du lebst. Hier auf dem Land ist von Integration wenig zu spüren, wenn einer Kopftuch oder Tschador sieht…

  • kinderdok sagt:

    danke für den mut, was zu sagen, frau nessy. ich bin da viel zu feige.

    • Nessy sagt:

      Die Damen wirkten nicht gefährlich, da hake ich dann ein. Bei der Klientel in der S-Bahn wäge ich strenger ab.

    • Uff! Gut zu wissen, dass ich in Sachen S-Bahn-Klientel nicht alleine bin. Man liest und hört und redet gern und viel von Zivilcourage, aber mal ehrlich: Politische (und menschliche) Weiterbildung passiert nun mal nicht nur im Vorbeigehen, und wenn sich eine gewisse Wahrscheinlichkeit anzeigt, für ein vorbildliches Engagement einen auf die Fresse zu bekommen, lasse ich den Idealismus auch lieber im Rucksack.

      Nebenbei finde ich es etwas ermüdend, wie sich hier in den Kommentaren ein Gerangel um die möglichst politisch korrekte Bezeichnung von Menschen mit bestimmten Ausprägungen oder in gewissen Situationen anbahnt. Was in den Köpfen von Menschen vorgeht, lässt sich nicht durch reibungsarme Worte schönreden – und umgekehrt.
      “People of color” mag im Moment noch positiver konnotiert sein als “Neger”, aber wer weiß, wie lange dieser Begriff noch vor dem Schicksal seiner Vorgänger bewahrt bleibt. Hat dann am Ende auch nicht mehr gebracht, als dass manche Menschen anderen eine ganze Weile lang mit erhobenem Zeigefinger erzählen konnten, was man jetzt sagen darf und was nicht.

    • Micha sagt:

      Herr Banger, ich schließe ich mich Ihnen an. Die innere Haltung zählt und nicht der Wortgebrauch. Und erstere läßt sich schwierig bis gar nicht beeinflußen. Euphemismen machen die Menschen schließlich auch nicht zu besseren.

  • Julia sagt:

    @Micha: Nein, das stimmt nicht. Wer rassistische Wörter benutzt, transportiert Rassismus. Bitte versteh mich nicht falsch: Ich sage explizit nicht, dass du Rassist bist, aber wenn du darauf bestehst, ein rassistisches Wort zu benutzen, muss ich dich fragen dürfen: Warum? Warum verwendest du das Instrument der Rassisten, ein Wort, das zur Abwertung eines Menschen im Sprachgebrauch erfunden wurde? Was ist denn “Alltagsrassismus”, wenn nicht genau das: Ausgrenzung und Abwertung anderer im ganz alltäglichen Nebenbei?

    • antagonistin sagt:

      Danke. Ich bin froh, dass das benannt wird. Sprache konstruiert (soziale) Wirklichkeit. Immer. Und vor allem immer wieder neu. Sprache schafft Bewusstsein ebenso, wie Ausgrenzung. Die Sprache, die wir verwenden, sagt etwas aus über unsere Art der Wahnehmung, und es wäre illusorisch zu glauben, es ginge dabei lediglich um “politisch korrekte” Formulierungen.

    • Wolfram sagt:

      Mit Verlaub: das ist Quatsch. Das ist, und nicht nach meiner Ansicht, sondern nach der meines kamerunesischen Kollegen, linker Sozialromantismus der Weißen. (Das Wort “Gutmensch” gibt es im Französischen nicht, aber es würde hier passen. Wenn es nicht konnotiert wäre.)
      Das Wort “Schwarzer” wird heute schon als negativ gesehen, obwohl es vor 20 Jahren als Alternative zu “Neger” angeboten wurde. Hans Leip hat sogar das Wort “Nigger” positiv konnotiert verwendet, und das ist nicht mal ein Jahrhundert her. Ist die Bezeichnung “ein Schwarzer” nun “von Rassisten” “zur Abwertung eines Menschen im Sprachgebrauch erfunden” worden? Sicher nicht.
      Und sie ist abwertend, wenn überhaupt, nur in den Köpfen, aber nicht in sich selbst. Wer meint, Typisierungen und Beschreibungen, die Unterschiede ausdrücken, seien prinzipiell abwertend, sollte mal über sich selbst nachdenken. Sprache “konstruiert” nicht Wirklichkeiten, sie bildet sie ab. Oder kaschiert sie. Mein Freund und Kollege mag jedenfalls lieber ehrlich Neger genannt werden als von Sarkozy als “Migrant” bezeichnet zu werden. Obwohl das ja so arg korrekt ist. Wenn man den Unterton nicht hört…

    • jpr sagt:

      Ich denke viele Faelle werden – wie so haeufig – zwischen den beiden Extremen liegen. Natuerlich muss es eine Realitaet geben, die Sprache beschreibt, aber davon gibt es ja nie eine, sondern immer viele Versionen (und halt eine, an die die Mehrzahl der Leute glaubt). Und die Art und Weise in der man diese Realitaet benennt hat einen Einfluss darauf, wie sie im grossen und ganzen wahrgenommen wird.

      Nehmen Sie ein aktuelles Beispiel: Ich las gerade von diesen Uebergriffen in Griechenland. Die “Urheber” nennen das “Kontrollgaenge” und erzeugen so das Bild von Ordnung. Aus einem anderen Blickwinkel muss man die Aktion einen rechtsextremen Uebergriff nennen. Wenn die Berichterstattung sich nun den einen oder anderen Begriff zu Eigen macht, dann hat das doch recht einen recht grossen Einfluss darauf, wie die Realitaet fuer die Menschen konstruiert wird, die diese Berichterstattung wahrnehmen.
      Ein weiterer Beleg fuer das Funktionieren ist fuer mich ausserdem die Energie, die Politik und PR im allgemeinen heute in Neusprech, das mundgerechte Aufbereiten von Ereignissen stecken (fragen sie sich selbst, wie haufig es heisst ‘das wurde falsch kommuniziert’, anstelle von ‘da haben wir Mist gemacht’). Wuerde das nicht einen Effekt haben – ich denke nicht, dass es so viel Energie konsumieren wuerde. An dieser Stelle sei das Neusprechblog empfohlen.

      So gesehen halte ich Sprache schon fuer maechtig genug eine Situation zu drehen, was aber immer noch nicht heissen muss, dass man sich nun Worte kategorisch verbieten lassen muss – es ist eben eine Frage der Situation – und damit auch der beteiligten Personen.

    • diekorle sagt:

      Es tut mir ganz ehrlich leid, aber ich verstehe wirklich nicht was an dem Wort Asylant falsch sein soll. Es bezeichnet lediglich den Menschen als einen der einen Asylantrag gestellt hat oder in die BRD eingereist ist mit der Absicht dies zu tun. Ob es in der jeweiligen Situation in der dieses Wort gebraucht wird unbedingt so notwendig ist diese Eigenschaft dieses Menschen herauszuarbeiten indem man ihn / sie als solches bezeichnet steht dann auf einem anderen Blatt. Und der Artikel

  • dienyx sagt:

    Liebe Nessy,

    danke für deinen Beitrag und DANKE für deine Wortmeldung in der Situation :)

    • Nessy sagt:

      Es hat nur nicht viel gebracht.

    • dienyx sagt:

      Meinst du? Ich glaube ja, dass solche Leute sehr wohl wissen, dass sie Schwachsinn verzapfen. Und du hast ihnen ja vor Augen geführt, dass es so ist. Ich hoffe immer steter Tropfen höhlt den Stein :) *tropf*

    • Nessy sagt:

      Den Mundhalten konnte ich jedenfalls nicht. Ich musste ja noch eine Stunde neben den zwei Grazien sitzen bleiben.

    • Allabouteve1950 sagt:

      Ich finde es auch toll, dass Sie was gesagt haben. Es ist halt nur frustrierend, dass es nichts bringt. Ich glaube nicht, dass die beiden wegen Ihres Hinweises zu Hause drüber nachdenken, was sie da für einen Mist geredet haben. Die werden bei nächster Gelegenheit wieder den selben Schmarrn verzapfen. Trotzdem muss man was sagen und wenn nur der eigenen seelischen Hygiene dient.

  • cousin it sagt:

    Man kann zu dem Thema stehen wie man möchte. Allerdings geht die Zuwanderung nicht zurück, die Aussage stimmt so nicht. Kürzlich ging durch die Medien, dass derzeit die Zuwanderung den Geburtenrückgang ausgleicht.

    Ein paar persönliche Anmerkungen: Ich habe jahrelang ein in der Türkei sehr populäres Online-Rollenspiel gespielt. Was ich dort an Rassismus – von türkischen Jugendlichen – erlebt habe, würde hierzulande auf jeden Fall zurecht als Faschismus angeprangert werden. Dass Menschen in einer Gruppe – “zusammen” spielend – englisch beherrschen, aber komplett auf türkisch oder arabisch umschwenken, sobald auch nur 2/8tel der Spielenden türkisch sprechen, ist noch das Harmloseste.
    Aber “warum addest Du jemand, der nichtmal den richtigen Glauben hat” wurde mir mehrfach übersetzt. In einem Online-Spiel.. Manchmal kommt es mir so vor, als sei die Erziehung in diesen Ländern auf Verdrängung ausgelegt, nicht Integration.

    Die Sorg- und Ahnungslosigkeit, mit der Integration in den siebziger und achtziger Jahren politisch angegangen worden ist, mag von positiven Erfahrungen herrühren, die man damals mit zugezogenen koreanischen, philipinischen etc. Krankenschwestern gemacht hat. Oder mit polnischen und russischen Gastarbeitern, mit denen ich persönlich (auch) noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe.

    Aber wenn – wie im Absatz oben – das Klima rauer wird, sollten sich die Voraussetzungen für einen Zuzug vielleicht anpassen. Die USA suchen sich tatsächlich sehr genau aus, wen sie gerne im Land haben möchten. Das finde ich schon.. nachahmenswert. Macht mich diese Einstellung zum Rassisten?

    • Nessy sagt:

      Die Zuwanderungszahlen mögen gestiegen sein, die Zahl der Asylanträge ist allerdings seit 1995 kontinuierlich gesunken und erst in den vergangenen Jahren wieder moderat angestiegen (Grafik).

      Die Probleme, die Zuwanderung mit sich bringt, darf man natürlich ansprechen – muss man auch, denn eine unvoreingenommene und ergebnisoffene Auseinandersetzung gehört zum Miteinander.

      Es ist halt immer die Frage, inwieweit ausländische Wurzeln und eine unterschiedliche Kultur und Religion für Probleme verantwortlich sind, oder mangelnde Bildung oder schlicht Faulheit. Religion ist für beide Seiten immer ein einfaches Argument, sowohl für die, die sich hinter ihr verstecken, als auch für die, die einfache Gründe suchen. Ich denke auch, dass es einer richtigen Zuwanderungspolitik bedarf, die offen und tolerant, aber nicht unbedarft ist.

    • alerta sagt:

      “Macht mich diese Einstellung zum Rassisten?”
      Sie sortieren MigrantInnen in gute und schlechte und fragen ernsthaft, ob sie diese Einstellung (Verbrechen wäre vielleicht zutreffender) zum Rassisten macht? Sie sind das Paradebeispiel eines Rassisten!

  • Julia sagt:

    Oh, Bevormundung ist total doof, das sehe ich auch so, und ich möchte niemanden zum Augenrollen oder “Uff”-Sagen Anlass geben, das wäre ja auch doof. Ich bin der Auffassung, dass es sinnvoll ist, seine eigenen (sprachlichen) Handlungen zu reflektieren – aber das zu tun, ist eine Entscheidung, und es ist jedem unbenommen, sich dagegen zu entscheiden. Oder auch am Ende einer Reflexion zu anderen Ergebnissen zu kommen als andere, klar.

    Als Anstoß möchte ich aber gern was zum Thema “nicht diskriminierende Sprache” verlinken (Es geht nicht um Asylpolitik, sondern um die Bezeichnung von Schwarzen; es scheint mir jedoch Parallelen zu geben.) Ich finde das ganz aufschlussreich und nachdenkenswert. Wer es als “Bevormundung” oder “Uff”-Auslöser sieht, klickt einfach nicht drauf oder liest nicht weiter. ;-)

    Ein Auszug aus http://www.deutschland-schwarzweiss.de/nachhilfe_im_weisssein.html:

    “Viele weiße Menschen in Deutschland haben sich bisher gar nicht damit auseinandergesetzt, dass sie Weiße sind, also auch zu einer besonderen gesellschaftlichen Gruppe gehören. Dass es dabei um Macht geht, bemerkt man anscheinend eher, wenn man einer Gruppe angehört, die auf eine Art benannt wird, die für sie nicht akzeptabel ist. Fremd-Definition ist auch Fremdbestimmung, und wer politisch korrekt oder ohne Diskriminierung bezeichnet werden will, muss sich auf einige Anstrengungen gefasst machen. [...]

    Als weiße Deutsche haben Sie derzeit unter anderem von Geburt an die
    folgenden Privilegien:
    [...]
    # sich und Ihre Gruppe selbst benennen zu dürfen.
    # alle Menschen, die nicht weiß sind, benennen, einteilen und
    kategorisieren zu dürfen.”

    Ich ziehe mich jetzt aus der Diskussion zurück – “missionieren” ist eigentlich nicht mein Style, aber in einer Diskussion um Alltagsrassismus auf verwendete Alltagsrassismen aufmerksam zu machen, fand ich irgendwie, öhm … angebracht. ,-)

  • FF sagt:

    Gegen die menschliche Dummheit kämpf(t)en selbst die Götter vergebens.

  • Julia M. sagt:

    Ah, doch, ja. Das hab ich auch schon oft gehört … Muss aber auch gestehen, dass ich oft ach zu feige bin oder einfach keine Nerven habe, schon wieder eine Grundsatzdiskussion anzufangen. Und auf der Arbeit auch manchmal schlicht keine Zeit.

    Aber als das bescheuerte “Buch” von Herrn S. rauskam (Sie wissen schon, dass über die Integration und blahblahbalblahblah und dass Deutschland sich selbst abschafft), da war ich kurz davor, dem nächsten Kunden, der davon anfing, “dass das ja alles stimmt und das man das ja endlich mal sagen muss” den Kopf abzubeißen. Im Laden.

    • Nessy sagt:

      Zum “bescheuerten Buch von Herrn S.” kann ich wenig sagen, denn ich habe es nicht gelesen, sondern nur darüber gelesen, was es immer etwas schwierig macht, sich eine fundierte Meinung zu bilden.

    • Iche sagt:

      Haben Sie das Buch gelesen, Julia M.?

    • Julia M. sagt:

      Nein. Die Zeit krieg ich ja nie wieder … Aber genug Auszüge um zu wissen, dass ich den Kram tatsächlich nicht lesen will.

  • Wenn niemand etwas dagegen sagt, wird sich nichts verändern.
    Insofern Danke für deinen Einsatz, auf keinen Fall hast du nutzlos gehandelt.
    Ich denke, dass es da ganz sicher einen kleinen Denkanstoß für die beiden Damen gab; sei es auch nur, dass sie beim nächsten Friseurtermin erstmal schauen, wer neben ihnen sitzt und gegebenenfalls bei bestimmten Themen nur leise tuscheln ;-) weil ihnen bewußt wurde, dass es da Gegenwind geben könnte.
    Ich werde mir das Buch “Deutschland schwarzweiß – …” kaufen. Die Beschreibung hat mich neugierig gemacht.
    Ich halte mich zwar auf keinen Fall für rassistisch veranlagt, bin aber dennoch gespannt, wie oft ich eines Besseren belehrt werde …. schauen wir mal.

  • SilkeSolingen sagt:

    Ganz schwieriges Thema… vor allem für eine Solingerin. Als ich damals nach dem Brandanschlag bei der ersten Demo gegen Rassismus war, wurde ich anschließend von wütenden Türken als Nazi beschimpft… das hat schon weh getan. Dennoch würde ich das jederzeit wieder tun und habe es auch schon getan. Derzeit haben wir ein Problem mit Salafisten, die sich eingenistet haben… in diesem Dunstkreis haben wir es hier erstmalig mit Frauen im Niqab zu tun, mit jungen Männern (oft auch Deutschen), die lange Bärte tragen und – ja – einfach fundamentalistisch aussehen und sich auch so verhalten. Es gab Randale – Pro NRW hat das ausgelöst, die Salafisten haben reagiert und die Demonstranten gegen Pro NRW (“Bunt statt Braun” heißt die Initiative gegen Rassismus in Solingen) standen plötzlich zwischen den Fronten – war ja in den Medien, habt Ihr wahrscheinlich alle gesehen. Das verschärft den ganz alltäglichen Rassismus à la “er ist Türke, aber sehr nett” – “sie ist aus dem Libanon, aber sehr ordentlich” – “er ist schwul, aber ein ganz lieber” noch mehr… und man kann sich oft nicht verständlich machen, wenn man gegen diesen alltäglichen Rassismus angehen will… ganz schwieriges Thema eben…
    Aber wie sagt mein Göttergatte immer? Nur nicht nachgeben!

    • Nessy sagt:

      Bei Frauen im Niqab stoße ich an meine Toleranzgrenze. Das Tragen eines Kopftuchs kann ich nachvollziehen. Das sehe ich wohlwollend-kritisch. Eine Frau, die Niqab trägt, darf sich meines Erachtens nicht beschweren, wenn sie auf Widerstand stößt, denn sie baut ja mit der Kleidung selbst eine künstliche Wand zwischen sich und der Umgebung auf und signalisiert damit, nicht dazugehören zu wollen.

  • Nina sagt:

    Alltagsrassismus gibt es übrigens auch noch in ganz anderer Form. Zum Beispiel recht häufig in den USA und zuweilen in GB gegenüber Deutschen (sind alle Nazis – alle). Muss ich z. B. wirklich so einer ignoranten, uninformierten, vorurteilsbehafteten Frau aus New York erst erzählen, dass – oh Wunder – meine Familie halb jüdisch ist, das ein Teil meiner Familie – ja gibt’s denn sowas – von den Nazis umgebracht wurde und ich – und jetzt bitte festhalten – TROTZdem Deutsche bin, damit sie mich nicht unverschämterweise als Nazi beschimpft? (Dann wird in der Regel flugs die Süssholzraspel eingesetzt).

    Der Dummheit der Menschen sind keine Grenzen gesetzt, leider. Und Rassismus, Vorurteile und generelle Ignoranz sind leider an der Tagesordnung, nicht nur in Deutschland. Trotzdem, wenn man kann, dann sollte man was sagen.

    • Nessy sagt:

      Die Wut kann ich nachvollziehen – bei solch einer Familiengeschichte. Ich selbst wurde im Ausland noch nie als Nazi beschimpft. Es gab nur Nachfragen, ob es in Deutschland noch Hitler-Anhänger gäbe – das war aber ehrliches Interesse. In Russland bin ich öfter auf alte Männer getroffen, die deutsche Soldatenlieder gesungen haben, als sie herausgefunden hatten, dass ich Deutsche bin. Sie hatten sie im Krieg gelernt, in Gefangenschaft oder von deutschen Soldaten, deren Aufseher sie waren.

  • wiederhoeren sagt:

    Hm, dabei hat Deutschland, ja nur um die 8% Ausländeranteil. Die Schweiz weisst einen Anteil an Ausländern von rund 23% der Bevölkerung auf. Interessant, dass Deutschland gefühlt dennoch mehr Probleme damit hat. (Mir ist klar die die absoluten Personen-Zahlen in D ungleich höher als in der CH sind)

    • Furrycat sagt:

      Ohne genaue Zahlen oder Bedingungen zu kennen vermute ich aber mal (und lasse mich gerne eines besseren belehren!), dass ein grosser Teil der in der Schweiz lebenden Ausländer Deutsche/Westeuropäer/Angehörige anderer westlicher Industrienationen sind und deswegen von der Schweizer Bevölkerung schon weniger als Ausländer empfunden werden (auch, weil die meisten schon optisch nicht auffallen). Ich selbst lebe wie Micha als Deutsche in Frankreich, und werde im Alltag einfach relativ selten als Ausländer behandelt. Nach acht Jahren in F habe ich mit weniger Vorurteilen zu kämpfen, als arabischstämmige Franzosen, die vielleicht schon hier geboren sind, deren Wurzeln man ihnen aber ansieht und am Namen hört…
      Von daher weiss ich nicht, ob man die Schweiz so gut mit Deutschland vergleichen kann. Spielt bei einer eventuellen grösseren Toleranz in der Schweiz vielleicht auch die eigene Viersprachigkeit eine Rolle? Und weiss jemand mehr über den Schweizer Minarettstreit zu berichten?

    • Nessy sagt:

      Acht Prozent Ausländeranteil sind nur Durchschnitt. So hat Brandenburg einen Ausländeranteil von 2,6 Prozent, Nordrhein-Westfalen von zehn Prozent, Berlin von 14 Prozent. Einzelne Städte bzw. Stadtteile in Nordrhein-Westfalen, besonders im Ruhrgebiet, kommen auf 30 Prozent.

      Die meisten Ausländer (1,6 Mio) kommen aus der Türkei, gefolgt von Italien (ca. 520.000) und Polen (468.000).

      Ausländer, die in der Schweiz leben, kommen vor allem aus Italien, Serbien und Montenegro, Deutschland und dem übrigen Europa. Insofern stimmt die Theorie teilweise.

    • jpr sagt:

      Wie erwaehnt kommt tatsaechlich ein grosser Teil aus den EU27 Staaten (~60%), aber auch ein guter Prozentsatz aus Ecken von Europa, wo man rein physisch schon wieder nicht komplett im Strassenbild untergeht. Ich persoenlich hegen auch den Verdacht, dass die Mehrsprachigkeit viele Menschen hier an den Gedanken gewoehnt, dass man gleich und doch verschieden sein kann. Andererseits fallen Sie hier halt auch auf (so wie in: es wird bemerkt), wenn Sie halt einen anderen Dialekt sprechen (und es gibt viele), so dass sich physische Gleichartigkeit eben auch schnell wieder relativiert (denn viele Secondos und spaetere Generationen beherrschen das lokale Idiom perfekt).

      Ich finde es schwierig in einem Satz zu schreiben, wie sich in einem anderen Land zu leben anfuehlt und was fuer Haltungen man begegnet, meine Erfahrungen sind allerdings durchweg positiv.
      Ich denke Frau Nessys Erfahrungen spiegeln es eigentlich perfekt wider: Idioten die aus fundamentalen (und vermutlich meist uninformierten) Gruenden ‘gegen die da’ sind gibt es immer – und wenn man nicht mit Ihnen spricht gewinnen sie sogar Abstimmungen (die von Ihnen erwaehnte Minarettinitiative).

    • A. sagt:

      Je nach Auftreten wird ein türkischstämmiger Mensch mit deutschem Paß als Ausländer wahrgenommen (bisweilen durchaus begründet). Die 8% geben also nicht die ganze Wahrheit wieder. Die Legaldefinition von “Ausländer” ist eine Sache; der Ausländer als “Jemand, der nicht wie wir ist”, eine andere…

    • jpr sagt:

      Was soll denn “wie wir” fuer eine Einordnung sein? Ich treffe sicherlich jeden Tag Menschen, die nicht “wie ich” (als kleinste Teilmenge von wir) sind – weil sie Ihr Leben anders leben, an andere Dinge glauben und andere Massstaebe anlegen. Die darf ich dann Auslaender nennen und sie ggf. komisch behandeln, weil sie ja nicht wie ‘wir’ sind?

      Und wenn einer allein eine zu kleine Gruppe ist, dann kann ich mir halt einfach beliebige andere “wir” aussuchen? Menschen unter 40, Maenner, Leute mit Buerojobs?

    • Nessy sagt:

      Die Abgrenzung “wie wir” ist doch eigentlich klar: Es ist vor allem – um es mit den Worten der Rechten zu sagen – eine “rassische” Abgrenzung, also Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe, Statur.

  • Jan Ostemore sagt:

    Allgemein verlieren die Deutschen die Lust sich überall in der Welt (und Zuhause) beschimpfen zu lassen und den Zahlmeister zu spielen. Besonders, da die jahrzehntelange Strategie, sich in der Welt und bevorzugt in der EU Freunde zu kaufen, jetzt in der Finanzkrise zusammenbricht.

    Das hat auch Folgen für das Verhalten im Inland. Etwa so nach dem Motto, im Ausland können sie uns beschimpfen und verachten, aber wenigstens hier zeigen wir mal, wer der Boss ist.

    Das Volk hat nun mal den Eindruck, dass unsere sogenannten Freunde in der Welt uns nur als nützliche Idioten und Zahlmeister sehen, während das Geld im eigenen Land (Gesundheitssystem, Infrastruktur wie Straßenbau oder Stromtrassen, …) wesentlich besser angelegt wäre. Wenn man für das Geld schon keine Gegenleistung (“Freundschaft”) bekommt und wenn das Restgeld, das noch für das Inland zur Verfügung steht, dann nicht so verteilt wird, wie es das gemeine Volk es gerne sehen würde, nimmt der Altagsrassismus neue Züge an.

    Der Streit um angekaufte Steuerhinterzieher-CDs ist auch so ein Beispiel. Vor einem Jahrzehnt hätte sich niemand in Deutschland getraut gegen von ausländischen Staaten wie Liechtenstein oder der Schweiz geförderte Steuerkriminalität vorzugehen. Es hätte ja sein können, dass man uns dann in der Welt nicht mehr mag. Doch mehr und mehr bekommen Politiker den Eindruck, dass man uns sowieso nicht mag. Da kann man auch mal … Da fällt die Hemmschwelle.

    Zuwanderung ist noch mal ein ganz anderes Thema. Das wurde und wird von allen politischen Richtungen missbraucht. Die Rechten brauchen Zuwanderung um ein Feindbild zu haben, die Linken setzen Zuwanderung als Mittel der Unterwanderung der verhassten deutschen Kultur ein.

    • Nessy sagt:

      Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen “keine Lust, den Zahlmeister zu spielen” und rassistischen Äußerungen zu Asylbewerbern und irgendwelchen ausländischen Nachbarn. Weil unsere Regierung Banken Geld gibt und einen Rettungsschirm für Griechenland spannen, denken Leute, sie könnten die Leute aus dem Erdgeschoss dissen? Das scheint mir arg um die Ecke gedacht.

  • [...] ganzes Leben lang gearbeitet haben. Und wem nehmen die es dafür weg? Uns, dem einfachen Bürger.« Draußen nur Kännchen: Alltagsrassismus [...]

  • Oha, Sorry, bin grad auf einer Gutmenschen-Schleimspur hier im Thread ausgerutscht…
    …so, ich versuch mal aufzustehen und weiter zu gehen…

  • Doc23 sagt:

    Wa ist eigentlich das Gegenteil von “Gutmensch” ? “Scheiss-Mensch” ?

Was ist das?

Du liest momentan Alltagsrassismus auf Draußen nur Kännchen.

Meta

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 510 Followern an

%d Bloggern gefällt das: