Twitterlieblinge im Mai

2. Juni 2013 § 5 Kommentare

Lieblingstweets 05/2013:

 

Zum Schluss ein Tweet, zu dem es eine kleine Geschichte gibt. Es begab sich Anfang Mai, dass Frau Gminggmangg, Frau Änni, Herr jpr und ich in Bern in einem Café saßen und Frau Gminggmangg erzählte, ihre zwei Kinder Y und Äm führen total auf Fortschrittsbalken ab. Herr jpr hat im Anschluss an unser Treffen direkt etwas Kleines programmiert, damit die Ruhigstellung der gminggmanggschen Kinder nicht mehr  von der Update-Frequenz von Software-Herstellern abhängig ist:

Bücher 2013 – 2

26. Mai 2013 § 13 Kommentare

Lektüre im März, April und Mai:

Bücher 2013 - 2

Colin Cotteril. Dr. Siri sieht Gespenster
Eine Obstverkäuferin wird ermordet, übel zugerichtet. War es der Bär, der Tage zuvor ausgebrochen ist? Dr. Siri, der einzige Leichenbeschauer Laos’, macht sich auf die Suche und erkennt schnell, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. – Vom ersten Siri-Buch “Dr. Siri und seine Toten” war ich total begeistert. “Dr. Siri sieht Gespenster” ist mir zu gewollt mystisch. Mehr Krimihandlung, weniger Esoterik wäre besser gewesen.

Nicholas Dryson. Kleine Vogelkunde Ostafrikas.
Mr. Malik ist sehr verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern. Gerne möchte er mit ihr zum Nairobi Hunt Ball gehen. Doch er traut sich nicht, sie aufzufordern, und kaum versieht er sich, tritt schon der machohafte Harry Kahn auf den Plan. Die beiden gehen eine Wette ein. – Ein nettes Büchlein, sehr warmherzig.

Tina Fey. Bossypants.
Bossypants ist ein gutes Buch, das leider einen schauderhaften deutschen Untertitel trägt: “Haben Männer Humor?” Der Untertitel ist daneben, weil es in dem Buch gar nicht um Männer geht, und wenn, dann nur am Rande. Es geht um die Komödiantin Tina Fey, ihr Leben und ihren Job bei NBC. Fey ist witzig und selbstironisch, sie erzählt ihren Aufstieg ohne Pathos und sehr unterhaltsam. Aber wahrscheinlich meinen deutsche Verlage, dass Buchtitel erfolgreicher, humorvoller Frauen besser kommen, wenn sie sich an Männern abarbeiten.

Toni Jordan. Tausend kleine Schritte.
Grace zählt. Am liebsten alles. Die Schritte, die sie geht, die Streusel auf dem Kuchen, die Bisse, mit denen sie ihn isst. Dann kommt Seamus und bringt ihr durchgezähltes Leben aus dem Tritt. Einerseits findet sie es schrecklich, die Kontrolle zu verlieren, andererseits gefällt es ihr. – Die Geschichte ist munter erzählt. Die Figur Grace ist sympathisch und kein bisschen platt. Die Liebesgeschichte verläuft nicht so vorhersehbar, wie es zunächst scheint. Deshalb: Daumen hoch.

Ulla Lachauer. Ritas Leute.
Rita Pauls stammt aus Kasachsten. Ihre Familie lebt inzwischen über die ganze Welt verstreut. Autorin Ulla Lachauer erzählt ihre (Migrations-)Geschichte. Sie hätte gut daran getan, sich dabei zurückzunehmen und nicht ihre Recherchereise nachzuerzählen, sondern sich stattdessen chronologisch der Familie zu widmen. Ich habe das Buch nach der Hälfte weggelegt, weil ich das Gefühl hatte, überhaupt nicht an “Ritas Leute” ranzukommen.

Audrey Niffenegger. Die Zwillinge von Highgate.
Valentina und Julia sind zwei verwöhnte amerikanische Teenager. Sie erben die Wohnung ihrer Londoner Tante Elspeth und bekommen zur Auflage, ein Jahr dort zu wohnen, bevor das Erbe in ihren Besitz übergeht. Nicht leicht für die Zwei, schließlich sind sie noch ziemlich unselbständig. – Ich sag’s ganz deutlich: Ich fand das Buch doof. Ein Frauen-Schnulli-Roman der schlimmsten Sorte. Valentina und Julia nerven, Elspeth taucht als Geist wieder auf und überhaupt wimmelt das Buch von Figuren, die mir auf den Zeiger gingen. Trotzdem habe ich es zu Ende gelesen. Ein bisschen erträglich war’s also doch.

Arnold Stadler. Ein hinreissender Schrotthändler.
Er ist ein frühpensionierter Studienrat. Seine Frau Gabi ist Handchirurgin. Irgendwann taucht der Schrotthändler Adrian in ihrem Leben auf, zieht bei ihnen ein und verschwindet nicht wieder. Sie nehmen ihn sogar mit in den Urlaub. – Als ich in das Buch reinlas, konnte ich mich direkt an der Sprache und der Liebe zum Detail erfreuen, mit der Stadler erzählt. Doch das war’s auch schon. Die Handlung ist abstrus und gewinnt auch nicht an Fahrt. Noch ein Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe.

Stephan Thome. Grenzgang.
Das beste Buch des Frühjahrs: Alle sieben Jahre findet im hessischen Bergenstadt Grenzgang statt, ein traditionelles, dreitägiges Volksfest. Die geschiedene Kerstin verliert den Kontakt zu Teenager–Sohn Daniel und pflegt ihre demente Mutter. Lehrer Thomas wollte in Berlin eigentlich eine akademische Karriere verfolgen, doch es hat nicht geklappt. Die Geschichte folgt den beiden über eine Zeitspanne von 21 Jahre in verschiedenen Rückblicken, jeweils zu den Grenzgangstagen. Schön konstruiert, mit viel Liebe zu den Figuren, trostlos und doch Hoffnung gebend, hält der Erzähler dem Leser den Spiegel vor. Ein großartiger Gesellschaftsroman im Stile Jonathan Franzens.

Jonathan Tropper. Sieben verdammt lange Tage.
Papa Foxman ist tot und hat beschieden, dass seine Familie nach seinem Ableben sieben Tage lang Shiwa sitzt. Allen Familienmitglieder steht schon beim Gedanken daran Schweiß auf der Stirn, und es kommt, wie es kommen muss: Bereits nach kurzer Zeit gehen sie sich auf die Nerven. – Die Geschichte wird aus der Perspektive von Judd erzählt, einem der Brüder, der seine Frau erst vor Kurzem in flagranti mit seinem Chef erwischt hat. Ich habe das Buch beim Lesen die ganze Zeit als Film vor mir gesehen. Es würde sich wunderbar auf der Leinwand machen: sehr unterhaltsam, ein bisschen verrückt, ein bisschen tiefgründig und rundum sympathisch.

Richard Yates. Easter Parade.
Das Buch erzählt die Geschichte der Schwester Sarah und Emily. Sarah heiratet früh und bekommt drei Söhne. Emily lebt ein rastloses Leben mit vielen Affären. – Ein schönes Buch. Die Geschichte ist locker erzählt und fließt so dahin. Ich habe es fast ausschließlich im Zug gelesen, was perfekt war. Autor Richard Yates hat übrigens auch “Zeiten des Aufruhrs” geschrieben, verfilmt mit Kate Winslet und Leonardo di Caprio.

Wochenendlektüre zum Anklicken

18. Mai 2013 § 9 Kommentare

Was Sie woanders nicht verpassen dürfen:

Meister der Inszenierung” über Menschen, die krankhaft lügen (via: Anne Schüßler). Ein unglaublich guter Text. Unbedingt bis zum Ende lesen.

Es gibt viele Gründe, warum Kinder weinen. “Reasons my son is crying” vermittelt einen Eindruck. Ich kann mir vorstellen, dass Eltern kleiner Trotzköpfe dieses Blog sehr beruhigend finden. Auch für Eltern: Die Ikea Hackers zeigen, wie man aus Hockern ein Laufrad baut. Das Nido-Magazin zeigt, wie man essbare Regenwürmer herstellt, die nur ein bisschen fies aussehen. Für Menschen, die erst Eltern werden: die Geburt von Zwillingen in Steißlage. Alles ganz harmonisch, wie man sieht.

Eine Bilderserie zeigt, wie der Himmel aussähe, wenn alle Planeten so nah an der Erde wären wie der Mond (via Anke Gröner). Eine andere Bilderserie zeigt die Nester von Webervögeln an Telegraphenmasten.

Eine schöne Anleitung zum Leben im Studentenwohnheim.

Haley Morris-Cafiero ist Professorin für Fotografie in Memphis und ein bisschen dick. Für die Fotoserie “Wait Watchers”  hat sie eine Kamera an einem öffentlichen Ort aufgebaut und sich in einem Abstand dazu hingesetzt oder hingestellt. Die Kamera machte in zeitliche Abständen Fotos – von Haley und von den Blicken, die sie erhält. Bei der Süddeutschen wird das Thema diskutiert – die meisten Kommentatoren finden die Blicke nicht schlimm oder meinen, das Starren liege nicht daran, dass Haley dick ist.

Zu guter Letzt das Serviceblog:

  • Die Fernsehsuche bietet einen Überblick über alle Sendungen in den Mediatheken der privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender.
  • Jedes Buch hat ein Lesebändchen verdient (via @isabo_).
  • Für Freiberufler, Kreative und Handwerker: eine Anleitung, wann man kostenlos arbeiten sollte.

Twitterlieblinge im April

30. April 2013 § 3 Kommentare

Lieblingstweets 04/2013:

Alle Twitterlieblinge wie immer bei Frau Anne.

Links zum Lesen. Und Pandabären.

3. April 2013 § 9 Kommentare

Es ist Mittwoch nach Ostern, deshalb hier ein paar Links (nicht, dass es dahingehend einen Zusammenhang gäbe, aber man kann es ja einfach mal schreiben):

Zum Sichwiederfinden:
Fotos von Menschen, die Fotos von Essen machen. Es ist doch immer wieder erbaulich, wenn man sich mit einem Blogbeitrag identifizieren kann. (via @OlafKohlbrueck)

Zum Wundern:
Nerds sind tolle Leute.  Das Buch “Grundlagen der Polizeipsychologie” hingegen warnt: Es hält Nerds für “sozial isoliert” mit “beinahe autistische(n) Züge(n)”. Ich hoffe immer noch, dass das Zitat ein Fake ist. Sollte diese Fachliteratur allerdings echt sein, wundern mich die Erlebnisse von Aurelie und von Morné Mirastelle nicht.

Für die Seele:
Nördlich der Alpen, ein Tumblr-Blog über Sachen im nördlichen Europa – die älteste Fossilienlagerstätte nördlich der Alpen, die wichtigsten Küstenmammutbaumbestände nördlich der Alpen und die erste autonome Nacktdarstellung nördlich der Alpen. (via Katrin Schreib)

Fürs Auge:
Ein Russe steigt auf die Pyramide von Gizeh und macht Fotos. Das ist natürlich illegal. Schön sind die Bilder trotzdem.

Zum Freuen:
24 SMS, die Du nicht von Deinen Eltern bekommen möchtest.

Zum Gucken:
Ein Mann namens Messe Kopp läuft rückwärts, lässt sich dabei filmen und spielt den Film dann vorwärts ab. Ein Video für den zweiten Blick. (via @kinderdok)

Zum Schlucken:
Papa hat sich erschossen. Ein Text von Saskia Jungnikl im österreichischen Standard. Berührend, persönlich, voller Wut und Trauer.

Zum Nachdenken:
Das Nuf sieht jeden Tag eine Oma auf einem Balkon und macht sich Gedanken über das Alter, die echten Menschen und die im Internet. Lesenswert auch die Kommentare. Mit dabei, wie immer: Leute, die die Internetmenschen selbstsüchtig und sozial gestört finden.

Für den Hinterkopf:
Der Harlem Shake ist kein virales Phänomen, sondern wurde von Unternehmen gesteuert. Hach mensch, schlimm, schlimm, dieser Kommerz.

Fürs Herz:
Pandas, die über die Wiese rollen. (via Sue Reindke)

Bücher 2013 – 1

3. März 2013 § 13 Kommentare

Mit Frühling, ohne Hund:

Bücher 2013 - 1: Mit Blumen, ohne Hund

Luca di Fulvio. Der Junge, der Träume schenkte.
Der junge Natale wandert mit seiner Mutter in die USA aus, heißt dort Christmas, seine Mutter verdient ihr Geld als Prostituierte und Christmas wächst in den Straßen New Yorks auf. Er hat ein großes Mundwerk, gründet eine Gang, lernt ein Mädchen kennen – und den Rest lesen Sie am besten selbst. Die Geschichte fließt munter dahin, ein prima Schmöker.

John Green. Das Schicksal ist ein mieser Verräter.
Hazel hat Krebs. So richtig schlimm. Gus hat auch Krebs, aber nicht mehr ganz so doll. Hazel verliebt sich in Gus – und Gus in Hazel. Hazels großer Wunsch: Peter van Houten treffen, den Autor ihres Lieblingsbuchs. – “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” ist ein Jugendbuch mit klarer Sprache und stringenter Handlung. Es ist okay zu lesen, aber … ach, ich weiß auch nicht. Mit Jugendbüchern werde ich nie so richtig warm.

Steve Hamilton. The Lock Artist. (Der Mann aus dem Safe)
Sein Vater läuft Amok, Mike versteckt sich im Safe, wird im Wasser versenkt. Mit dieser traumatischen Erfahrung verliert Mike seine Stimme – und wird zu einem der besten Safeknacker der Welt. Er manövriert sich in Schwierigkeiten, verliebt sich, lässt sich instrumentalisieren. – Die Geschichte wird auf drei dicht nebeneinander liegenden Zeitebenen erzählt, was ich anfangs schwierig fand, hinterher aber richtig gut. Ein ungewöhnlicher Kriminalroman. Auf jeden Fall einer der besseren.

Richard Russo. That Old Cape Magic. (Die alte Sehnsucht)
Jack ist Professor und Drehbuchautor und seit 30 Jahren mit seiner Frau verheiratet. Die Tochter ist aus dem Haus, heiratet bald. Seine Frau trennt sich von ihm, und die Urne seines Vaters wird er irgendwie nicht los. Jack wollte nie wie seine Eltern werden und muss nun, mit Mitte 50 erkennen, dass er ihre Geschichte doch wiederholt. Eine tiefsinnige, nostalgische, manchmal slapstickhafte Geschichte. Gut.

Rafik Schami. Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte.
Ein Buch, das nicht wirklich eine Geschichte enthält, sondern mehr ein Monolog des Autors ist, in dem er eine Lanze für das gesprochene Wort und die erzählte Geschichte, für das Märchen und für seine Heimat Syrien bricht. Schamis Worte sind leidenschaftlich, aber nicht immer interessant, oftmals redundant und mir deshalb fremd geblieben. Er wirkt in seiner Rede wie ein Missionar.

Chevy Stevens. Still Missing – Kein Entkommen.
Das Buch habe ich innerhalb von drei Tagen durchgelesen. Keine große Literatur aber ein spannender Thriller mit dichter Atmosphäre. Darum geht’s: Die Maklerin Annie wird bei einer Open-House-Besichtigung entführt und daraufhin in einer Hütte gefangen gehalten. Ein Psychospiel beginnt. Mehr verrate ich nicht.

Die letzten Bücher des Jahres

2. Januar 2013 § 7 Kommentare

Die Bücher des November und Dezember:

Bücher im November und Dezember

Jeffrey Kinney. Diary of a Wimpy Kid
Mehr ein Comic als ein Buch. Genauso nett wie “Calvin und Hobbes”, nur ohne Tiger. Greg Heffley hat es jedenfalls faustdick hinter den Ohren. Kurzweilig, nicht nur für Kinder.

Monika Maron. Animal triste
Sie ist Paläontologin, ihr Leben ist das Skelett eines Brachiosaurus im Berliner Naturkundemuseum. Dort trifft sie den Hautflügelforscher Franz. Die beiden beginnen eine Affäre, die zu ihrem Leben wird, auch nachdem sie beendet ist. Ein Buch übers Lieben, über Verlust, über Obsession und ein bisschen über die deutsche Wiedervereinigung, zwischendrin mit klugen Worten. Großartig bisweilen, auf jeden Fall aber hat es mich gedanklich beschäftigt.

Margaret Mazzantini. Mare al Mattino (Das Meer am Morgen)
Libyen, Sommer 2011: Jamila und Farid fliehen erst zum Meer, dann auf ein Boot in Richtung Italien. Dort steht Vito am Strand. Auch er, obwohl Italiener, floh mit seiner Mutter einst aus Libyen. Zwei Schicksale, zwei Flüchtlingsgeschichten, gut zu lesen. Ich mag Margaret Mazzantini generell und kann die Autorin nur empfehlen.

Danke an T., der nach meinem Wunschzettel gefragt und mir das Buch geschenkt hat.

Eugen Ruge. In Zeiten des abnehmenden Lichts
Der Roman wurde viel gepriesen, ich habe mit ihm – wie immer mit hochgelobten und mit dem Deutschen Buchpreis bedachten Werken – meine Probleme. Es geht um die Geschichte der Familie Umnitzer, um die Großeltern Wilhelm und Charlotte, um ihre Söhne Werner und Kurt sowie Kurts Frau Irina, um Enkel Alexander und Großenkel Markus. Die Familie wächst zwischen Sowjetunion und DDR auf. Die Geschichte wird nicht chronologisch, sondern in Episoden erzählt, die später ein Ganzes ergeben. Auf mich wirkt sie angestrengt – beim Lesen habe ich mich oft an Schullektüre erinnert gefühlt.

Judith Schalansky. Der Hals der Giraffe
Grandios! Inge Lohmark, Biologielehrerin, lebt den Darwinismus. Sie unterrichtet in Vorpommern, ihre Schule soll in vier Jahren geschlossen werden, ihre Schüler hält sie auf Distanz – bis sie sich verliebt. Das Buch und die Sprache Lohmarks stützen sich komplett auf die Biologie. Die drei Teile heißen “Naturhaushalte”, “Vererbungsvorgänge” und “Entwicklungslehre”. Jede Doppelseite hat zudem eine eigene Überschrift, es gibt Illustrationen. Unbedingt lesen.

Urlaubslektüre

7. November 2012 § 37 Kommentare

Bücher Oktober 2012:

Bücher Oktober 2012 (Bücherstapel mit Hund)

Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen.
Ein Frauen-Kitsch-Roman der übelsten Sorte: flache Handlung, flache Charaktere, flacher Schreibstil. Der Inhalt in Kürze: Frau entdeckt ein Buch, in dem sie vorkommt. Ist verzückt. Will den Autor treffen und lieben. Trifft stattdessen auf seinen Lektor, der allerdings in Wahrheit der Autor ist. Ab Seite 20 dachte ich: “Alta, hast du keine Eier in der Hose, oder was? Sag ihr doch einfach, was los ist!” Ich musste aber bis Seite 320 warten. Dazwischen: Geblubber.

Alex Capus. Léon und Louise.
Die Geschichte einer Jugendliebe, die verloren geht, sich wieder findet, nicht sein darf, sich wieder verliert, sich wieder findet. Kein besonders tiefgründiger Roman, aber durch und durch nett, gut zu lesen, nicht anspruchsvoll, aber dennoch schön geschrieben. Ich habe das Buch in einem Tag am Pool gelesen. Rundum prima.

Chad Harbach. Die Kunst des Feldspiels. 
Ein Buch über Baseball, übers Erwachsenwerden, übers Versagen, übers Zu-sich-Stehen, irgendwie über alles, nun ja, vielleicht nicht alles, aber immerhin vieles, was das Menschsein ausmacht. Ein großer Roman, perfekt komponiert, mit ausreichend Nähe und Distanz zu den Figuren. Er verknüpft das Leben von fünf Personen: Henry, dem jungen Baseballspieler, seinem Zimmergenossen Owen (“Ich bin dein schwuler Mulattenmitbewohner”), Henrys Mentor Mike, dem College-Rektor Affenlight und dessen Tochter Pella. Absolut lesenswert.

Haruki Murakami. Naokos Lächeln.
Toru lernt Naoko kennen, aber Naoko kann keine Nähe zulassen, hat psychische Probleme. Toru lernt auch Midori kennen, die temperamentvolle Studentin, das Gegenteil von Naoko. Und doch zieht ihn alles zu Naoko. Aber auch ein bisschen was zu Midori. Der Roman ist still, aber stimmungsvoll. Die Charaktere bleiben angenehm im Vagen, es gibt viel Raum zur eigenen Interpretation. Das gefällt mir. Die Erzählung gleitet leider ein bisschen ins Pubertär-Pornöse ab. Es fehlt an Tiefe. Aber im Großen und Ganzen ist sie gut, kann man lesen. Ich werde es auf jedenfalls noch ein zweites Mal mit Murakami probieren.

Thomas Pletzinger. Gentlemen. Wir leben am Abgrund.
Absolut spannend: eine Saison mit dem Basketball-Bundesligisten Alba Berlin. Sie ist nicht unbedingt besonders abwechslungsreich, und auch Pletzingers Schreibe reißt nicht vom Hocker, aber etwas an dem Buch hat mich gefesselt. Vielleicht ist es die totale Subjektivität, mit der Pletzinger berichtet, die Nähe, die Authentizität. Vielleicht der einzigartige, intime Einblick in die Mannschaft und in die Mechanismen des Profi-Sports. Wie auch immer: ein gutes Buch.

Siba Shakib. Eskandar.
Die Geschichte des Irans, erzählt an der Geschichte des Lebens von Eskandar, einem Jungen aus einem Dorf im Südiran. Er erlebt die Entdeckung des Erdöls, die erste Ölförderung, die wirtschaftliche Okkupation durch die Briten, Militärputsch, die erzwungene  Säkularisierung des Landes, den Zweiten Weltkrieg, Mossadegh und den Angriff des Irak. Knapp 600 Seiten, nie langweilig erzählt, keine trockene Abhandlung, sondern ein lebendiges Buch, das hilft, Einiges zu verstehen, was Iraner bewegt.

Pralinés

18. Oktober 2012 § 13 Kommentare

Ich bin jetzt ein paar Tage nicht im Café – muss wichtige Dinge erledigen. Damit Sie derweil nicht auf dem Trockenen sitzen, hier ein paar Pralinés, mit denen Sie sich die Zeit versüßen können:

Frau Gminggmangg
Ist jüngst drei Monate lang mit Mann, zwei Kindern und einem Campingbus durch Südeuropa gereist. Das können Sie alles nachlesen. Jetzt ist sie wieder da und bloggt – wie zuvor auch – munter aus ihrem Alltag. Lese ich total gerne.

Antje Schrupp.
Ich hätte niemals gedacht, dass ich je ein feministisches Blog lesen würde – bei einigen Beiträgen wundere ich mich auch tatsächlich, was man alles zu einem Problem aufblasen kann bzw. manches ist mir einfach zu akademisch. Andererseits zeigt mir Frau Schrupp immer wieder neue Sichtweise und gibt Gedankenanstöße. Das schätze ich.

Herr Buddenbohm.
Den kennen Sie bestimmt. Ich schreibe ihn trotzdem nochmal auf. Der Mann hat zwei Söhne und neigt zu norddeutscher Ausgelassenheit. Mehr muss man nicht sagen.

Herr Jojo.
Ich bin großer Jojo-Fan und würde ihn heiraten, wenn er nicht schon Nadini und den Nomster hätte und immer diese komischen Filme gucken würde.

Ikea Hackers.
Machen Sie doch mal was Nettes aus Ihren Ikea-Möbeln.

Graphitti Blog.
Hässliche Grafiken über unsinniges Zeug. Aber lustig. Außerdem stimmt immer alles.

Der Trafikant

9. Oktober 2012 § 16 Kommentare

Ein Buch, das einen eigenen Beitrag verdient hat:

Der Trafikant

Als ich es in der Hand hielt, dachte ich als erstes: “Seethaler … Seethaler … den Namen kennt du doch …” – und tatsächlich: Vor Jahr und Tag las ich “Die weiteren Aussichten“, ein mehr oder weniger fürchterliches Buch. Doch “Der Trafikant” wurde mir mit warmen Worten anempfohlen, also bekam der Autor eine zweite Chance. Ich kann vorwegnehmen: zum Glück. Selten habe ich solch ein gelungenes, in sich stimmiges, sprachlich, geistig und emotional bereicherndes, mit einem Wort: wunderbares Buch gelesen.

Der Inhalt ist kurz erzählt: Franz Hucherl, ein Bub aus dem Salzkammergut, wird von seiner Mutter nach Wien geschickt, um beim Trafikanten Otto Trsnjek als Lehrling anzufangen. In Wien widmet er sich zunächst der Zeitungslektüre, auf Anraten eines gewissen Prof. Sigmund Freud begibt er sich dann auf die Suche nach einem Mädchen.

Und so schlüpfte er schon am nächsten Samstag, kurz bevor ihn die Trafik mit einem letzten, aufmunternden Geklingel ins Wochenende entließ, in seinen Sonntagsanzug, wusch sich sein Gesicht, den Hals und die Hände mit einem extra für diesen Anlass teuer erstandenen Stück Kernseife, schmierte sich einen Batzen Schweineschmalz in die Haare und zerrieb Blütenblätter einiger prächtiger Königsrosen unter seinen Achseln, die er auf einem nächtlichen Streifzug aus den um die Votivkirche akkurat angelegten Beeten gepflückt hatte. Alsdann trat er glänzend und duftend auf die Straße, wo das milde Herbstlicht das Pflaster wärmte, und bestieg die Straßenbahn in Richtung Wiener Prater, um dort sein Glück in Gestalt eines passenden Mädchens zu finden.

Er trifft die Tänzerin Anezka, eine pralle Böhmerin mit Zahnlücke, und verliebt sich sofort. Zudem geschehen seltsame Dinge: Trafikant Trsnjek ist nicht mehr wohl gelitten, weil er an Juden verkauft, und auch Prof. Freud muss sich vorsehen.

Das Buch ist ein Genuss, die Worte perlen aus den Seiten, malen Stimmungen und Charaktere.  Die Geschichte selbst ist nicht sentimental, erhebt keinen Zeigefinger, bleibt stets gelassen und lässt Lücken dort, wo die Fantasie des Lesers eindrücklicher ist als Erzählen.

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass “Der Trafikant” zu den zehn besten Büchern gehört, die ich bislang gelesen habe.

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