Das Kännchenblog ist umgezogen

23. März 2014 Kommentare deaktiviert

Liebe Kaffeehausgäste,

das Kännchenblog ist umgezogen. Sie finden es ab sofort in seinen neuen Räumlichkeiten in Dortmund unter

http://fraunessy.vanessagiese.de.

Kommen Sie gerne direkt zu Fuß mit rüber oder nehmen Sie den neuen RSS-Feed.

Rosenmontag, abends

3. März 2014 § 26 Kommentare

Im Stadtgarten sitzt ein Sträfling und kotzt.

Neben ihm auf der Bank steht eine Flasche Fruchttiger. In der Ferne klimpert ein Spielmannszug “Anton aus Tirol”. Eine pummelige Katze steht zwischen dem Sträfling und einem zart ausschlagenden Ginster und brüllt in ihr Handy: “Schlaf getz! Mama und Papa kommen gleich!”

Es ist 18.30 Uhr. Ich habe gerade Feierabend und gehe durch die Stadt, um noch ein wenig  Luft zu schnappen – was eine schlechte Idee ist, aber nun bin ich unterwegs, nun ist es nicht mehr zu ändern. Ein Krokodil auf einem Fahrrad fährt vom Friedensplatz aus in Richtung Stadthaus. Auf Schicht gab es heute einen Teller mit Berlinern. In meinem war Erdbeermarmelade, das war sehr schön, das mag ich lieber als Aprikose. Ansonsten war wenig los. Rosenmontag halt.

In der U-Bahn stehen Menschen in BVB-Trikots. Ein BVB-Trikot geht hier in Dortmund immer und zu jedem Anlass – damit ist man niemals falsch angezogen, im Stadion sowieso nicht, aber auch nicht zu Karneval, auf dem Spielplatz mit den Kindern, , im Supermarkt, beim Spazierengehen oder samstags beim Grillabend. Ein Tausendsassa, so ein BVB-Trikot – und noch dazu atmungsaktiv.

Ich war ja an Rosenmontag niemals jemand anderes als Piroschka – in einem weißen, mit bunten Farben besticktem Rock und einer Haube mit weißen, roten und grünen Bändern. An einem kalten Aschermittwoch im Jahr 1984, nachdem ich in der Nachbarschaft zum x-ten Mal “Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig” gesungen hatte, habe ich das Kostüm ein letztes Mal getragen und fürderhin für immer abgelegt. Im folgenden Jahr passte es mir nicht mehr, und mit Piroschka starb  meine ohnehin nur schwach glimmende Karnevalsleidenschaft. Ich versuchte mich noch einmal als Clown, gewann mit dem vom Nachbarsjungen geliehenen Kostüm sogar den informellen Grundschulpreis für das beste Kostüm in der zweiten Klasse, dotiert mit Ruhm, Ehre und einem unförmigen Holzorden, den ich schon am selben Tag wieder abgeben musste, doch der Erfolg  versöhnte mich nicht. Ich legte Gewinn und Verkleidung ab und kümmerte mich nicht mehr um Karneval.

Ich steige in die U-Bahn. Die BVB-Trikots bleiben, wo sie sind. Sie wollen in eine andere Richtung, dorthin, wo noch etwas los ist. Statt ihnen huscht im letzten Moment eine Gruppe kichernder Krankenschwestern durch die piependen Türen des Waggons, wirft sich in einen Vierersitz und reicht eine Sektflasche herum. Wie gut, dass die Temperaturen dieser Tage schon deutlich im Plus sind, sonst hätten sie morgen sicherlich eine Nierenbeckenentzündung, so kurz wie ihre Röcke und Blusen sind; man kommt nicht umhin, sich über diese Dinge Gedanken zu machen.

Als ich aussteige, knutschen neben der Tür zwei Hasen mit auf einen Haarreif geschnallten Klappohren; sie schlecken sich wild und schmatzend. In Paderborn sagt man übrigens nicht “Alaaf” oder “Helau”, sondern “Hasi Palau”. Das hat mir heute Morgen eine Kollegin erzählt; das fällt mir in diesem Moment ein.

Das letzte Stück nach Hause gehe ich zu Fuß. Niemand ist mehr verkleidet, so weit reicht die Dortmunder Leidenschaft nicht; in den Vororten hört sie auf. Ich bin hier schon ganz richtig, denke ich und gehe heim.

Zu Besuch bei Frau Doktor

17. Februar 2014 § 62 Kommentare

Auf meiner Haut sind Muttermale.

Ich hatte sie noch nie untersuchen lassen, aber letztens wurde es mal Zeit. Sie kamen mir so dunkel und so uneben vor, hier und da sind sie vielleicht auch ausgefranst. Als Laie ist das schwierig zu beurteilen, deshalb machte ich einen Termin bei einer Hautärztin und ging hin.

Die Arzthelferin wies mich an, mich schonmal vollständig zu entkleiden (“Unterhose könnense anlassen!”) und auf die Liege im Untersuchungsraum zu setzen, Frau Doktor komme dann gleich. Es war nicht sehr warm, aber abgesehen davon kam es mir auch ein wenig befremdlich vor, einem Menschen, dem ich noch nie begegnet war, direkt nackert gegenüberzutreten. Ich ließ also zumindest mal mein Leibchen an, um Frau Doktor nicht direkt meine blanken Brüste entgegenzustrecken.

Nach etwa zehn Minuten kam Frau Doktor in den Raum, sah mich von oben nach unten und wieder zurück an. Dann sagte sie: “Und warum sind Sie heute hier? Weil Sie so groß sind?”

Ich hatte ein “Guten Morgen” oder andere Begrüßung erwartet; vielleicht auch, dass sie sich mir vorstellt. Ich war ein wenig perplex, dachte noch: “Hä?” und beantwortete, weil mir keine pasende Erwiderung einfiel, einfach die Frage: “Äh, nee … ich möchte meine Muttermale untersuchen lassen.”

“Nun ja, das ist wohl ihr gutes Recht”, sagte Frau Doktor. “Die Kasse zahlt ja.” Sie stellte sich vor mich und sagte weiter: “Dazu müssen Sie sich aber schon ausziehen. Hat Ihnen das meine Helferin nicht gesagt?”

Spätestens jetzt hätte ich gehen sollen. Aber ich war immer noch zu überrumpelt. Ich streifte also mein Leibchen ab, und Frau Doktor untersuchte, husch, husch. Nach weniger als einer Minuten war die Sache gelaufen.

“Und das Muttermal an der Wade?”, fragte ich.  Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie genau hingesehen hatte. “Das ist so dunkel und erhaben.”

Frau Doktor seufzte und sagte: “Auch das ist in Ordnung.” Dann erklärte sie mir noch, dass sie schon genau wüsste, was sie tue und dass sich Muttermale auch mal verändern, dass das aber nicht direkt bösartig sei und außerdem: Solange sie auf einer Extremität alle gleich aussehen, sei das sowieo kein Problem und ich hätte auch schon ein paar Altersflecken, ob ich die nicht wegmachen lassen wolle, sie habe da eine gute Methode, ob sie mir mal ein Info-Heftchen mitgeben solle.

“Nee”, sagte ich.

Sie machte einen Vermerk in meine Kartekarte und streckte mir die Hand hin. Ich schüttelte sie.

“Anziehen können Sie sich alleine, oder?” Dann entschwand sie aus dem Raum.

Freude am Nichts

29. Januar 2014 § 20 Kommentare

Der Grund, warum hier nichts passiert, ist:
Es passiert einfach nichts.

Was wiederum sehr schön ist. Mit großer Wonne widme ich mich den Banalitäten des Alltags, gehe früh zu Bett, lese triviale Literatur, schaue den Tatort und die Lindenstraße, ab und an sogar eine DVD, wasche, bügle, koche, turne mit großer Freude durchs Fitti und lerne Russisch.

Die Sache mit dem Russisch geht gut voran, auch wenn ich noch schlimm herumstottere, sobald ich einfachste Sätze bilden möchte. Beim Russischlernen hilft mir am meisten – man mag es kaum glauben – Facebook. Ich habe den russischen BBC-Dienst  abonniert, folge außerdem den Posts meiner russischen Freundin und schlage die Wörter nach, die dort stehen und die die Leute kommentieren. Das ist mühselig, weil ich immer noch mehr als jedes zweite Wort nachschlage und manchmal nicht die Bohne verstehe, aber insgesamt erscheint mir dieses Vorgehen sinnhafter als die Dialoge im Lehrbuch auswendig zu lernen; ich habe den Eindruck, dass kein Mensch so redet, wie es dort steht, noch dazu über solch nutzlose Dinge.

Abgesehen vom Russischlernen lese ich wie eine Wilde. Mich persönlich beunruhigt es ja, wenn ich mich dem Finale einer Geschichte nähere und auf meinem Nachtschrank weniger als fünf Bücher liegen, die ich im Anschluss lesen könnte. Welch ein Glück, dass es auf meinem Nachhauseweg nun seit geraumer Zeit ein Bücher-Outlet gibt, das gut sortiert ist und unter anderem die kleine Fischer-Taschen-Bibliothek verkauft, die so gut in die Handtasche passt.

Ansonsten erwarte ich dringlich den Frühling, um neue Thorstens zu säen, um mir ein Kräuterbeet anzulegen und Blumen zu pflanzen. Aber ach, es dauert noch so lang, bis ich das in Angriff nehmen kann.

Bis dahin vagabundiere ich auf dem Sofa und erfreue mich daran, dass nichts passiert.

Tanzübungen

13. Januar 2014 § 33 Kommentare

Liebe Kaffeehausgäste, ich bin leicht raschelig.

Am Wochenende werde ich die Wiener Hofburg besuchen und dort Walzer tanzen. Wie Kaiserin Sissi mit dem Grafen Andrássy. Selbstredend mit derselben Verve und Eleganz, daran besteht kein Zweifel.

Nun trage ich zwar am liebsten Jogginghose – aber selbst mein bester Sonntagsjogger taugt nicht zu diesem Anlass. Deshalb habe ich mir, um maximale Grandezza sicherzustellen, ein neues Kleid (natürlich blau), neue Schuhe (Let’s remember Aschenputtel!) und neue Leibwäsche gekauft.

Außerdem übe ich einmal täglich, inbrünstig Johann Strauß summend, auf meinem neuen, glatt geölten Wohnzimmerparkett den Wiener Walzer.

Tanzübungen

Generalprobe.

Das Kleid sitzt und schwingt, und auch technisch klappt alles gut, obwohl meine Tanzerfahrung aus seinerzeit guten Gründen (ich nannte ihn “Basti Transpiranti“) überschaubar ist. Aber so ein Walzer, der geht grad noch, den habe ich schon auf diversen Hochzeiten erfolgreich angewendet.

Drücken Sie mir die Daumen, dass ich in Wien ebenso fedrig schwebe wie in Dortmund.

Die Sache mit der Energie

6. Januar 2014 § 52 Kommentare

Endlich mal ein vernünftiger Ernährungswissenschaftler (genauer gesagt ist er Lebensmittelchemiker).

Über Sue bin ich auf Udo Pollmer gestoßen. In zwei Interviews, einem bei Zeit online und einem bei der Weltwoche, spricht er das aus, was ich schon seit langem bei mir und meinem Körper entdecke.

Die Sache ist bislang immer nur die: Ich bin ein kleines Dickerchen, und wenn kleine Dickerchen von Ernährung sprechen, winken in der Regel alle Leute ab. Weil: So jemand kann ja keine Ahnung von Ernährung haben, schau sie dir an. Dabei ist meine Erfahrung: Niemand hat so viel Ahnung von Ernährung wie dicke Leute, denn dicke Leute beschäftigen sich meist seit Jahren mit Diäten und Ernährung  und wissen in der Theorie ganz genau, warum sie dick sind (Teilnehmer von RTL-Nachmitagssendungen ausgenommen).

Udo Pollmer sagt zum Beispiel:

“Wir haben keine Schnauze mehr, wir haben ein harmloses, kleines Gebiss, das angewiesen ist auf gekochte, leicht zu kauende Nahrung. Ich begreife nicht, warum das keiner merkt. Ein Blick in den Spiegel genügt.”

Seine Schlussfolgerung ist (etwas verkürzt): Koch dir was und hör auf, dir Salat schönzureden.

Dabei mag ich gerne Salat. Möhren, Gurke und Paprika auch. Ich habe allerdings mal versucht, mich hauptsächlich von Obst und Salat zu ernähren – um abzunehmen natürlich. Ergebnis: Ich war kraftlos. Im Alltag ging’s sogar,  da ist etwas Hunger ja durchaus inspirierend und ich habe mich dynamisch gefühlt, aber als ich die Dynamik dann nutzen wollte, habe ich beim Sport sehr schnell kein Bein mehr vors andere gekriegt. Zwanzig Minuten laufen, fünf Liegestütze, und ich war durch. Bestimmt wird man dadurch dünn, ganz sicher wird man das, aber ehrlich: Kraftlos sein macht mir keinen Spaß.

“Es gibt zwei verschiedene Körperbautypen: die Pykniker, die rundlicheren, und die Leptosomen, die hageren. Das ist angeboren. Daneben existieren zwei grosse Regulationssysteme für das Gewicht: die Sexual- und die Stresshormone. […] Menschen, die sich in ausweglosen Situationen befinden, die gemobbt werden im Job, die daheim noch mal Ärger haben, bilden reichlich Cortisol. Was Cortisol bewirkt, wissen wir vom Medikament Cortison. Es führt zum Cushing-Syndrom. Sie werden dick. Ausserdem steigt das Diabetes- und Herzinfarktrisiko. Deshalb werden viele Dicke, wenn man sie unter Druck setzt, noch dicker.”

Zeiten, in denen ich ausgeglichen bin, bin ich schlanker als in Zeiten, in denen ich Stress habe. Deshalb habe ich im vergangenen Jahr fünf Kilo zugenommen. Weil das vergangene Jahr ein wahnsinnig anstrengendes war, körperlich und psychisch. Ich habe einen lieben Menschen gepflegt, ich habe ihn zu Grabe getragen. Ich habe eine Wohnung gekauft und sie renoviert. Es gab Herzinfarkte, Gallenoperationen, Psychiatrie-Aufenthalte. Nicht ich selbst, aber das Dabeisein hat mir gereicht. Ich hatte fast keinen Urlaub, und ich musste sehen, wie ich zurechtkomme. Ich war unendlich müde; ich hätte zwölf Stunden am Tag schlafen können, aber ich hatte keine Zeit zu schlafen – und nein: Ich konnte sie mir auch nicht nehmen, sie war einfach nicht da. Der einzige Ausgleich, der zwischendurch mal da war und der Anspannung abbaute, war Essen.

Ich werde dieses Jahr wieder fünf Kilo abnehmen. Aber nicht, weil ich Diät halte, sondern weil mein Leben wieder ruhiger wird.

Das hat auch nichts damit zu tun, dass ich dann wieder mehr Zeit habe, Sport zu treiben. Ich treibe seit 25 Jahren Sport, durch Sport nehme ich nur noch ab, wenn ich ihn extrem betreibe und wenn ich dabei hungere.

Gehe ich morgens ins Fitness-Studio, bin ich dort rund eineinhalb Stunden. Ich mache im Schnitt 45 Minuten Ausdauer und 45 Minuten bis eine Stunde Kraft – abends auch mal mehr. Ich schätze, dass ich dabei 800 Kalorien verbrauche. Ich merke genau, dass mein Körper diese 800 Kalorien wiederhaben will – und er will sie nicht als Paprika wiederhaben, sondern als schönes, leckeres Butterbrot oder als warme Mahlzeit. Halte ich nach morgendlichem Sport den Tag über Diät, könnte ich abends ein Schwein auf Toast essen, aber dringend!

Ich könnte natürlich dadurch abnehmen, indem ich täglich 800 Kalorien mehr verbrauche und sie mir nicht wieder zuführe. Nach einer Weile gewöhnt man sich sogar daran – ich habe das alles schon gemacht; so funktioniert das. So baut man zwar keine Muskeln auf, aber so reduziert man Gewicht. Irgendwann geht’s dann auch an die Fettreserven, toll, toll.

Aber ich habe wahnsinnig schlechte Laune dabei. Und soll ich was sagen? Das ist es mir nicht wert. Dazu ist mir Dünnsein nicht wichtig genug. Ich kann schon morgen vom Bus überfahren werden, Krebs kriegen, sterben. Ich verbringe die Zeit, die mir geschenkt wird, gerne herzlich, freundlich und ausgeglichen.

“Es geht um Macht. Anderen Vorschriften zu machen, verschafft vielen Menschen Genugtuung. […] Wenn der Mensch Angst hat, kann er nicht mehr logisch denken, und schon kann ich ihn mit immer neuen Tipps beherrschen. Klappt es nicht, ist er natürlich selber schuld und hat zu wenig getan.”

Ja, ich bin selbst schuld. Ich könnte abnehmen. Ich weiß genau, wie’s geht. Ich tu’s aber nicht. Nicht, weil mir die Disziplin fehlt. Sondern, weil mir der Wille fehlt. Richtig gelesen: Ich will nicht. Denn ich habe nur begrenzt Energie. Ich investiere meine Energie lieber ins Leben.

Stino-Optik

30. Dezember 2013 § 7 Kommentare

Damals™ schrieb ich mal:

“Nessy, ich sag’ dir, es gibt nur zwei Arten von Männern. Die Platzhirsche, die nur ficken wollen, und die Stinos. Die Stinos sind die Stinknormalen, die auch ficken wollen, aber nicht so scheiße dabei sind.

Dann gibt es noch eine Sonderkategorie. Ich sag’ immer: ‘Die haben die Lampe an.’ Das sind die, die eine ernsthafte Beziehung wollen. Stinos, die die Lampe anhaben, sind die Guten. Die Langweiligen, aber die Guten.

Ich erwische immer nur die Hirsche und suche wochenlang nach dem Schalter, mit dem das Licht angeht.”

Das Zitat findet sich in veränderter Form in meinem kleinen Buch. Dieser Tage schickte mir Leserin P. ein Bild aus Wien:

Stino-Optik

Sie schrieb dazu: “Seit ich Ihr Buch gelesen habe, gehe ich immer mit einem Grinsen an diesem Optikgeschäft in der Wiener Neubaugasse vorbei. Ich stelle mir dann vor, hier könne man Brillen kaufen, die Frauen sehen lassen, wer sie glücklich macht.”

Welch ein praktischer Gedanke!

Man müsste mal

29. Dezember 2013 § 14 Kommentare

Man müsste mal bügeln.

Jetzt, nach den Feiertagen, könnte man das tatsächlich mal tun. Da gibt es keine Ausrede mehr, keinen frommen Feiertag, der es verhindert.

Man könnte allerdings auch erst etwas lesen. Wann hat man schonmal die Zeit und die Muße, sich am hellichten Tag mit einem Buch aufs Sofa zu legen? Noch dazu bei Sturmwind und Lichterschein. Eben. Wie gemütlich! Aber morgen, da könnte man bügeln.

Obwohl – morgen ist nachträgliches Weihnachtsfrühstück mit der Verwandtschaft. Da kann man auf keinen Fall bügeln. Also eher übermorgen. Wobei: Übermorgen ist ein Tag vor Silvester. Da muss man die Feier vorbereiten, das Buffet, die ganzen Dips, da kann man nicht bügeln. An seinen freien Tagen sollte man sich nicht übernehmen. Schließlich heißt es “Erholungsurlaub” und nicht “Bügelurlaub”. Außerdem könnte man nochmal etwas lesen.

Fernsterputzen – jaha, das habe ich erledigt. Am Tag nach Weihnachten. Den ganzen Dezember über habe ich durch die trüben Scheiben geblickt und gedacht: Es müsste mal jemand die Fenster putzen. Aber abends nach der Arbeit? Man sieht dann ja auch so schlecht. Und an den Wochenenden? Da muss man zuallererst mal etwas einkaufen. Für aufs Brot. In der Woche kommt man ja zu nichts! Danach: Handball mit den Hühnern. Kaum, dass man sich versieht, ist schon wieder Montag. Dann ist es wieder dunkel. Und an dem einen Tag, dem Samstag, an dem ich die Fenster putzen wollte, an dem ich wirklich soweit war, an dem ich physisch und mental voll drauf war, ja nun, da hat’s geregnet. Da macht’s ja dann auch keinen Sinn.

Vorgestern also habe ich die Fenster geputzt. Es war noch Tiefgrund dran und natürlich Staub. An Weihnachten dachte ich morgens schon: Käär, was ist das diesig draußen. Wenn es diesig ist, gibt es immer drei Möglichkeiten: 1. Es ist diesig. 2. Die Kontaktlinsen sind oll. 3. Fenster putzen. Mir schwante, dass es Nummer 3 ist, und ich habe mir gesagt: Nach Weihnachten, da muss jemand die Fenster putzen. Das habe ich dann einfach gemacht. Es war dann auch ganz einfach.

Nur für die Bügelwäsche, da fehlt mir noch der letzte Kick.

Zauberhafte Begegnungen, Teil 3784

18. Dezember 2013 § 41 Kommentare

Zwei Mädels reihen sich in die Kassenschlange hinter mir ein:

I: [...] getz muss ich zu so’nem verfickten Streitschlichter gehen.
II: Wer macht denn bei euch Streitschlichter?
I: Die Olle aus der E-Klasse. Ey, ich pack’s nicht. Der fick ich ins Gehirn.
II: Welche Olle?
I: Die Blonde, die immer mit der Fetten rumsteht. Die immer mit dem Patrick is’. Kennze nich’? Die Alte, der du schon auf dreißig Metern in die Fresse hauen willz.
II: Joanna, oder was?
I: Die sacht mir dann, ich soll mich vertragen und nich’ mehr schlagen. Der vermöbel ich das Knie.
II: Wieso kennt Patrick die?
I: Die fick ich auf dem Nachhauseweg. Streitschlichter, ey – sowas machen doch nur Kackbratzen. Wenn ich die fick, dann steht die drei Tage nich’ mehr auf.
II: Ich glaube, die hatte was mit dem. Als sie noch braune Haare hatte. Dabei hat die noch nich’ mal Titten. Ich frag’ mich, Alta, wie kannst du was mit ‘nem Jungen haben, wenn du nich’ mal den Push-Up benutzt.
I: Drei Stunden noch, ey, ich pack’s nich’. Dann muss ich so tun, als wäre ich voll die Emo-Braut.

An dieser Stelle wurde ich bedauerlicherweise abkassiert und unsere Wege trennten sich.

Viele Farben: Blau

5. Dezember 2013 § 56 Kommentare

Ich trage fast nur Blau.

Das liegt daran, dass ich zwar versuche, Kleidung in einer anderen Farbe zu kaufen, aber regelmäßig scheitere.

Ich gehe zum Beispiel in ein Geschäft, mit dem festen Vorsatz, einen neuen Pullover zu kaufen, der alles sein darf – nur nicht blau. Bevor ich weiterspreche, müssen Sie wissen, dass ich bei Kleidung nicht so die supergeduldige Einkäuferin bin. Ich bin nämlich keine ausdauernde Anprobiererin: gucken, Kabine – passt oder passt nicht. Wenn’s passt: kaufen. Wenn’s nicht passt: keinen Bock mehr, nach Hause.

Ich möchte also einen Pullover kaufen, der nicht blau ist. Ich betrete das Geschäft und sehe gleich drei Pullover, die nicht blau sind. Zwei hänge ich mir übern Arm, beim dritten sehe ich: Oh, den gibt’s auch in blau! Schadet ja nicht, ihn zum Vergleich mitzunehmen.

Ich ziehe Pullover 1 an: Jo. Ganz gut.

Ich ziehe Pullover 2 an: Huch. Nee.

Ich ziehe Pullover 3 an, in nicht-blau: Och, ganz hübsch.

Nun in blau: Wow! Super!

Gelb zum Beispiel steht mir gar nicht. In Gelb sehe ich aus wie ein adipöser Kanarienvogel. Grün geht auch nicht, ich bin schließlich kein Tannenbaum. Grau ist wie gelb, nur dass der Vogel tot ist. Braun ist okay, aber schon auch etwas trist. Rosa geht nur bei Blüschen, in rosa Wolle sehe ich aus wie ein Mastschwein. Das Gleiche gilt für Türkis (totes Mastschwein). Lila ging Anfang der 90er mal, als ich Joy-Gläser sammelte, aber seither nicht mehr. Ich habe einen roten Pullovern, den ich mal in einem Anfall von Übermut kaufte. Ich hatte ihn auch mehrmals an, morgens nach dem Duschen, aber immer stand ich vor dem Spiegel und dachte mir: “Joooaaa, ganz gut, aber nicht heute.” Denn für die Arbeit ist rot grundsätzlich zu gewagt, und am Wochenende  passt Blau sowieso viel besser.

Am Ende kaufe ich also den Pullover in Blau, denn er kostet immerhin eine Stange Geld, und wenn ich schon eine Stange Geld ausgebe, sollte der Pullover auch eine Farbe haben, die mir nicht nur ein bisschen gefällt, sondern richtig gut.

Können Sie nachvollziehen, was ich meine?

Wo bin ich?

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