Ein paar Gedanken zu Frau Schavan

6. Februar 2013 § 112 Kommentare

Frau Schavan ist ihren Doktortitel los.

Diesem Beitrag möchte ich vorausschicken: Wenn ihre Dissertation akademischen Qualitätsansprüchen nicht genügt und auch nie genügt hat, ist das einer Bildungsministerin unwürdig. Es liegt mir fern, schlampiges wissenschaftliches Arbeiten zu verteidigen. Trotzdem möchte ich ein paar Dinge zu bedenken geben.

Als ich Anfang vergangenen Jahres beim Guttenplag die Arbeit von Karl Theodor zu Guttenberg ansah, musste ich schallend lachen. Ich habe zu dem Zeitpunkt noch selbst an meiner Dissertation gearbeitet, und was Herr zu Guttenberg da fabriziert hatte – nun ja, jeder Zweitsemesterstudent konnte erkennen, dass keine Nachlässigkeit dahintersteckt. Offensichtlicher und umfänglicher kann man eine Täuschungsabsicht wohl nicht dokumentieren.

Auch bei Frau Schavan habe ich mir die Dokumentation (pdf) der Plag-Leute angeschaut. Der Fall ist anders gelagert als bei zu Guttenberg. Die, sagen wir mal, Ungenauigkeiten sind bei weitem nicht so dreist, nicht so eklatant, auch wenn sie, endend beim unvollständigen Literaturverzeichnis, letztendlich zur Aberkennung des Titels geführt haben.

Wer heute an einer Dissertation arbeitet, hat zahlreiche elektronische Möglichkeiten, seine Literatur und seine Gedanken zu verwalten. Trotzdem sind mir in meiner eigenen Arbeit Fehler unterlaufen. So steht im Text an einer Stelle die Quelle “Müller 2010″, im Literaturverzeichnis aber “Müller 2011″. Das sollte nicht passieren, kann eigentlich bei korrekter Anwendung von Literaturverwaltungssoftware auch nicht passieren. Aber irgendwann während der mehrjährigen Arbeit an diesem 250-seitigen Dokument es ist passiert. Mein Doktorvater hat es bemerkt und mich dafür abgewatscht – und meine Korrekturleser gleich mit. Richtig so.

Was ich aber damit sagen will: Ich halte es für praktisch unmöglich, Fehler komplett zu vermeiden. Ich möchte deshalb nicht wissen, welche Unsauberkeiten selbst dem redlichsten Doktoranden 1979 durchgegangen sind, als noch mit Zettelkästen und Schreibmaschine gearbeitet wurde.

Nochmal: Ich möchte damit mitnichten Plagiatoren verteidigen, auch nach mehreren Jahrzehnten sind. Ich möchte lediglich einordnen.

Meine Dissertation ging durch eine Plagiatssoftware. Das ist Standard; die Abgabe in gebundener wie auch in elektronischer Form ist obligatorisch. Bei Frau Schavan war es das damals nicht; die Plagiatsfeststellung war und ist ungleich schwieriger.

Umso mehr verblüfft es mich, dass sich jemand die Dissertation dieser Frau vornimmt, einer langjährigen Politikerin, die nunmehr 57 Jahre alt ist und deren Arbeit vor 33 Jahren entstanden ist. Solch eine Arbeit zu prüfen, 35, 40, 50 Jahre alte Literatur zu beschaffen, jede Fußnote zu vergleichen und zusätzlich all jene Textstellen zu kontrollieren, die keine Fußnote haben – das ist ein Vollzeitjob. Für Wochen. Wer macht sowas? Und warum? Cui bono?

Meine Einschätzung zu Herrn Guttenberg war seinerzeit: Jeder, der täuschen möchte und es auch tut, stellt sich, selbst wenn ich ihm wohlwollend an Debilität grenzende Blödheit unterstelle, nicht so dumm an wie Herr zu Guttenberg. Solch ein plumpes Kopieren fabriziert man nicht selbst.

Und ein Plagiatsjäger, der sich ohne Verdachtsmoment die Mühe macht, eine 33 Jahre alte Dissertation herauszukramen (ausgerechnet diese!) und sie bis ins Detail zu prüfen, macht das nicht als Freizeitvergnügen. Er macht es auch nicht aus einem übermäßigen Gerechtigkeitsempfinden heraus – sondern weil es einen Zweck hat. Für ihn oder für Dritte.

Hätte Annette Schavan übrigens vor 33 Jahren einen Menschen getötet, wäre der Totschlag seit drei Jahren verjährt.

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§ 112 Antworten auf Ein paar Gedanken zu Frau Schavan

  • Gänseblume sagt:

    Danke. Mir fehlt in der ganzen Diskussion bisher die Verhältnismäßigkeit und hier wird sie gut aufgezeigt.

  • Ich finde, wie du auch, wenn einer “gemogelt” hat, hat er/sie mit den Konsequenzen zu leben. Was mir aber dabei aufstößt, ist die Art und Weise wie man sich jetzt das Maul darüber zerreißt. Aber diese Menschen haben noch nie gespickt oder getäuscht.

    • Nessy sagt:

      Natürlich ist es etwas anderes, bei einer Klassenarbeit zu spicken oder bewusst eine Doktorarbeit einzureichen, die (offenbar) fernab jeglicher Qualitätsstandards ist. Wenn wir aber die Leute fragen, die nun mit dem Finger auf Frau Schavan zeigen, ob sie denn ihre Putzfrau angemeldet haben, wann sie sich zuletzt etwas schwarz in die Tasche gesteckt haben oder ob das iPad nicht vielleicht doch runtergefallen ist, anstatt dass sich der Nachbar mit der Haftpflichtversicherung draufgesetzt hat, dann sieht es schon anders aus.

    • Das meinte ich ja auch. Und diese Menschen schreien wahrscheinlich noch am lautesten.

  • Chris sagt:

    Hier wird wohl wirklich mit zweierlei Maß gemessen. Wollte Frau Schavan ihre Karriere in der Politik nicht ohnehin mit Ende der Legislaturperiode beenden?
    Ohne ein Freund von geklauten Dissertationen zu sein (und auch keiner von diesen Pseudoarbeiten) es hinterlässt einen komischen Beigeschmack.

    • Nessy sagt:

      Ich möchte nun keine positive Altersdiskriminierung betreiben, aber das habe ich mich auch gefragt: Warum greife ich mir bei meinen Kontrollunternehmungen eine 57-Jährige heraus? Herr Rösler oder Frau Schröder wären lohnender gewesen, was die Rendite meiner Bemühungen angeht.

    • Chris sagt:

      Durchaus. Wobei Rösler Mediziner ist, da da Doktorarbeiten keinem Qualitätsstandard ausserhalb der Medizin genügen, ist leider mehr als ein offenes Geheimnis. Mein persönlicher Favorit aus einem Aushang: “Medizinische Doktorarbeit oder biochemische Diplomarbeit”.
      Und das Frau Schröder ein sehr dünnes Brett gebohrt hat (wohlwollend gesagt) ist ja bereits damals angemerkt worden.

    • Isa sagt:

      Frau Schavan hat sich erst kürzlich für die kommende Bundestagswahl aufstellen lassen, soviel zu ‘Karriere ohnehin beenden’. Wer der Meinung ist, dass es andere gibt, bei denen eine Überprüfung der Arbeit notwendiger wäre – nur zu, bei Vroniplag ist jeder der mitarbeiten mag herzlich willkommen.

  • meineschreibblockadeundich sagt:

    “… hinterlässt einen komischen Beigeschmack.”

    Wie so manches Timing in letzter Zeit …

  • Da kann ich dir nur zustimmen. Es ist mittlerweile eine Jagt auf Politiker… bin gespannt, wann mal jemand die Dissertation von Merkel untersucht.

    Mit Guttenberg hat Schavan nichts gemein. Daher kann ich es verstehen, dass sie um ihren Doktortitel auch kämpfen will.

  • ingo sagt:

    Nunja, sie wird ja nicht zu einer Strafe verurteilt, man nimmt ihr nur etwas weg was sie eigentlich nie hätte haben dürfen. Dass dies nun gleichzeitig auch die einzige berufliche Qualifikation war die sie hatte – das ist dann eben auch nach 33 Jahren ein akutes Problem, eine “Studienabbrecherin” ohne Berufsabschluss o. ä. macht sich als Wissenschaftsministerin irgendwie nicht so gut.

    Lacher am Rande: dass die gute Frau eine Arbeit über die “Gewissensbildung” so ungerührt zusammenkopiert hat ohne dabei Gewissensbisse zu bekommen …

    • Nessy sagt:

      Auch wenn ich etwas geklaut habe, muss ich es zurückgeben, selbst wenn die Tat an sich verjährt ist. Darüber hinaus finde ich “ungerührt zusammenkopiert” doch reichlich dramatisiert. Für Guttenberg ist der Ausdruck passend.

    • ingo sagt:

      Ist es dramatisiert? Auf 94 Seiten (so sagt es Wikipedia) geborgte Textpassagen unterzubringen scheint mir schon recht ungerührtes Vorgehen zu sein.
      Guttenberg dagagen hat ja eben nicht geklaut, der hatte nur einen Schreiber beauftragt der sehr schlechte Arbeit abgeliefert hat ;)

    • Nessy sagt:

      Ich finde schon, dass es einen Unterschied macht, ob man überhaupt keine Quellen angibt und dreist kopiert, sich sogar das Vorwort aus der FAZ borgt (ganz großer Schenkelklopfer übrigens!) oder ob man wiedergegebene Textstellen kennzeichnet, dies aber unzureichend tut. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Beides ist keines Doktortitels würdig und führt zum gleichen Ergebnis, aber moralisch ist es für mich eine andere Liga.

  • kaltmamsell sagt:

    Mir ging es so, seit im Oktober letzten Jahres Evelyn Roll für die Süddeutsche den Fall beleuchtete: Dass man zum Beispiel im Anschluss an ein wörtliches Zitat Weiteres in indirekter Rede zusammenfasst und nicht nochmal eigens auf die Quelle hinweist, ist eigentlich üblich. Ohne die geringsten Sympathien für Schavan wundere ich mich arg über die Feststellung, sie hätte mit Absicht betrogen.

    • Nessy sagt:

      So, wie ich das sehe, gibt sie in ihren Fußnoten ja durchaus Quellen an, auch an den beanstandeten Stellen. Im Detail möchte ich das nicht beurteilen – das hat die Uni Düsseldorf getan und die hat deutlich mehr Ahnung -, aber hier nun eine betrügerische Absicht zu unterstellen, geleitet von niederen, verachtenswerten Instinkten – darüber wundere ich mich auch.

  • sweetkoffie sagt:

    Bravo! Das sehe ich ganz genauso.

  • sweetkoffie sagt:

    Reblogged this on Sweetkoffie's Blog – Leben live und kommentierte:
    Genauso sehe ich das auch und hätte es nicht besser zusammenfassen können

  • Anagram sagt:

    Es mag richtig sein, dass der Vorwurf einer leitenden Täuschungsabsicht etwas zu weit gegriffen ist. Liest man den “Schavan-Plag” durch, so fällt eine, nennen wir es, Fahrlässigkeit in der Art und Weise des Zitierens auf.

    Bedenkt man jedoch, das Frau Schavan sich als oberste Hetzerin gegen KT aufgestellt hat ohne ihre eigene Arbeit im Vorfeld genauestens prüfen zu lassen, hätte ihr schon bei Veröffentlichung ihres Interviews “Ich schäme mich nicht nur heimlich” klar sein müssen, dass sie die nächste ist, deren Arbeit man ausweidet. So ist der Tross der Kleingeister sofort weitergezogen und fand postwendend mehr als genug fragwürdiges Material.

    Gott sei dank bin ich Atheist (kleiner Scherz) aber sie hätte den biblischen Spruch Jesus: “Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein” zumindest im Hinterkopf haben sollen.

    • Nessy sagt:

      Mit dem Verweis auf das Interview haben Sie natürlich Recht. Mich würde interessieren, wie sie jetzt bzw. in ein paar Wochen dazu steht.

    • MCBuhl sagt:

      Dies – und andere Vermutungen (cui bono?) weiter unter verleiten mich zur Spekulation, dass der Angriff aus dem Freundeskreis des KTG kommt. Frau Schavan hat aus verschiedenen Gründen viele Feinde in der CDU. Möge sie als Ministerin durch halten.

    • lenariess sagt:

      Frau Schavan hat quasi die Vorlage gegeben, so sehe ich das auch. Man sollte die eigenen Leistungen in jeder gesellschaftlichen Position ab und an der stillen Reflexion unterziehen. So entsteht weniger Heuchelei und mehr echte Nähe zum Rest der Republik.

    • Projektmanagerin sagt:

      “Oberste Hetzerin”??? Das Zitat geht weiter mit: Jeder Mensch, auch Politiker, hat eine zweite Chance verdient… oder so ähnlich.
      Hetze würde ich das soo nicht nennen. Aber wir plappern ja alle gerne mal nach, ohne die Primärquellen zu prüfen….

      Ansonsten, danke der Autorin für die unaufgeregte Einordnung. Bin letztes Jahr mit der Diss fertig geworden, und bin sicher, dass Fehler verblieben sind. Menschen sind nicht perfekt, und Zitationssoftware wird von Menschen programmiert und angewendet.
      Es gibt zwar klare Regeln zum Zitieren, die Umsetzung ist aber manchmal nicht so einfach wie man meint. Und dann gelangt man in Grauzonen. Und dann müsste man die Verhältnismäßigkeit des Vergehens miteinbeziehen.
      Im übrigen frage ich mich, warum eigentlich die Betreuer nie einen auf den Deckel bekommen – es ist schließlich ihr Job mindestens die eklatanten kriminellen Betrüger VOR Abschluss des Verfahrens zu entdecken und die Doktoranden mit Neigung zum Flüchtigkeitsfehler rechtzeitig zu identifizieren…Aber darüber spricht man n icht.
      (Habe meinen Betreuer in den letzten drei Jahren der Arbeit genau drei Mal gesehen. Zweimal hatte er das eingesandte Kapitel nicht gelesen mit der Begründung, er lese nur ganze Arbeiten. Tja.

    • energist sagt:

      Werte Projektmanagerin,
      nehmen sie’s mir nicht böse, aber: weiß man das nicht vorher? Wenn der Doktorvater so grauenhaft ist hat sich das doch sicherlich schon entsprechend unter den Studenten herumgesprochen – zumindest von einem aktuellen Doktorand läßt sich das bei einem Bierchen eigentlich immer schnell erfahren.

      Also, warum haben Sie trotzdem bei der Pfeife angefangen?

      (Dinge wie Mindestanzahl von Betreuersprechstunden, Anzahl der Korrekturexemplare und der Zeitplan werden bei uns übrigens als Anlagen zum Zulassungsantrag gegeben und können im Notfall über den Studiendekan eingefordert werden.)

  • Danke! Endlich jemand, der nicht blindwütig im Netz drauf losdrischt, sondern diese Plagiatsgeschichte differenziert betrachtet…

  • Reblogged this on Freidenkerin's Weblog und kommentierte:
    Es lohnt sich wirklich, Frau Nessy’s Ausführungen zum Thema Frau Schavan’s Doktorarbeit zu lesen. Und vielleicht auch ein wenig darüber nachzudenken…
    Danke, Frau Nessy!

  • chat noir sagt:

    Was macht eigentlich ein Doktorvater? Als Mensch, der noch nicht einmal Abitur hat, stelle ich mir vor, dass er begleitend zur Seite steht und letztendlich die Dissertation liest und bewertet. Macht er das höchstpersönlich oder “läßt” er lesen? Denn offenbar fallen die “Fehler” nicht auf, erst genau lesende Menschen mit PC und passender Software finden später Mängel? Warum merkt der Doktorvater das nicht sofort? Ist das nicht sein Job? Da stimmt doch dann von vornherein im System etwas nicht. Aber ich bin wahrscheinlich zu einfach strukturiert…

    • Nessy sagt:

      Idealfall: Ein Doktorvater bespricht zu Beginn des Promotionsvorhabens intensiv das Thema mit dem Doktoranden, berät ihn, hilft ihm, es einzugrenzen und die passende Methodik zu finden. Während der Arbeit kann die Betreuung unterschiedlich sein: Auch hier berät der Doktorvater, steht zur Seite, liest auch schonmal einige Kapitel, tritt einem in den Hintern – je nachdem, wie es gebraucht wird.

      Stellen Sie sich einfach vor, Sie bauten ein Haus: Da berät Sie ja auch jemand vorher und guckt zwischendrin mal drüber, ob die Mauer auch gerade ist.

      In der Praxis gibt es auch sehr schlechte Betreuung: Doktorvater oder -mutter macht nix, ist nie erreichbar und hilft bei Fragen nicht weiter. Tatsache ist, dass der Doktorvater in der Regel von den Ergüssen seiner Schützlinge profitiert und sie auch seinen Ruhm mehren.

    • Chris sagt:

      So ist der Fall in den Geisteswissenschaften. Da wird dann auch häufig zu Hause oder in einer Bibliothek gearbeitet (zumindest war das bei Bekannten so).
      Bei Naturwissenschaftlern ist es so, das man für die Promotion neue Forschungsergebnisse im Labor bekommen muss. Dafür ist man idR auf einer halben Stelle (natürlich bei voller Arbeit) angestellt und macht sein Tagewerk im Labor/der Arbeitsgruppe seines Doktorvaters. Der ist dadurch meistens relativ gut greifbar (zumindest hatte ich selten Probleme mit ihm Dinge zu besprechen), ausserdem hat man hier weniger Doktoranden. Die Arbeit wird dann am Ende geschrieben, wenn die Ergebnisse vorliegen.

  • Croco sagt:

    Langsam macht sich der Eindruck auch bei mir breit, dass wir bisher nur das Schlachtgetümmel aus der Ferne hören. Die Wahl naht und man schießt die Personen weg, die um die eigentliche Gegnerin herumstehen.
    Deren Doktorarbeit war eine experimentelle über Reaktionskinetik.
    Viele Versuche, viel Rechnerei, das kann man nicht abschreiben. In Naturwissenschaften würde das schnell auffliegen. Da liest man doch die Arbeiten derjenigen, die ein ähnlcihes Thema behandeln wie man selbst. Und wehe, der hat geklaut….

    • Nessy sagt:

      Sie sagen, in Naturwissenschaften fliege das schnell auf. Mich würde mal interessieren, ob dort nicht auch – in größerem oder kleinerem Stil – Messergebnisse gefälscht werden, damit sie ins Ergebnis passen. Ehrlich gesagt würde mich wundern, wenn nicht.

    • Chris sagt:

      Ja, das passiert. Das Problem dabei ist aber, das man für eine Veröffentlichung (die ja idR auch erfolgen muss) oder eine Promotion deutlich mehr Daten auf den Tisch legen muss. Wenn man da also anfängt, bei einem Experiment zu schönen und zu schummeln, muss man das sehr schnell bei weiteren auch tun. Weil sonst unterschiedliche Blickrichtungen auf dasselbe Problem zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Und daran scheitern die Leute dann meistens.
      Sei es, weil dann Bilder zu offensichtlich bearbeitet sind, weil plötzlich gar nichts mehr geht, usw.
      Richtig schlimm ist es, wenn man (sauber gemessene) Ergebnisse hat, die dem widersprechen, was bisher veröffentlicht wurde. Dann hat man den Kampf mit den Reviewern, das das eben keine Fehler oder Artefakte sind. Ist bei uns in der Arbeitsgruppe genauso passiert. Da wir aber als Ergebnis des Experiments Mäuse hatten, deren Fellfarbe sich nicht wegdiskutieren liess (und auch nicht mit dem Edding aufgemalt war), ging es dann.

    • energist sagt:

      Dazu kommt, daß die Reviewer in der Regel nicht nur in die Diss (oder andere Arbeit) selbst reingucken. „Außerdem bräuchte ich noch eine CD mit den Rohdaten, bitte.“ ist Standard – und wenn da einige anfallen, ist es schwer bis unmöglich, die so zu fälschen, daß es nicht auffällt.

      Wir Ingenieure haben’s natürlich am einfachsten: funktioniert das Gerät am Ende, war die Entwicklungsleistung gut ;)

  • yuppidu sagt:

    Dieser Blogbeitrag ist für mich bis jetzt die einzige ernsthafte Quelle, ausgenommen die Schlagzeilen und ich würde mir wünschen, dass auch professionelle Medien, eine so differenzierte Darstellung zuwege bringen würden. Danke! :-)

    • Nessy sagt:

      Danke. Es gibt sicherlich noch weitere Aspekte, die ich nicht berücksichtigt habe. Sowohl Für als auch Wider.

    • energist sagt:

      Interessant finde ich auch die Umstände der Arbeit.

      Frau S. hatte vorher keinen Studienabschluß, keine Staatsexamina, sondern ist direkt zur Diss durchmarschiert. Ihr Institut wurde erst vorher von einer PH (= ohne Promotionsrecht) umgewandelt an die Uni D. angegliedert, sie muß dort eine der ersten Dissen überhaupt geschrieben haben. Eine interessante Info wäre, wie andere Arbeiten aus diesem Institut zur gleichen Zeit aussehen.

      Hand auf’s Herz, bei allen hohen Ansprüchen: es passiert schon viel Seltsames an der Uni, leider auch bei Promotionen. Und es ist ein offenes Geheimnis, daß dieses oder jenes Institut, dieser oder jener Fachbereich die Dinger eher „verschenkt“.

      Andererseits habe ich da eine sehr starke Regung in mir, die sagt: „Geschummelt ist geschummelt. Strafe muß nach 33 Jahren nicht mehr sein, aber sich weiter mit fremden Federn zu schmücken, muß auch nicht sein. Also Titel weg und gut.“

  • leser sagt:

    chat noir, im Idealfall stimmt Ihre Vorstellung, und der Doktorvater ist verpflichtet, selbst zu lesen. In der Praxis kann die Betreuung sehr unterschiedlich sein (von fast gar nicht vorhanden bis sehr intensiv). Ich habe auch so eine Arbeit geschrieben, und ich bin mir ziemlich sicher: Meinem Doktorvater wäre jeder Versuch eines Plagiats sofort aufgefallen (weil er die relevante Literatur in dem Gebiet kennt, und sehr gründlich liest). Er hat mich in der Tat auch auf Stellen hingewiesen, bei denen ihm die Zitierung nicht genau genug war, und beim nochmaligen Durchlesen mußte ich ihm recht geben: man konnte das falsch verstehen. Nach dieser Erfahrung bin ich auch sehr vorsichtig, was die Beurteilung von zwar vorhandenen, aber ungenauen Zitaten angeht.

    Liebe Frau Nessy, Ihnen vielen Dank für die weisen Worte. Da könnte sich mancher, der einfach laut drauflos schreit, ein Beispiel nehmen.

    • Nessy sagt:

      Meinem Doktorvater wäre ein Plagiat auch aufgefallen. Abgesehen davon, dass er sich fachlich gut auskennt, “riecht” ein erfahrener Gutachter, der den/die Doktorand/in noch dazu persönlich kennt, wenn etwas faul ist (Stilwechsel, Gedankengänge etc.). Ich will nicht sagen, dass er es immer merkt, aber oft.

  • Ich möchte mich da der Meinung von Anagram anschließen.
    Mir ist heute noch ihre Äußerung bei Herrn G. im Gedächtnis !

    In solcher Position sollte/kann man sich nicht die kleinste Leiche im Keller leisten.
    Bis zur Wahl wird sie sich auch mit freiem Rücken nicht halten können.

    Grüße

  • Jörg Plewe sagt:

    Hatte auch überlegt, darüber zu bloggen. Aber so treffend hätte ich das kaum geschafft. Bravo.
    Die, die jetzt nach Rücktritt schreien, stellen sich das schlechtest mögliche Zeugniss aus. Das erzeugt Übelkeit.

    • Nessy sagt:

      Man kann ruhig einen Rücktritt verlangen – für das Begehren gibt es sehr gute Argumente. Aber wenn, dann sollte man das sachlich und ohne Geschrei artikulieren.

    • ingo sagt:

      Vom Gefühl her höre ich ohnehin recht wenig Geschrei – man nimmt zur Kenntnis dass da schon wieder einer geschummelt hat, und das Leben geht weiter.
      Spannend ist jetzt bloss die Frage wie die Kanzlerin sich aus der Sache herausnavigiert, denn die Rücktrittsforderung ist bei weitem nicht so übelkeitserregend wie sie denken: müsste Frau S. jetzt einen Lebenslauf für eine Bewerbung schreiben, dann hätte sie außer Abitur keine berufliche Qualifikation anzubieten, das ist etwas dünn für einen Ministerposten bei dem man das Bildungswesen des Landes lenken soll.

    • Projektmanagerin sagt:

      @ingo: ein paar Jahre Berufserfahrung hat sie ja, und auch in guten Positionen und auch mit gutem Erfolg. “keine Qualifikation” würde ich da nicht nennen.
      Als Wissenschaftsministerin taugt sie zwar nicht mehr, aber es gibt ja auch noch andere Bereiche in der Politik.

  • Marlene sagt:

    ch habe mich auch schon gefragt, wer sich die Arbeit macht und eine Dissertation genau unter die Lupe nimmt und wie solche Leute ihren sonstigen Lebensunterhalt bestreiten. Da immer Mitglieder einer bestimmten Partei ins Ziel geraten, hat das für mich auch noch einen weiteren komischen Beigeschmack ;)

    LG

  • Carsten sagt:

    Ich kann dem verschwörungstheoretischen Ansatz am Ende nicht folgen. Es liegt äußerst nahe, die Dissertation der Bildungsministerin zu untersuchen, die sich ihrerseits weit in der Debatte aus dem Fenster gelehnt hat. Ich fände es plausibel, wenn das jemand aus Gerechtigkeitsempfinden macht. Hinzu kommt eine Akribie derjenigen, die ihre Erkenntnisse nicht weichgepült sehen wollen. Man muss das Ganze gar nicht mit Guttenberg vergleichen: Dass die Universität DD festhält, die kritisierte “Arbeitsweise” zöge sich durch die ganze Arbeit, ist der Knock-out.

    • Nessy sagt:

      Es mag jemand aus Gerechtigkeitsempfinden machen. Aber dann hat er kein anderes Tagwerk, dem er nachkommen muss.

    • Moon sagt:

      @Nessi

      Aber dann hat er kein anderes Tagwerk, dem er nachkommen muss.

      Sagt wer? Und selbst wenn, welchen Unterschied würde das machen?

      Heute gibt es Internet und mit eingescannten Seiten kann man so was recht schnell abfrühstücken (überhaupt mal geguckt, wie lange der/die Autoren des Schavanplag dran gearbeitet haben?). Ist sicherlich auch nicht uninteressanter/produktiver als der xte, stundenlange WOW-Raid.

      Und nein, nur weil das Ganze nicht Guttenberg’sche “Qualität” hat, muss es noch lange nicht den Qualitätsansprüchen (damals wie heute) genügt haben. Ich finde es generell albern, mit damals und 250 Seiten argumentieren zu wollen. Auch in den 80ern haben andere ihre Doktorarbeit ohne Plagiat geschafft.

      Das i-Tüpfelchen ist natürlich Schavans Verurteilung GTs, ein Maßstab, den sie nun nicht bei sich angelegt sehen will. Peinlich.

    • Carsten sagt:

      Natürlich kann man hauptberuflich anderen Dingen nachgehen. Wir sprechen hier ja nicht von einer einzigen Person, die die Arbeit untersucht. Technisch scannt man da Texte ein, lässt eine Texterkennungssoftware drüber laufen und sucht nach identischen Satzpaaren. Fertig ist die Laube. Dazu muss ich weder vom Fach noch Akademiker sein.

  • Anna-Lena sagt:

    Deinen sehr differenzierten Artikel habe ich mit Interesse gelesen.
    Ich persönlich finde die Entscheidung der Uni richtig und ein Rücktritt wäre für mich die nächste Konsequenz, das er warte ich als Pädagoge.
    Sie mag klagen, aber ich denke auch, sie wird damit keinen Erfolg haben.

  • Helmut sagt:

    Politiker benutzen Titel um bei ihrem Konservativen Klientel zu Punkten und nicht um der Wissenschaft zu dienen. ( Wurden ja nur CDU und FDPler erwischt). Daher finde ich es auch nach 33 Jahren noch gerecht jemand in dir Parade zu fahren. Hätte Frau Schavan ihre politische Karierre schon hinter sich gehabt, dann wäre das eine andere Sache. Aber eine Bundesministerin muss sich schon hinterfragen lassen mit welchen Mitteln sie sich an so einen wichtigen Job vorgekämpft hat.

    • Nessy sagt:

      Richtig. Allerdings sollten wir nicht so tun, dass man allein durch einen Doktortitel Bildungsministerin wird.

    • Helmut sagt:

      Ja, aber auf dem Weg nach oben sind ja auch einige Leute auf der Strecke geblieben, die Wahlen gegen Schavan verloren haben. Und da war vielleicht manche Entscheidung knapp oder manche/r GegenkandidatIn hat aufgegeben, weil er oder sie gegen Frau Doktor keine Chance hatte.

  • AlterKnacker sagt:

    Möglicherweise unverschämt, aber jetzt bin ich nun mal über diesen Blog ‘gestolpert’ und ich muss erst mal sagen … “Chapeau” …

    Als Schreiber und Herausgeber des FIWUS erstelle ich ja zu mindestens 90% meine eigenen Texte, aber wir haben im FIWUS quasi eine Rubrik mit Namen “Gastbeitrag”, wo wir Beiträge quasi übernehmen, die es in irgendeiner Weise immer verdient haben, einem noch breiteren Publikum zugängig gemacht zu werden, gerade auch, wenn sie besonders fair ‘urteilen’.

    Ich persönlich verfüge nicht über die Bildung, welche sich hier in diesem Beitrag im allgemeinen ausdrückt, würde es aber begrüßen, wenn WIR im FIWUS diesen Beitrag als “Gastbeitrag” mit samt den Kommentaren übernehmen könnten.

    Dies ist nur eine bescheidene Anfrage und bei Ablehnung wird sicher kein böser Gedanke aufkommen … und habe auch gleich zur Sicherheit mal den ‘Follow-Button’ gedrückt.

    Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen bei solchen Beiträgen.

    • Nessy sagt:

      Eine Übernahme möchte ich nicht, danke.

      Über eine Nutzung der Kommentare kann ich ohnehin nicht verfügen, das sie nicht mir, sondern den Urhebern gehören.

  • Inch sagt:

    Ich habe dem nichts hinzuzufügen, außer: Danke! Du sprichst mir aus der Seele!

  • Bini. sagt:

    danke für das aufschreiben meiner gedanken

  • Mein Freund Christian hatte gestern seine mündliche Doktorprüfung und in dieser Prüfung nur eine 2 bekommen.
    Mann müsse, so der Prüfungsvorsitzende in diesen Zeiten die Messlatte hoch halten, sie wissen schon, er schaute Christian an, Schavan und so.

    Ich war im vergangenen Sommer dran und hab einen ähnlichen Satz gehört. Nur dass der auf Guttenberg und so endete.

    Diesen Effekt sollte man auch mal im Blick behalten: Wie diese Polit-Plagiatoren den Wissenschaftsbetrieb an der Förderung und der Verbreitung guter Arbeiten mittelbar hindern.

    Herzliche Grüße

    ChK

  • kvinna sagt:

    “Cui bono?”, die immerschwärende Frage. Jeder weiß es von jedem, denke ich. Rausgeholt und angewandt wird es immer nur dann, wenn es nützlich ist. Demzufolge machen die Anklagenden sich genauso schuldig: Wenn sie’s für sich behalten, solange es ihnen nichts bringt, es zu offenbaren, sind auch sie Täter.

    Und mich wundert auch immer, WER da WANN WAS hervorholt und WIE. Das ist doch das eigentlich Interessante.

    Die eigentliche Tat wird da fast zur Nebensache.

  • Ich kenne den Macher von Vroniplag ganz gut und er hat nicht nur viel zu viel Zeit, sondern auch unverblümt zugegeben, parteipolitische Interessen zu verfolgen. Schwer zu erraten, dass er SPD-Mitglied ist.

  • ST.exile sagt:

    Natürlich werden Mörder in unserem Land nicht so hart bestraft, wie Steuersünder und das fälschen einer Dissertation (oder auch eine schlampige Arbeit) ist kein Kapitalverbrechen, aber es ist im grossen Zusammenhang der Machtspielereien und herauszustellen, auf welchen Rücken dies ausgetragen wird, nur die Spitze, des vielzitierten Eisberges.

    Unsere Politiker haben mein Vertrauen nicht verdient. Unsere Politiker haben sich mein Misstrauen erarbeitet. Denn nichts von allem was wir in den Medien so zu hören und lesen bekommen, darf ohne es zu hinterfragen, hingenommen werden. Jedes Gesetz und die dazugehörige Begründung ist in 99% eine Lüge. Warum? Dieser Staat (und da sind wir nicht der einzige Staat) dient doch nur noch den Zwecken, der Konzerne, welche die jeweiligen Gesetze anregen. Und das wird mit viel Geld gemacht. Geld, welches dem “gemeinen Bürger” entzogen wird. Alleine der Anteil der Aufstocker (33% der Vollzeiterwerbstätigen), wäre eine Diskussion wert. Doch worüber wird geredet? Über gefälschte oder schlampige Dissertationen. Und genau das ist der Witz bei der Sache.

    Gibt es, in diesem Land, wirklich noch halbwegs gebildete Menschen, die annehmen, Politiker arbeiten für das Volk, für unsere Sicherheit oder “unseren” Wohlstand?

    Ob es um Dissertationen, wohltätige Zwecke, “die Sorge um das Volk”, unsere Sicherheit oder Kinderpornographie geht, alles ist nur Mittel zum Zweck. Es geht für unsere lieben Politiker nie darum, “ob” sie irgendwo Leichen rumliegen haben, sondern nur um das “Wo”. Nun ist ein erschlichener Titel nicht so schlimm, wie das Verkaufen von Menschenrechten für mehr Gewinn, aber es zeigt eindeutig von welchem Schlag unsere Politiker sind.

    Aber Schavan kann bleiben, solange ein z.B. Schäuble nicht im Gefängnis sitzt.

    Ich entschuldige mich hiermit für die allgemeinen Anschuldigungen, bei den wenigen Ausnahmen unter den Politikern.

  • Günther sagt:

    Totschlag wäre wohl schon verjährt – aber sie würde sich damit eher nicht im Amt halten können.

    • Nessy sagt:

      Richtig. Selbst wenn sie – aufgrund Verjährung ihren Titel behalten könnte, käme es einer Aberkennung gleich und sie müsste den Posten räumen. Für Menschen, die nicht Bildungsminister sind, mag das aber nicht gelten.

  • Insbesondere der letzte Punkt sollte wirklich zu denken geben.

  • FF sagt:

    Einspruch.

    Herr Guttenberg hat die Bank gesprengt. Frau Schavan hat “nur” einige zehntausend Euro mitgehen lassen. Beides ist Diebstahl – und dementsprechend zu ahnden.

    Weiter. “Fehler” sind: eine verrutschte Jahreszahl, mal ein falscher Name, ‘n paar Zahlendreher, schlampige Interpunktion etc. pp. Kann alles vorkommen, ist absolut verzeihlich. Menschlich.

    Schavans sich periodisch wiederholende Textcollagen hingegen sind: keine “Fehler”, sondern das Resultat einer ausgefeilten, durchaus geschickt (und ungeniert) eingesetzten Fälschungs- und Täuschungsstrategie.

    Insofern ist zur Abwechslung alles schön, gut und richtig: die Aberkennung des “Dr.” und – hoffentlich – der baldige Rücktritt dieser Dame. Beides “alternativlos”. (Hier paßt dieses seltsame Wort mal.)

    PS.: Ach, und die Frage nach dem “Motiv” der emsigen Plagiats-Philologen: die ist nachrangig – und für die Sache unerheblich.

    Es gibt da draußen jede Menge Leute mit den absonderlichsten, bizarrsten, ja abseitigsten Hobbies.

    Das ergebnisoffene Durchchecken von Politikerdissertationen ist da nicht mal ein besonders exzentrisches Freizeitvergnügen. Finde ich.

    Ich würde das sogar etwas altmodisch als praktizierte Demokratie “von unten” sehen. Und respektvoll loben.

  • Susanne sagt:

    Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe (möchte mich auf keinen Fall mit fremden Federn schmücken;), aber sinngemäß:

    “Auch vor dreißig Jahren (und ohne Software u. dgl.) wusste man, ob man Freud selbst gelesen hat oder nur die (vermutlich leichter verdauliche) Sekundärliteratur.”

    Und was die Recherchewut des großen Anonymen betrifft: Andere Leute sammeln Bierdeckel oder sehen täglich stundenlang fern. Jedem Tierchen …

    Was mir Rätsel aufgibt, ist Frau Schavans Verhalten in der Guttenberg-Sache. Warum lehnt sich jemand so weit aus dem Fenster? War sie sich wirklich keiner Schuld bewusst (Verdrängung)? Oder sollte suggeriert werden, dass sie über jeden Zweifel erhaben ist?

    Ich staune auch immer über die Leute, die so eine Titelaberkennung ewig anfechten (Mathiopolus etc.). Mir persönlich wäre die Sache so peinlich, dass ich alles täte, um schnell aus den Schlagzeilen zu verschwinden.

    • Nessy sagt:

      “Auch vor dreißig Jahren (und ohne Software u. dgl.) wusste man, ob man Freud selbst gelesen hat oder nur die (vermutlich leichter verdauliche) Sekundärliteratur.”

      Soweit richtig. Aber Details der Zitationsformalia haben sich durchaus verändert. Nur ein Beispiel ist, dass das ehemals beliebte “a.a.O.” mittlerweile nicht mehr benutzt wird.

      “Und was die Recherchewut des großen Anonymen betrifft: Andere Leute sammeln Bierdeckel oder sehen täglich stundenlang fern.”

      Mit anonymem Bierdeckelsammeln entscheide ich aber nicht über das Leben Dritter.

    • Moon sagt:

      @Nessy

      Mit anonymem Bierdeckelsammeln entscheide ich aber nicht über das Leben Dritter.

      Was ja niemals passieren könnte, hätte besagter Dritter keinen Betrug gegangen. Wieso bitte schon wieder diese völlig unangebrachte Opferrolle für Frau Schavan?

    • Nessy sagt:

      Wenn Sie den obigen Beitrag aufmerksam gelesen hätte, würden Sie an mindestens zwei Textstellen feststellen, dass ich weder Frau Schavan noch anderen Politikern, die zu Unrecht ihren Doktortitel tragen, eine Opferrolle zugedenke. Ich gestehe den Plag-Machern aber auch keine Heldenrolle zu. Für eine Einordnung in den Gesamtkontext ist es für mich lediglich relevant, wer hier wen aus welchen Motiven anscheißt.

    • Moon sagt:

      @Nessy
      Ich kann den Beitrag noch so oft richtig lesen wie ich will, außer Unterstellungen Ihrerseits ob der Motive der Plagiatsjäger finde ich nichts, was zu einer seriösen Einordnung in den Gesamtkontext beitragen würde.

  • sunny38317 sagt:

    Sorry aber mir wird immer ganz übel wenn ich von vielen Leuten das Wort schummeln höre. Wir sprechen hier nicht von ner Englischarbeit bei der geschummelt wurde sondern von erschleichen eines Titels und zwar des bis jetzt höchsten Titels den man in Deutschland erreichen kann. Das ist Betrug und nicht schummeln. Ein Doktortitel öffnet Türen. Und zwar überall hin. In hoch bezahlte Jobs, in die Politik, in die Chefetage etc. Ein Doktortitel bedeutet doch etwas. Wenn sich den jetzt jeder einfach so erschleichen und erkaufen kann, was ist der dann noch wert?

    • energist sagt:

      Nö. Ein Doktor ist kein Titel sondern ein Grad. Und ein Titel öffnet sicherlich immernoch mehr Türen als das ein Doktor- oder sonstiger Grad tut.

      Abgesehen davon dürfte selbst wenn ihr erster Grad wegfiele der Schwurbel „Frau Prof. Dr. h. c. mult.“ noch ausreichen, um Eindruck zu schinden.

  • [...] Ein paar Gedan­ken zu Frau Scha­van Nessy dif­fe­ren­ziert ein wenig und stellt die wich­tige Frage: Cui bono? Ich finde es nicht ver­kehrt, noch ein­mal dar­über nach­zu­den­ken, auch wenn ich noch keine abschlie­ßende Mei­nung dazu habe, ob die Aber­ken­nung des Dok­tor­ti­tels von Frau Scha­van rich­tig oder falsch ist. [...]

  • Anne sagt:

    Ich kann mich auch nicht richtig entscheiden, was ich davon halten soll, würde aber die beiden Fragen voneinander trennen. Das macht sie natürlich nicht weniger interessant.

    Soll heißen, wenn Frau Schavan getäuscht hat, dann sollte ihr der Doktor aberkannt werden. So. Punkt. Wie schon andere gesagt haben, wird ihr etwas weggenommen, was ihr eigentlich sowieso nicht gehören sollte. Wenn ich einen Diebstahl begehe und das nach zwanzig Jahren auffliegt, dann kann ich vielleicht nicht dafür bestraft werden, aber die gestohlene Sache sollte ich dann trotzdem zurückgeben müssen. (Ob das juristisch auch so ist, weiß ich allerdings nicht.) Wer, ich vereinfache das mal, klug genug ist, eine Doktorarbeit zu schreiben, der sollte auch klug genug sein, ordentlich zu zitieren und nicht fremde Inhalte als seine eigenen verpacken.

    Was hinter dem Aufdecken steckt, ja klar, da steckt jemand auch viel Arbeit rein und man kann sich fragen, wo da die Agenda ist und warum Frau Schavan und nicht jemand anders oder warum überhaupt. Ich kann das nicht beantworten, dafür sind mir die Zusammenhänge viel zu wenig bekannt. Ja, die Geiferei ist nervig und unschön, ein ganz kleines bisschen seh ich aber auch, dass das provoziert wird. Ob das professionell ist, vielleicht eher nicht, aber so ganz unverständlich finde ich es nicht.

    Mich irrtieren und ärgern zwei andere Sachen.

    Erstens habe ich das Gefühl, die Unis stellen sich gerne auf die vermeintlich moralisch richtige Seite, indem sie den Titel lieber aberkennen, aber selber keine Konsequenzen ziehen. Immerhin war da ein Doktorvater, der offensichtlich nicht ordentlich geprüft hat, bei Guttenberg genauso. Natürlich ist das bei Schavan schon was länger her, vielleicht ist ihr Doktorvater schon tot, aber da vermisse ich so ein bisschen die Frage danach, warum diese Doktorarbeiten überhaupt durchgegangen sind.

    Zweitens tun mir die Doktoranden leid, die jetzt unter den Nachwirkungen leiden muss, eben, indem jetzt ggf. auch schlechter benotet wird, aus Angst, da könnte irgendwer nachher ankommen und sich beschweren. Außerdem, aber da geht es wieder um die “Titelerschwindler”, verliert so ein Doktor eben auch an Wert, wenn solche Fälle gehäuft aufgedeckt werden. Wegen solchen Leuten, denen es eben nur um den Doktorgrad geht und nicht um die Arbeit, müssen die, die wirklich Lebenszeit und richtig viel Arbeit und Herzblut in eine Arbeit stecken, sich jetzt im Zweifelsfall blöde Sprüche anhören.

    Ich habe, was Frau Schavan betrifft, auch kein Mitleid. Häme ist allerdings auch ungebracht. Das Ding ist für mich durch.

    • energist sagt:

      Oh, der Doktorvater von Frau Schavan lebt sehr wohl noch. Er hat auch eine ganz eindeutige Meinung zu der Sache.

      Und das ist auch genau mein Problem bei der ganzen Chose: wenn der Chef so massiv anders wissenschaftlich geprägt ist als das Gremium, das heute die Arbeit beurteilt, noch dazu aus einer fachlich völlig anderen Richtung stammt, kommt natürlich eine andere Bewertung heraus. (Das Pädagogische Institut gibt es heute nicht mehr, daher urteilte der Fakultätsrat der Philosophen…)

      Die Aussage, daß die Universität es sich in diesem Fall viel zu einfach macht, unterstreiche ist sofort. Insbesondere wenn der Doktorvater mit einem so „speziellen“ Verständnis wissenschaftlichen Arbeitens antrat wie in dem oben verlinkten Artikel beschrieben (seine einzige relevante Veröffentlich sei die eigene Diss (!!!)), hätte die Fakultät damals strenger und aufmerksamer urteilen müssen, hätte in der Zweitkorrektur, Verteidigung bzw. Entstehungsphase mehr auf das Institut und die Doktorandin einwirken müssen. Hinterher den strengen Bewerter zu spielen, ist etwas zu einfach.

      Auch ist es mindestens irritierend, wenn weder der Doktorvater, noch die Delinquentin, noch ein externer Gutachter von einem der Ausschüsse gehört werden… oder das einzige „Gutachten“, erstellt von einem Aussschußmitglied, vorzeitig an die Presse lanciert wird.

      Alles eine seltsame Sache.

    • Wolfram sagt:

      Professor Wehle sagt in dem von energist verlinkten Artikel etwas sehr wichtiges, was leider nur in indirekter Rede wiedergegeben ist (man konnte es nicht ausblenden, woltle es aber auch nicht zu sehr hervorheben?):

      Im Übrigen dürfte eine Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 nicht ausschließlich nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben bewertet werden.

      Hat eigentlich schon jemand nachgefragt, wie die damals gültigen Promotionsregeln der betreffenden Universität aussehen?

  • Julia sagt:

    1.
    Frau Schavan hatte das Pech, direkt zu promovieren. Das scheint in den Geisteswissenschaften damals Usus gewesen zu sein. Jetzt fällt sie dadurch umso tiefer. Wie gesagt: Pech. Hätte es damals den Magister gegeben (und sie auf eine anschließende Diss verzichtet), würde sich heute wohl niemand die Mühe machen, die Arbeit zu überprüfen.

    2.
    Wenn Sie schon den Unterschied damals-heute ansprechen:
    Natürlich ist es heute viel leichter, die Quellen unter Kontrolle zu haben — vorausgesetzt, man beherrscht die Software. Arbeitet man auf zwei oder mehr nichtsynchronisierten Rechnern oder aus irgendeinem anderen Grund mit unterschiedlichen Dateiversionen, benutzt man die Literaturverwaltungssoftware nicht korrekt oder stellt sich sonst irgendwie dämlich an, hat man ganz schnell den Überblick verloren. Mal eben ein Zitat gecopypastet, beim Verschieben innerhalb des langen, langen Texts die Fußnote nicht mitgenommen, Wochen später die verwaiste Fußnote entfernt — schon hat man ganz aus Versehen plagiiert.
    Dagegen wird Frau Schavan ihre Diss auf einer Schreibmaschine getippt, einen Zettelkasten und jede Menge Notizen genutzt haben. Jedes Zitat hat sie eigenhändig, Buchstabe für Buchstabe, abgetippt. Und man merkt doch wohl den Moment, da man vom Ab- zum Selbstschreiben wechselt und kann rasch die Fußnote schreiben. Wie also, frage ich mich, entstand im Schreibmaschinenzeitalter ein versehentliches Plagiat?
    Was ich sagen will: Jede Technik und jede Arbeitsweise hat ihre Vor- und Nachteile. Die Schreibmaschine verdonnert zu Langsamkeit, Bewusstheit, die Art zu Schreiben ist eine ganz andere, wenn man keine delete-Taste hat. Wir heute schreiben schnell mal eben ins Unreine, es lässt sich ja alles verlustfrei umstellen, ergänzen, löschen. In beiden Fällen muss man die Arbeitsweise beherrschen und sich seines Handelns bewusst sein. Wer irgendwie unüberlegt herumwurschtelt, wird Fehler machen, die zu vermeiden wären.

    • Wolfram sagt:

      Wie also, frage ich mich, entstand im Schreibmaschinenzeitalter ein versehentliches Plagiat?

      Genau wie beschrieben. Man hat einen Satz auf einen Zettel geschrieben, Quelle dabei.
      Man überlegt, denkt (das soll bei Dissertationen vorkommen, sogar und gerade bei Geisteswissenschaftlern), notiert sich etwas, das einem im Kopf herumgeistert – und hat natürlich keine Quelle.
      Ich kann im Nachhinein nur froh sein, daß ich meine Mag. über ein Orchideenthema mit quasi keiner Sekundärliteratur geschrieben habe, und (so nervig das dabei war) mit sämtlicher Primär- wie auch Sekundärliteratur in einer anderen Sprache (deutsch) als die Arbeit (französisch). Aber es ist nicht sicher, daß nicht ein paar Verweise auf diesen oder jenen Abschnitt dieses oder jenes Buches fehlen, einfach weil der Gedanke aus dem Kopf geschrieben ist und nicht aus dem Buch abgeschrieben.
      (Das Zusammenfügen von Kopiertem war doch gerade der Fehler von Guttenberg, oder? Also neben den fehlenden Fußnoten: daß kaum Eigenleistung drinsteckte.)

  • [...] Schavan beschäftigt nicht alleine uns Doctores, überflüssig zu erwähnen. Nessy beschäftigt es auf jeden Fall auch, achja, sie ist auch frische Doctoress. Ein wenig unentspannter [...]

  • fxhakan sagt:

    hallo nelly,

    ich fand deinen artikel interessant, wie immer gut zu lesen, und es brachte mich zum nachdenken!
    die frage der “verhältnismäßigkeit” habe ich mir auch gestellt. daneben macht dein artikel auf mich den eindruck, als wolltest du die “tat” relativieren oder gar banalisierung? das überrascht mich!

    ich habe mir wie du bei der schavan und dem guttenberg die dokumentation der mutmaßlichen plagiate angeschaut. bei beiden war ich über den umfang erstaunt. bei guttenberg war die kopie sofort offensichtlich, hingegen hatte die schavan texte umformuliert, so dass es bei ihr nicht so offensichtlich ist.

    das ist kein flüchligkeitsfehler wie bei dir, wo du die quelle falsch ausgewiesen hast, denn beide haben diese stellen als eigene gedanken ausgegeben undzwar in dem maße, dass die uni im falle der schavan eine systematische und vorsätzliche täuschung über die gesamte dissertation sieht!

    ebenso sind die vergleiche mit der verjährungsfristen, die übrigens auch klaus kleber im heute journal gebracht hatte, nicht maßstab für die wissenschaft und wenig hilfreich! diese banalisierung empfinde ich gegenüber allen anderen doktoranten als unfair, die ehrlich und sauber arbeiten! dank guttenberg und schavan hat der wissenschaftsstandort und die wissenschaftler schaden genommen. natürlich kann man sich jetzt zurecht fragen, warum das möglich war und wer nicht aufgepasst hat…

  • Praline sagt:

    Ich kann nicht einordnen, wie Ihr letzter Satz zu verstehen ist. Eine Verjährung beruht doch sicherlich auf der Überlegung des Gesetzgebers, daß nach einem so langen Zeitraum ein Beweis kaum noch zu führen ist. In diesem Fall hat doch die “Täterin” sozusagen Fingerabdrücke und Visitenkarte hinterlassen. Man könnte natürlich auch argumentieren, den Mantel des Vergessens über Vergangenes auszubreiten. Aber ist es moralisch zu rechtfertigen, einem nachgewiesenen Mörder, der wegen der Verjährung nicht mehr verfolgt werden darf, beispielsweise als Staatsanwalt oder Richter weiter zu beschäftigen?

    • Nessy sagt:

      Ich habe nicht von Mord gesprochen, Mord verjährt nicht.

      Wolfgang Löwer hat sich in dieser Sache schon geäußert, und ich kann ihm in dieser Sache gut folgen und teile seine Argumente – auch wenn ich, was die Verjährungsfrist angeht, zehn Jahre zu wenig finde. Das führt ja unter dem gleichen Link Gerhard Dannemann aus.

      Für mich ist es schwierig nachvollziehbar, dass ich jemanden töten oder seinen Tod billigend in Kauf nehmen kann, die Tat verjährt (selbst wenn sie noch einmal untersucht wird, findet diese Untersuchung bei Personen, die nicht dem öffentlichen Leben angehören, ja unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt) und ich keinerlei Konsequenzen erleide. Denn es kriegt ja, wenn ich nicht prominent bin, niemand mit. Betrüge ich, indem ich mir den Doktorgrad erschleiche, und wird mir der akademische Grad entzogen, ist diese Entziehung aus ihrer Natur heraus öffentlichkeitswirksam, und es ist möglich – wie Herr Löwer ausführt – dass damit meine komplette Existenz auf dem Spiel steht.

      Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich billige beide Vergehen nicht und halte keinen der Plagiatoren für ein Opfer, wie es hier mehrmals in den Kommentaren anklang. Die Verhältnismäßigkeit der Taten und ihre Würdigung nach mehr als 30 Jahren halte ich trotzdem grundsätzlich für bedenkenswert.

    • Praline sagt:

      Sorry, falsch zitiert. So schnell kann das gehen…

  • Susan sagt:

    Es ist gut zu lesen, dass es auch Leute gibt, die nicht direkt drauflosdreschen. Ob und in welchem Umfang Frau Schavan plagiert hat oder nicht, in welchem Licht das zu betrachten ist, warum die Uni nichts bemerkt haben will (weil man doch als Doktorvater in der Regel die Quellen kennen sollte…) und warum ausgerechnet jetzt nach so langer Zeit alles ausgegraben und öffentlich gemacht wird – die Fragen sollen sich andere stellen. Mir stößt übel auf, wie die Medien diese Fälle ausschlachten, so dass keine vernünftige, sachliche Diskussion mehr möglich scheint. Schade, dass Objektivität und Sachlichkeit in der heutigen Zeit vollkommen unpopulär geworden ist.

  • allegra sagt:

    …danke frau nessy für den text…sie sprechen mir aus dem herzen!!!

  • Wie hier schon einige gesagt haben: Der Verweis auf die Verjährung von Straftaten, wie z.B. Totschlag hinkt gewaltig. Denn Frau Schavan wird nicht juristisch verfolgt und diese “Straftat” ist auch schon verjährt. Nicht verjährt ist allerdings die Gabe des Grades. Den sollte man auch nach 40 Jahren noch aberkennen können. Es handelt sich dabei um keine Straftat, sondern um die Führung eines wissenschaftlichen Titels, der einem nicht zusteht.

    Und ich persönlich finde, dass man den nur dann führen darf, wenn man auch die entsprechende wissenschaftliche Leistung gebracht hat. Den normalen Dr. (ohne h.c. o.ä) bekommt man ja nicht für sein Lebenswerk, sondern für eine konkrete Arbeit.
    Das ist was anderes, als das Schummeln in der Lateinklausur.

    • prey sagt:

      Nun ja, für das Schummeln in der Lateinklausur gibt es gegebenenfalls ein Abitur und ohne das kann man viel mehr nicht machen als ohne den Doktortitel. Ist nur nach 30 Jahren nicht mehr nachzuweisen…

    • @prey
      Ich wollte hier nur deutlich machen, dass das Abschreiben in einer Doktorarbeit (oder das ungenaue Arbeiten) etwas anderes ist, als das Abschreiben in der Schule, was wohl viele Schüler in ihrem Leben mal gemacht haben. Hier existiert ein anderes Verhältnis.

      Die Diss. ist da eine ganze andere Sache und eben auch ein ganz anderer Titel.

  • Iche sagt:

    Sehr geehrte Frau Nessy,
    Erstmal bin ich mir nicht sicher, ob ich Sie wegen Ihrer Bildungsbandscheibe bemitleiden oder beglückwünschen soll. Suchen Sie es sich aus. Ich wünsche Ihnen gute Besserung.
    In dem Artikel zu Fr. Schavan finde ich viele wichtige Aspekte. Unter den Kommentaren aber auch einen wichtigen Hinweis: Den, wie jetzt mit uns Doktoranten umgesprungen wird. Aus diesem Grund eine Frage an Sie: Können Sie ein Buch zum Schreiben einer Diss empfehlen? Auch wenn Sie ein ganz anderer Fachbereich sind, vlt haben Sie da etwas fächerübergreifend für gut befunden. Insbesondere wäre ich dankbar für etwas, dass sich auch mit Hinweisen bezüglich des ganzen Statistikthemas beschäftigt. Meinen Doktorvater habe ich bereits gefragt. Er ist jedoch momentan nicht verfügbar. Ähnlich wie Sie ist er im Bildungsurlaub.
    Mit den besten Grüßen,
    Iche

  • mae sagt:

    Die Ambivalenz, die mich bei diesem Thema überfällt, wird hier sehr gut ausgedrückt. Natürlich ist Betrug generell abzulehnen, andererseits ist es doch recht lange her. Hätte Herr Armstrong seine dopingunterstützten Toursiege bereits in den 60er Jahren feiern können, würde das heute keine Sau mehr interessieren.
    Im Falle Schavan halte ich den Rücktritt für einen Witz. Sie ist nicht frisch nach einer betrügerisch erstellten Dissertation Ministerin geworden, sondern aufgrund langjähriger politischer Arbeit (ob gut oder schlecht kann ich nicht beurteilen, aber für Frau Merkel war es offenbar ausreichend). Die damalige Dissertation hatte darauf überhaupt keinen Einfluss. Andererseits ist die Tatsache, dass gerade eine Bildungs(!)ministerin betroffen ist, nun auch wieder blöd.
    So oder so eine schwierige Entscheidung.
    Wäre sie im Amt geblieben, hätte es mutmaßlich mächtigen medialen Mumpitz [sic! ein Tautogramm!] gegeben. Wie auch jetzt im anderen Falle.
    PS Ich kenne das aus eigener Studienzeit: man sucht sich diverse Quellen, schreibt die um und fertig ist die Seminararbeit. Das dürfte auch die übergroße Masse der Studierenden nicht anders halten.

  • Danke für diese differenzierte und faire Betrachtung, die sich wohltuend von manch anderen Texten abhebt.

  • Zum Thema Verjährung: Ich finde es seltsam, dass das Plagiieren an strafrechtlichen Maßstäben gemessen wird. Die Verleihung eines Titels hat damit nichts zu tun. Er wird von der Universität, speziell von der Fakultät verliehen und kann eben – das steht in jeder Prüfungsordnung! – entzogen werden, wenn man sich falsch verhält. Dazu gehört eben auch Plagiieren. Theoretisch könnten Universitäten auch Titel entziehen, wenn jemand laufend unangenehm in der Öffentlichkeit auftritt. Es ist allein Sache der Universität, darüber zu entscheiden.

  • Gndlwpld sagt:

    Du fragst, warum jemand nach dem Haar in einer 30 Jahre alten Suppe sucht? Er wird dafür bezahlt: http://www.mopo.de//,5066858,21722602.html

  • Die johlende Freude vieler Twitterer konnte ich auch nicht nachvollziehen. Da war mir zu viel Lagerdenken, Schadenfreude und Überheblichkeit (von oben wie auch von unten) dabei. Aber vieles, was zur Verteidigung von Frau Schavan vorgebracht wird, hat für mich mittlerweile auch einen Beigeschmack. Einige der Wissenschaftler, die ihr zur Seite gesprungen sind, haben stark von Mittelzuweisungen durch die Wissenschaftsministerin profitiert. Ein Umstand, auf den sogar die Uni Düsseldorf hinweist (s.u.). Eine Äußerung, mit der sich die Professoren dort bei vielen keine Freunde macht.

    Ich glaube, die Uni Düsseldorf mit ihrer mutigen Entscheidung hat mehr für irgendwelche Excellenzinitiativen getan als Frau Schavan. Die Düsseldorfer haben auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards gepocht. Daß dies mit zwölf zu zwei Stimmen geschehen ist, macht deutlich, daß das keine Ansichtssache war. In Berlin ist man da anscheinend nicht so anspruchsvoll. Dort hat man eine strittige Doktorarbeit durchgehen lassen und zur Auflage gemacht, daß eine Version mit vollständigen Fußnoten nachgereicht wird. Das halte ich für einen Witz.

    All den Verteidigern von Frau Schavan möchte ich den Vorschlag machen, sich vorzustellen, wie sie reagieren würden, wenn die zweifelhafte Doktorarbeit eines Migranten auftauchen würde, der sein Abitur an einer Gesamtschule erreicht und danach Karriere in Gewerkschaft und SPD gemacht hat.

    Eigentlich wollte ich hier nur auf die Stellungnahme der Uni Düsseldorf hinweisen, in der auf Fragen zum Verfahren eingegangen wird.

    http://www.uni-duesseldorf.de/home/startseite/news-detailansicht/article/hintergrundinformationen-zum-verfahren-zur-ueberpruefung-der-promotion-von-prof-dr-dr-hc-mult.html

    Und auch diesen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung finde ich lesenswert, der zeigt, daß man es sich nicht leicht gemacht hat mit der Entscheidungsfindung.

    http://www.sueddeutsche.de/bildung/entzug-von-schavans-doktortitel-die-beweise-waren-erdrueckend-1.1596597

    Dieter

  • [...] Ein paar Gedanken zu Frau Schavan « Draußen nur Kännchen – [...]

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