Die Sache mit der Waschmaschine

14. Oktober 2012 § 52 Kommentare

Meine Waschmaschine musste in den ersten Stock, es half alles nichts.

Mein Vermieter wollte sie nicht mehr im Keller stehen haben, warum auch immer, es lohnt sich nicht, das auszudiskutieren. Also musste das Ding hoch in mein Bad. Wir montierten die Schläuche von den Hähnen, ich ging in die Knie, wie sich das gehört, bloß nicht aus dem Rücken heben, sondern bitteschön aus den Beinen. Wie ich mich und die Waschmaschine dann hochdrückte, machte es vernehmlich “Knack” im Rücken, und ich war kurzfristig überzeugt, dass mir jemand mit einer Schaufel die Lendenwirbel zerhackt.

Wie ich mich allerdings schonmal aufgerichtet hatte, die Waschmaschine am langen Arm, war es eigentlich ganz okay – stehen war in Ordnung, nur das Treppensteigen lief ein bisschen unrund. So trugen wir die Maschine ins Bad. Nach dem Absetzen begann dann das Leiden, das mich schließlich in die Notaufnahme führte – diesmal, im Gegensatz zu meinem letzten derartigen Ausflug, immerhin bekleidet.

Es begrüßte mich ein junger Arzt. Er hatte einen Händedruck, als hätte er mir einen schlaffen Penis in die Hand gelegt, es schüttelte mich leise. Ich erklärte ihm, was geschehen war. Aha, sagte er, das sei ja nicht schön. Ich sagte, in den Beinen sei nichts taub oder so, alles super, nur im Rücken eben, dort ginge gar nichts mehr. Aha, meinte er, er wisse jetzt auch nicht, was man da tun könne, vielleicht ein Schmerztropf, dann müsse ich aber stationär bleiben, ob ich nochmal auf und ab gehen könne. Ich ging wie gewünscht auf und ab. Mmmmh, machte er nachdenklich, das sei ja kein schönes Gangbild, “was meinen Sie denn dazu?” Ich sagte: Nein, nicht schön. Er sagte: Tja, und kratzte sich am Kinn, “wollen Sie nun bleiben, oder was sollen wir tun?”. Ich sagte: Auf Wiedersehen – und ging ins nächste Krankenhaus.

Dort öffnete mir ein junger Udo Brinkmann in persischer Ausführung die Tür, sein Händedruck war fest, seine Augen waren groß und dunkel, seine Unterarme kräftig. Er sagte, das Illiosakralgelenk sei blockiert, das sei samstags nichts Seltenes, dauernd trüge jemand Waschmaschinen, ich möge mich bitte vorbeugen. Er spritzte mir eine Zauberdroge in den Rücken, ich habe sie hinterher ergoogelt, Triamcinolon, es war fantastisch. Nach nur zwei Minuten konnte ich aufrecht gehen, mir fiel auf, dass ich eine Jogginghose trug und überhaupt ziemlich nach Samstag aussah, und ich war sehr beeindruckt von so viel Kompetenz und Schönheit. Er drückte mir noch zwei Pillen in die Hand, für die Nacht und für weitere Schmerzen, schüttelte noch einmal feste meine Hand, ich war hin und weg, natürlich wegen der Spritze und nichts anderem, und er schubste mich in den Gang hinaus.

Heute habe ich dann einen kleinen Genesungsspaziergang gemacht, die große Laufrunde durch den Wald. Jetzt ist alles wieder locker und frisch, und die Waschmaschine macht schon ihre dritte Tour.

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§ 52 Antworten auf Die Sache mit der Waschmaschine

  • zimtapfel sagt:

    Achherrje! Sie machen Sachen!
    Aber: Gut gemacht! Das nächste Mal, wenn ich das Gefühl habe, mein ärztlicher gegenüber hat noch weniger einen Plan als ich von dem, was sein Job sein sollte, dann denke ich an Sie, sage “Auf Wiedersehen” und gehe.
    Und zum nächsten Waschmaschinentransport leihen wir uns dann bitte eine Sackkarre aus. Da verrenkt man sich nicht so leicht den Rücken.

  • Bei der Beschreibung des Händedrucks des ersten Arztes hat’s mich jetzt richtig geschüttelt…
    Zum Glück haben Sie noch einen sehr kompetenten Doktor erwischt!
    Alles Gute!

  • kvinna sagt:

    Alles richtig gemacht, Frau Nessy! Außer, dass Sie nächstes Mal die Waschmaschine bitteschöne von jemand anderm tragen lassen. Und ich bin jetzt richtig mit Ihnen mit erleichtert über die gute Genesung.

    • Nessy sagt:

      Das nächste Mal engagiere ich einen Mann, der danach womöglich einen schlimmen Männer-Hexenschuss hat – das ist dann auch nicht leicht!

    • kvinna sagt:

      Ich sag’ nur: Treppensteigende Sackkarre! (Ausschließlich in Männerhand, das potenziert den Effekt, wegen der Technik!)

  • Micha sagt:

    Wow, Sie zu zweit eine Waschmaschine die Treppe hochgeschleppt. Respekt! Die einzige Frau, die ich kenne und der ich das auch zugetraut habe, war eine Freundin zu ihrer Schloßer-Lehrzeit (heute Grundschullehrerin). Mann, hatte die Oberarme!

    Beim Transport von Waschmaschinen lasse ich alle Ansätze von Emanziopation fallen! Und Sie nun und Ihr Rücken! Sie passen doch auf sich auf? Nun für *Tatort* auf dem Sofa bereit ohne Schmerzen?

    • Nessy sagt:

      Waschmaschinen sind nicht mehr so schwer. Das Hochtragen an sich ging gut. Nur die Technik zu Beginn war verbesserungsbedürftig. Ronny Weller muss mir dahingehend mal Nachhilfe geben.

  • dieser erste Doc war ja nun wirklich ein Musterbeispiel für Schaffensdrang und Fachkompetenz!
    Wie haben Sie noch gleich den Händedruck beschrieben?

    brrrrrrr. Zum Schütteln.
    Ich verwende da gerne die Umschreibung “toter Fisch”, aber das hier tuts auch…

  • Ja sowas ist fies, zum Glück hat es mich bisher nie getroffen, aber meine Patienten hört man öfters bis auf die Straße. Gute Besserung.

    • Nessy sagt:

      Doktor Brinkmann meinte, als er mich spritzte, ich möge mich bitte entspannen. Aber mein Chi war etwas verrutscht, es ging so schlecht.

  • Jordan sagt:

    So einen ähnlich laschen Orthopäden hatte ich letztens, muss der Vater von Arzt No. 1 gewesen sein. Folgende Unterhaltung führten wir, nach einer 5stündigen Wartezeit im bis zum Bersten gefüllten Wartezimmer.
    “Ja, was haben wir denn?”
    “Knorpelabsplitterung, steht alles auf dem MRT-Bericht, den ich Ihrer Arzthelferin vorhin gegeben hab.”
    “Wo haben Sie DAS denn her?”
    “Ja…äh…”
    “Und was machen wir jetzt?”

    Danke.

    Gratulation zur wiedererlangten Bewegungsmöglichkeit eines jungen Panthers. Ich habe die Befürchtung, dass Waschmaschinen allgemein auf solche Vorfälle aus sind.

    • Nessy sagt:

      Sie meinen, Waschmaschinen haben einen bösartigen Charakter? Vielleicht haben sie ein Problem mit Nähe und es stört sie, wenn sie getragen werden.

  • crocodylus sagt:

    Ein schöner Onkel Doktor ist was wert.
    Möchten Sie vielleicht nochmals dahin, so wegen Nachsorge?

  • jpr sagt:

    Sackkarre war auch das erste Wort was mir einfiel (na gut, das zweite, das erste war Autsch). Wahlweise haette auch diese Technik geholfen, man sieht aber auch die Nachteile.

  • Chris sagt:

    Autsch. Und da noch nicht alle guten Tips gefallen sind: Waschmaschinen bewege ich nur noch mit Tragegurten.

  • Dieter sagt:

    So ein Prachtexemplar von Arzt hatte meine Frau letztens auch in einer Notaufnahme, als ihr das Knie total blockiert war. Er kannte sich zwar aus mit der Anatomie, aber daß meine Frau heftige Schmerzen hatte, konnte er nicht so richtig nachvollziehen, weil auf dem Röntgenbild und beim Tasten alles in Ordnung war. Gut, der renommierte Sportarzt aus Köln konnte auch nichts finden, aber daß meine Frau in dem Moment Schmerzen hatte, stand außer Frage (“Warum sind Sie denn so verkrampft? Entspannen Sie doch mal.” waren seine Worte).

    Dann tatsächlich zu gehen ist schon nachahmenswert. In dem Fall war es leider in der tiefsten niedersächsischen Provinz. Da ist die Klinikdichte nicht so hoch. Glücklicherweise sprang irgendetwas im Knie meiner Frau beim Röntgen wieder dahin, wo es hingehört, und alles war wieder halbwegs in Ordnung.

    • Orthopäden hams oft nicht so mit der Empathie.

    • Nessy sagt:

      Orthopäden machen gerne an einem rum, fragen: “Tut’s so weh? Tut’s so weh?”, und wenn man sagt “Nein, aber es tut weh, wenn …”, dann hören Sie nach dem Nein schon nicht mehr zu, und man wird als Simulant entlassen.

  • Kräftige Arme…sollte es viel mehr geben. Grade bei Ärzten. Fühlt man sich direkt viel besser aufgefängen.
    Das nächste Mal lassen Sie die Waschmaschine dann aber bitte tragen!

  • worthauerin sagt:

    Liebe Frau Nessy, gute Besserung für den Rücken. Auf keinen Fall sollten Sie den Kontrolltermin versäumen. Notfalls (haha) auch mehrere. Das hilft nicht nur dem Rücken, sondern auch dem Kreislauf. Ich hatte kürzlich weniger Glück bei der Arztwahl, war doch der atemberaubende Jungarzt beim Abendappell nur für die Omi im Nachbarbett zuständig. Leider war ich nicht so geistesgegenwärtig, mittels meines erhöhten Pulses Wiederbelebungsmaßnahmen zu erschleichen. Es blieb mir nur, dem wehenden Kittel hinterherzustarren, so schnell war er wieder weg. Das Leben ist ungerecht.

    • Nessy sagt:

      Ich denke auch, dass eine ausgiebige Konsultation angeraten ist, um sicherzugehen, dass alle Wirbel wieder am Platz sind.

  • flyhigher sagt:

    Aua! Ich trage ja seit meinen Vorfällen nix mehr. Ich lasse tragen. Das erspart mir die Erlebnisse mit erstem Onkel Doktor, aber leider natürlich auch die mit dem zweiten Onkel Doktor ;-).

  • Krümel sagt:

    Und jetzt stellen Sie sich das mal ohne Schmerzmittel vor, weil Sie als Schwangere nix kriegen dürfen. Hatte ich innerhalb der letzten 3 Wochen 3 Mal. Haben meine Zwillinge Glück, dass ich sie jetzt schon so lieb hab…

    • Nessy sagt:

      Ohne Schmerzmittel wäre es nicht ganz so schön. Ich habe das ja vorab ausprobiert, und auch heute Morgen hatte ich einen nachhaltigen Eindruck von diesem Zustand.

  • Arkania sagt:

    Bei dem ersten Händedruck musste ich ja schon leicht kichern aber bei dem Vorfall von damals in halbnackt hat es mich schier vom Stuhl gerissen, dabei hätte ich mir auch fast ein Rückenleiden durch Aufprall auf einen Rollcontainer geholt, ich konnte mich grade noch festklammern! :D
    Aber ich doch immer wieder fasziniert, was für Ärzte auf die Menschheit losgelassen werden (Nr 1).

    LG

    • Nessy sagt:

      Wie gesagt, er schien mir ein Berufsanfänger zu sein. Vielleicht lagen ihm Platzwunden und Unterarmfrakturen auch einfach mehr als meine Waschmaschinenkrankheit.

  • FF sagt:

    Jo. Einmal zufällig den falschen “Arzt” getroffen – und es ist (mit etwas Pech) nie wieder gutzumachen. Wenn’s dumm läuft: exitus.

    Ich würde das gern für eine statistische Aberration halten, wenn ich nicht ganz ähnliche Impressionen von unserem “Gesundheitssystem” (allein das Wort schon!) gewonnen hätte.

    • Nessy sagt:

      Solange ich noch in der Lage bin, den mündigen Patienten zu geben und mir einen anderen Arzt zu suchen, geht das alles noch. Es kann ja nicht jeder Arzt Hippokrates persönlich sein. Ich war im Nachhinein allerdings sehr froh, nicht bewusstlos oder mit einem schlimmeren Leiden eingeliefert worden zu sein.

  • [...] Wahre, ist mittlerweile in Rente, es gibt jetzt Knack 2.0, der zwar nicht ganz so fesch ist wie Doktor Brinkmann, aber trotzdem recht schnittig – außerdem motiviert und zugetan, als frischer, neuer [...]

  • Mascha sagt:

    Diese Art Händedruck kenne ich. Die Beschreibung passt 100%ig!!!

  • bebe sagt:

    Gibt es nicht die Regel, je schöner der Arzt, desto größer die Compliance?

  • Mia sagt:

    Schön, dass Sie wenigstens noch so mobil waren, um es gleich in zwei Krankenhäuser zu schaffen. Ich hatte leider keine Wahl und musste nehmen, was kam:

    Witzigerweise (und ich kann auch erst heute ansatzweise darüber lachen) hatte ich nämlich am Sonntagabend ebenfalls Rücken, lag zunächst zwei Stunden bewegungsunfähig auf dem Boden in meiner Wohnung und wartete auf den ärztlichen Notdienst, der noch mal zwei Stunden brauchte – man sollte sich früher überwinden anzurufen, auch wenn man (bzw. ich) sonntags für gewöhnlich wie ein Penner in einer Messie-Wohnung haust.

    Der “Arzt” (ich bin sicher, er war eigentlich Pizzalieferant und der echte Arzt liegt noch irgendwo abgestochen in einer Hecke), klingelte erst fünfmal an meiner Wohnung, obwohl ich dem Notdienst gesagt habe, dass ich nicht an den Türöffner komme, dann brüllte er, von den Nachbarn reingelassen, “Ich bin Doktor! Ich bin D-O-K-T-O-R!” durchs ganze Haus und kommentiere meine Bodenlage mit “Das geht doch nicht!”.

    Als ich um eine Spritze flehte, meinte er: “Schnelle Besserung gibt es nicht. Das kann nur der liebe Gott!”, meine bis dahin eingenommenen Medikamente kannte er auch nicht und während ich immer noch vor Schmerzen nicht hochkam, blätterte er durch meine Klaviernoten und brachte mir meine Apfelsaftflasche, um zu erklären, dass das doch ungesund und voller Zucker sei.

    Ich sag’s mal so: das nächste Mal rufe ich entweder direkt 112 oder verpasse mir selbst den Gnadenschuss. Uns beiden gute Besserung, Frau Nessy.

    PS: Wenigstens ist mein Orthopäde echt scharf (und kompetent!). ;-)

  • SusiP sagt:

    NIE wieder werde ich bei einem schlaffen Händedruck an was anderes denken können.

    Aber schön, wenn die Drogen wirken.

  • [...] bisher geschah: Anfang Januar ereilte mich, als Spätfolge einer Waschmaschinen-Aktion, ein Bandscheibenvorfall, der sich fürderhin als Bildungsbandscheibe entpuppte und die unschöne [...]

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