Das Kännchenblog ist umgezogen

23. März 2014 Kommentare deaktiviert

Liebe Kaffeehausgäste,

das Kännchenblog ist umgezogen. Sie finden es ab sofort in seinen neuen Räumlichkeiten in Dortmund unter

http://fraunessy.vanessagiese.de.

Kommen Sie gerne direkt zu Fuß mit rüber oder nehmen Sie den neuen RSS-Feed.

Treffer, versenkt

25. Februar 2014 § 6 Kommentare

Der kleine Ex-Azubi gibt heute Muffins auf Schicht aus.

Frau Sylvia: Hasse Geburtstach? Wie alt wirße denn? Zwölf?
Ex-Azubi: Ein! und! zwan! zig!
Frau Sylvia (deutet auf Kollege, 42): Dann ist er ja jetzt doppelt so alt wie du!

Zwei auf einen Streich. Respekt!

Mein 11. September

11. September 2013 § 26 Kommentare

Ich kam aus einer Besprechung, und im Büro des Chefs lief der Fernseher. Zwei Hochhaustürme, Rauch. “Es sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen.” So viel war zu dem Zeitpunkt schon klar.

Ich arbeitete als feste Freie für den Onlinebereich eines Zeitungsverlages. Acht Zeitungstitel, acht Webseiten, zentral gesteuert. Die angestellte Kollegin, die bislang die Webseiten managte, hatte zum 1. September gekündigt und war fort. Ihr Nachfolger: ganz frisch, noch nicht eingearbeitet. Ich war an diesem Tag da, um ihm das Wichtigste zu zeigen.

Wir standen eine Weile vor dem Fernseher: Chef, ich, der Neue, jede Menge Techniker. Damals war das Internet in erster Linie Technik, zumindest bei Zeitungsverlagen.

Der erste Turm stürzte ein.

“Baut Spezial-Seiten”, sagte der Chef – und sah mich an. Ich war erst 23 Jahre alt, ich war noch im Studium. Ich war nur Aushilfe. Aber ich war die Schnellste. Ich ging ins Büro und baute Seiten in die Online-Auftritte von acht Zeitungen, die bis dato nur automatisierte Print-Nachrichten enthielten.

Der zweite Turm stürzte ein. Irgendwer sagte: “Das gibt Krieg.”

dpa schickte Texte und Bilder. Ich baute, dann sichteten der Neue und ich das Material und stellten des online. Gegen 22 Uhr machten wir Feierabend. Ich fuhr nach Hause, schaltete CNN ein und schaute solange fern, bis auch in den USA Nacht war. Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr auf und aktualisierte die Seiten.

Am Ende des Monats, zum 1. Oktober 2001, bot man mir eine unbefristete Teilzeitstelle neben dem Studium an. Ich sagte zu – und ging wegen dieser Stelle nicht zum Auslandssemester nach Italien. Ich blieb stattdessen im Unternehmen, in dem ich später auch volontierte, als erste Online-Volontärin des Hauses.

Die Stempel-Frage

25. März 2013 § 46 Kommentare

Auf Schicht gehen wir derzeit einem Rätsel nach.

Der Brötchen-Dealer vor der Bürotür verkauft neben Gebäck auch Kaffee in Bechern. Für jeden gekauften Kaffee kann man in einem Stempelheft Stempel sammeln. Nach zehn Stempeln gibt es einen Kaffee gratis.

Man könnte nun denken, die Gleichung laute: 1 Kaffee = 1 Stempel. Das ist allerdings nur bei meiner Kollegin so. Ich hingegen bekomme zwei Stempel pro Kaffee. Die Kollegin fühlt sich deshalb benachteiligt, ist deprimiert und hat die Freude am Kaffeetrinken verloren.

Zunächst dachten wir, es liege am Getränk: Die Kollegin kauft nämlich Milchkaffee, ich Latte Macchiato. Beides kostet zwar das Gleiche, 1,50 Euro, aber hey – wer weiß. Die Kollegin kaufte also auch Latte Macchiato – und bekam nur einen Stempel.

Dann dachten wir, es liege an der Bäckereifachfrau. Vielleicht findet mich eine bestimmte Bäckerei-Angestellte scharf und gibt mir deshalb zwei statt einen Stempel. Doch nein: Egal, wer mich im Laden bedient – ich bekomme immer zwei Stempel. Das kann also auch nicht stimmen.

Dann kam der Tag, an dem ich nicht zwei, sondern sogar drei Stempel bekam. Für nur einen Kaffee. Es lief grad nicht gut im Bäckersladen, die Stimmung war angespannt und die Bäckersfrau war aggro. Wild stempelte sie mein Heft voll: Wumm! Wumm! Wumm! Als ich, heftig mit dem Stempelheftchen wedelnd, ins Büro kam, war meine Kollegin völlig fertig. Zwei zu eins war ja schon frustrierend genug, aber drei zu eins? Das durfte ja wohl nicht wahr sein! Sofort krallte sie sich ihr Stempelheft, ging hinunter – und kam mit einem Kaffee und nur einem Stempel zurück.

Wir stellten trotzdem die These auf, dass es mehr Stempel gibt, je mieser die Bäckerei-Angestellte drauf ist. Weil sie damit ihrem Chef schaden kann. Oder weil sie sich, den Stempel mit Krawumm auf die Stempelkarte pressend, erfolgreich abreagiert. Kathartisches Kaffeestempeln sozusagen. Aber auch hier lässt sich kein Muster erkennen.

Aber kann es nur Zufall sein?

Ein paar Gedanken zu Frau Schavan

6. Februar 2013 § 112 Kommentare

Frau Schavan ist ihren Doktortitel los.

Diesem Beitrag möchte ich vorausschicken: Wenn ihre Dissertation akademischen Qualitätsansprüchen nicht genügt und auch nie genügt hat, ist das einer Bildungsministerin unwürdig. Es liegt mir fern, schlampiges wissenschaftliches Arbeiten zu verteidigen. Trotzdem möchte ich ein paar Dinge zu bedenken geben.

Als ich Anfang vergangenen Jahres beim Guttenplag die Arbeit von Karl Theodor zu Guttenberg ansah, musste ich schallend lachen. Ich habe zu dem Zeitpunkt noch selbst an meiner Dissertation gearbeitet, und was Herr zu Guttenberg da fabriziert hatte – nun ja, jeder Zweitsemesterstudent konnte erkennen, dass keine Nachlässigkeit dahintersteckt. Offensichtlicher und umfänglicher kann man eine Täuschungsabsicht wohl nicht dokumentieren.

Auch bei Frau Schavan habe ich mir die Dokumentation (pdf) der Plag-Leute angeschaut. Der Fall ist anders gelagert als bei zu Guttenberg. Die, sagen wir mal, Ungenauigkeiten sind bei weitem nicht so dreist, nicht so eklatant, auch wenn sie, endend beim unvollständigen Literaturverzeichnis, letztendlich zur Aberkennung des Titels geführt haben.

Wer heute an einer Dissertation arbeitet, hat zahlreiche elektronische Möglichkeiten, seine Literatur und seine Gedanken zu verwalten. Trotzdem sind mir in meiner eigenen Arbeit Fehler unterlaufen. So steht im Text an einer Stelle die Quelle “Müller 2010″, im Literaturverzeichnis aber “Müller 2011″. Das sollte nicht passieren, kann eigentlich bei korrekter Anwendung von Literaturverwaltungssoftware auch nicht passieren. Aber irgendwann während der mehrjährigen Arbeit an diesem 250-seitigen Dokument es ist passiert. Mein Doktorvater hat es bemerkt und mich dafür abgewatscht – und meine Korrekturleser gleich mit. Richtig so.

Was ich aber damit sagen will: Ich halte es für praktisch unmöglich, Fehler komplett zu vermeiden. Ich möchte deshalb nicht wissen, welche Unsauberkeiten selbst dem redlichsten Doktoranden 1979 durchgegangen sind, als noch mit Zettelkästen und Schreibmaschine gearbeitet wurde.

Nochmal: Ich möchte damit mitnichten Plagiatoren verteidigen, auch nach mehreren Jahrzehnten sind. Ich möchte lediglich einordnen.

Meine Dissertation ging durch eine Plagiatssoftware. Das ist Standard; die Abgabe in gebundener wie auch in elektronischer Form ist obligatorisch. Bei Frau Schavan war es das damals nicht; die Plagiatsfeststellung war und ist ungleich schwieriger.

Umso mehr verblüfft es mich, dass sich jemand die Dissertation dieser Frau vornimmt, einer langjährigen Politikerin, die nunmehr 57 Jahre alt ist und deren Arbeit vor 33 Jahren entstanden ist. Solch eine Arbeit zu prüfen, 35, 40, 50 Jahre alte Literatur zu beschaffen, jede Fußnote zu vergleichen und zusätzlich all jene Textstellen zu kontrollieren, die keine Fußnote haben – das ist ein Vollzeitjob. Für Wochen. Wer macht sowas? Und warum? Cui bono?

Meine Einschätzung zu Herrn Guttenberg war seinerzeit: Jeder, der täuschen möchte und es auch tut, stellt sich, selbst wenn ich ihm wohlwollend an Debilität grenzende Blödheit unterstelle, nicht so dumm an wie Herr zu Guttenberg. Solch ein plumpes Kopieren fabriziert man nicht selbst.

Und ein Plagiatsjäger, der sich ohne Verdachtsmoment die Mühe macht, eine 33 Jahre alte Dissertation herauszukramen (ausgerechnet diese!) und sie bis ins Detail zu prüfen, macht das nicht als Freizeitvergnügen. Er macht es auch nicht aus einem übermäßigen Gerechtigkeitsempfinden heraus – sondern weil es einen Zweck hat. Für ihn oder für Dritte.

Hätte Annette Schavan übrigens vor 33 Jahren einen Menschen getötet, wäre der Totschlag seit drei Jahren verjährt.

Zwei Erzieherinnen in der U-Bahn

23. Januar 2013 § 56 Kommentare

Zwei Damen in der U-Bahn. Ich steige mitten im Gespräch ein.

(…)
“Im Urlaub bin ich in Spanien.”
“Wie kommste denn dahin?”
“Mit dem Auto.”
“Ja, aber, wie kommste dahin?”
“Hä?”
“Erdkunde war echt nie mein Ding.”
“Durch Frankreich.”
“Ach so.”
“Bist du dumm, odda watt?”
” ‘Schab doch abgebrochen. Hab ich dir doch schomma erzählt.”
“Schule, odda watt?”
“Nache Neunten. Weil, ich bin da einfach nich’ mehr hingegangen. Wurde auch gemobbt und so. Und dann hat meine Mutter gesacht: Dat bringt ja allet so nix mehr. Die zehn Pflichtschuljahre waren ja auch voll.”
“Und wieso machse getz Erzieherin?”
“Weil, wird gebraucht, hat die vom Amt gesacht. Wat has’ du eigentlich vorher gemacht?”
“Industriekauffrau. Abba hab’ ich nich’ zu Ende gemacht, die Lehre. Bei der Prüfung war ich damals ja schwanger und ich war auch so aufgeregt, da bin ich durchgefallen und nich’ mehr hingegangen. Abba getz, wo ich 30 bin und mein Sohn außem gröbsten raus is’, dachte ich, da starte ich nomma durch.”
“Erzieherinnen werden gesucht.”
“Dat hamwa schon allet richtich gemacht.”

Dr. außen nur Kännchen

10. Juli 2012 § 112 Kommentare

Ab heute: Frau Dr. des. Nessy.

Mehr später. Ich muss das erst alles verarbeiten.

Disputation

9. Juli 2012 § 49 Kommentare

Heute habe ich Wein und Pralinen gekauft.

Der Wein ist für meinen Doktorvater: ein Château Grange Neuve Pomerol 2009. Die handgemachte Ruhrgebietspralinen sind für meinen bayerischen Zweitkorrektor. Allerdings bekommen die Herren die Geschenke erst nach der morgigen Disputation, sonst wäre es ja Bestechung und kein Dank für die Betreuung.

Drücken Sie mir bitte die Daumen. Früher Nachmittag.

Ach ja, und falls ich nicht bestehe: Dann kriegen die beiden natürlich nix. Mein Vater hat sich stattdessen aufopferungsvoll bereiterklärt, noch am gleichen Abend den sündteuren Wein mit mir zu versaufen und dabei alle Pralinen zu verdrücken. Wie tröstlich.

Zehn Gründe, Nerds zu lieben

20. Juni 2012 § 50 Kommentare

Warum Nerds toll sind:

  1. Sie bauen uns tolle Dinge.
  2. Sie kennen immer die neuesten Gadgets.
  3. Sie kümmern sich nicht um Äußerlichkeiten.
  4. Sie sind kreativer als Künstler, und ihre Werke viel zweckdienlicher.
  5. Sie kennen Nischenprodukte wie Currywurst-Chips.
  6. Sie können dazu auch ein fundiertes Urteil abgeben.
  7. Sie tragen gerne lustige T-Shirts.
  8. Sie sind leicht zu begeistern.
  9. Sie pflegen morgens ein sympathisches Easy going, und …
  10. … über Nacht ist plötzlich alles erledigt.

Fragen zum Streik

21. März 2012 § 64 Kommentare

Heute wieder ver.di-bedingtes Radfahren.

Diesmal allerdings bei schönem Wetter, was mich zu dem Vorhaben bewegt, wieder öfters mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Es war nämlich richtig nett.

Worüber ich während des Radelns aber vielmehr nachgedacht habe, ist:

  1. Haben alle Ruhris ein Auto? Oder haben sie nur kein Fahrrad? Nehmen sich die Leute frei? Trotzdem, dass weder Busse noch Bahnen fuhren, waren kaum Radfahrer unterwegs.
  2. Was bringt der Streik eigentlich? Die Arbeitgeber kratzt es doch wenig: Alle Monatskarten sind bereits bezahlt, und die KiTa-Beiträge werden auch nicht anteilig erstattet.
  3. Wie soll eine Lohnerhöhung finanziert werden? Das kann ja nur über Beitragserhöhungen geschehen.

Vielleicht kann hier mal ein Streikender schreiben, wie er oder sie das sieht. Ich finde ja auch, dass Erzieherinnen zu wenig verdienen. Aber so richtig solidarisch fühle ich mich wegen der oben genannten Fragen trotzdem nicht. Oder wie sehen Sie das?

Wo bin ich?

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