Das Kännchenblog ist umgezogen

23. März 2014 Kommentare deaktiviert

Liebe Kaffeehausgäste,

das Kännchenblog ist umgezogen. Sie finden es ab sofort in seinen neuen Räumlichkeiten in Dortmund unter

http://fraunessy.vanessagiese.de.

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Ballett aus Sicht der zuschauenden Handballerin

10. November 2012 § 46 Kommentare

Das Patenkind tanzt alsbald Ballett.

Genau genommen tanzt die Patentochter das ganze Jahr über Ballett, aber dieser Tage findet eine große Aufführung statt: Ihr Ballettstudio gibt den “Nussknacker”, und sie wird auf der Bühne stehen.

Es ist nicht das erste Mal für sie. Seit Jahren schon führt das Ballettstudio in der Weihnachtszeit den Nussknacker auf – das Stück bietet ausreichend Rollen für ganze Horden von Kindern, die Kleinen tanzen die Mäuse und die Zinnsoldaten, die Großen sind Mascha, der Mäusekönig und Drosselbart. Wer als Maus anfängt, macht später den arabischen Tanz und ist am Ende eine Schneeflocke. Oder tanzt die Hauptrolle.

Für die Zuschauer ist das Prozedere über die Jahre freilich etwas ermüdend, denn wie gesagt: Es wird jeden November das gleiche Stück aufgeführt. Das Herzenskind hat zwar stets eine andere Rolle, jedesmal eine wichtigere Rolle; angefangen hat es als Maus, es trug eine Mausemaske und war von den anderen Bühnen-Mäusen nur vage zu unterscheiden (die kundige Patentanten hatte gleichwohl kein Problem); zuletzt hat es gar Spitze getanzt, aber es lässt sich nicht leugnen, dass auch bei der fünften und sechsten Darbietung der Nussknacker der Nussknacker bleibt – ein Stück, das in seiner gesamten Länge durchaus zweieinhalb Stunden einnimmt, der Saal ist dunkel, zwei schmackhafte Stücke Kuchen von Opa Konni machen es sich verdaulich gemütlich im eigenen Innenraum, eine behagliche Schwere senkt sich auf den Körper – Sie können die Problematik vielleicht erahnen.

Als Handballerin ist mir das sportliche Ziel des Balletts überdies zu diffus. Wer am Ende die Partie gewinnt, ist reine Interpretationssache, überhaupt bin ich mehr für aggressiven Vollkontaktsport, das macht auch als Zuschauer mehr Spaß, man kann dasitzen und pöbeln, aufstampfen, gestikulieren, Foulspiel reklamieren und vor sich hin granteln: Es geht zur Sache, nicht nur auf dem Feld. Während der letzten Male Nussknacker war ich versucht aufzuspringen und Dinge zu rufen wie:

“Schritte! Das war ganz klar ein Schrittfehler!”
“Zeitspiel! Die Soldaten wollen doch gar nicht!”
“Das ist Passiv! Passiiiiv!”
“Ey!! Foul! Er hat sie durch die Luft geschleudert!”
“Das ist Rot! ROOOT!!”
“Die dreht sich doch nicht von alleine! Der hat geschubst!”
“Wo ist eigentlich der Schiri? Schiriiii!”

Bis anhin hatte ich mich im Griff, doch ich weiß nicht, wie lange ich die Contenance noch werde wahren können oder ob es dieses Jahr plötzlich aus mir herausbrechen wird, ob ich nicht spontan aufspringe, auf den Fingern pfeife und raumgreifend pöble, allein schon, um ein bisschen Schwung ins akurat gekämmte, wenngleich apathische Auditorium zu bringen. Überhaupt, wo sind eigentlich die Mettbrötchen, gibt’s keinen Fressstand im Foyer? Wieso riecht’s nicht nach Bier und Frikadelle? Warum trage ich als einzige ‘nen Jogger?

Aber das Patenkind, das wird natürlich der Matchwinner sein. Falls nicht, dann wurde ihm übel mitgespielt, das steht jetzt schon fest. Schiri, ich weiß, wo dein Auto steht.

Wunschzettelzeit

2. Oktober 2012 § 57 Kommentare

Der Oktober bricht an, es ist die Zeit, in der Mütter Wunschzettel abfragen.

Das war nicht immer so, nicht schon im Oktober. Als ich lütt war, fragte mich meine Mutter stets um Nikolaus herum, was ich mir wünschte. Der Zeitpunkt leuchtete mir ein, denn Nikolaus ist der Kumpel vom Christkind, logisch, dass es von einem zum anderen nicht lange dauert und man zügigst ein paar Dinge aufmalen sollte. Als Teenager musste ich meinen Wunschzettel dann um Sankt Martin herum verfassen, obwohl Sankt Martin nichts mit Weihnachten zu tun hat, außer, dass er auf einem Pferd reitet und bei Nikolaus und Christkind irgendwie Rentiere im Spiel sind.

Inzwischen hält meine Mutter mich Ende September dazu an, einen Wunschzettel zu verfassen –  auch dieses Jahr fragte sie bereits, was ich mir denn “vom Christkind wünsche” und zwinkerte dabei geheimnisvoll, das ist einer Mutter wohl nicht auszutreiben. Die allgemeinen Formalitäten für Wunschzettel sind inzwischen überdies strenger geworden: Eine Einreichung muss zwingend schriftlich, mit Briefmarke und per gelber Post erfolgen; belangloses Dahergesage von Wünschen wird weder behalten und notiert noch berücksichtigt.

“Apple TV”, antwortete ich vor Wochenfrist trotzdem.
Mutter zog ihre Brauen zur Nasenwurzel und schürzte die Lippen zu einem Schmollmund des Missfallens. “Was soll das sein?”, fragte sie. Ihre Mimik war die gleiche wie damals, als ich mir ein ferngesteuertes Auto wünschte.
“Ein Gerät, damit ich das Internet auf meinem Fernseher abspielen kann”, sagte ich und ergänzte, um es ihr schmackhafter zu machen: “Damit wir demnächst viel einfacher Urlaubsbilder angucken können.”
Doch ihre Stirn blieb gerunzelt, ihr Unterkiefer malmte leise. “Möchtest du nichts für den Haushalt? Eine gute Rührschüssel kann man immer gebrauchen.”

Homebase

1. Mai 2012 § 13 Kommentare

Haha!

[via]

Dazu darf natürlich die Hymne nicht fehlen:

Alles kein Ding mehr

13. April 2012 § 139 Kommentare

Er ruft mich an, und ich weiß sofort: Irgendetwas ist.

Er sagt, ich wisse doch: Heute sei sie im CT gewesen, wegen ihrer Schmerzen in der Hüfte. Gerade habe sie ihn angerufen. Die Ärzte sagten, die halbe Hüftpfanne sei weggebröselt. Sie sagten auch, dieser Zersetzungsprozess – so schnell wie der vonstatten gegangen sei, das könne kein Verschleiß sein. Er sagt, sie sprächen von Knochenmetastasen.

Ich sitze im Büro. Wir haben ein Großraumbüro, und normalerweise gehe ich in die Küche, wenn ich telefoniere – um niemanden zu stören, und damit nicht alle mithören. Aber diesmal bleibe ich sitzen. Ich muss sitzen, denn ich zittere. Mir ist kalt.

Ich frage, wie sicher das sei. Ziemlich sicher, antwortet er. Sie müssten jetzt alles genau untersuchen und den Herd finden und natürlich könne es immer noch etwas anderes sein, aber sie hätten ihr schon gesagt, es sei sehr ernst, und sie solle sich auf das Schlimmste gefasst machen. Er meint, das sagten sie ja nicht einfach so. Er sagt das sehr langsam, mit drei Pünktchen am Ende.

Am Abend rufe ich sie an. Sie versucht, gefasst zu klingen, aber ich höre, dass sie geweint hat. Ihr Stimme hat dieses dunkle Timbre, das man nur hat, wenn man tief in sich hinein geweint hat. Sie sagt, die Sache mit der Hüfte könne zu allererst einmal von einem Unfall kommen oder von Osteoporose, die Ärzte machten einen aber auch immer verrückt, denen gehe es nur ums Geldverdienen. Aber du hattest doch gar keinen Unfall, sage ich. Nein, sagt sie, einen Unfall nicht direkt. Nein, eigentlich – nein. Kein Unfall.

Und dieser Husten, frage ich. Du hast doch schon seit Monaten diesen Husten.

Der Husten, sagt sie, das habe sie ihrem Hausarzt schon vor Monaten gesagt. Der tue höllisch weh. Der ziehe genau in die Seite, wo auch die Hüfte schmerze. Das sei wirklich kaum zu ertragen, der ganze Brustkorb schmerze.

Die komplette nächste Woche, sagt sie, sei sie nun unterwegs, jeden Tag: ins Labor, in die Röhre, Szintigramm, Computertomographie. Vielleicht, habe die Ärztin gesagt, brauche sie nur eine neue Hüfte. Danach sei man heutzutage schnell wieder fit, das sei kein großer Eingriff.

Natürlich, sage ich, alles kein Ding mehr.

*

Ich bin erneut auf der Arbeit, als er mich anruft. Gerade muss sie im Krankenhaus gewesen sein, muss sich ihre Diagnose abgeholt haben. Ich gehe in die Teeküche. Ich frage nichts, und er sagt nichts, denn es ist bereits alles gesagt, ohne dass ein Wort gefallen ist. Telepathisches Telefonieren, das Knoff-Hoff der Katastrophen.

Irgendwann sagt er doch etwas. Er fragt, ob ich sie sprechen möchte. Ja, antworte ich, und er gibt den Hörer weiter.

“Hallo”, sagt sie und hustet. “Ich weiß nicht, ob ich das überlebe”, sagt sie.

Ich schweige. Mein Kopf sucht nach Worten. Ich denke sofort: Nein, das überlebst du nicht. Schon vor einer Woche habe ich geschaut, woher Knochenmetastasen kommen, habe eins und eins zusammengezählt. Ich las: inoperabel, lebensverlängernd, palliativ. Fünf Prozent, zwei Prozent.

Ich blicke aus dem Fenster in den Hof, wo ein Auto vorfährt und ein Pizzabote aussteigt. Ich möchte nicht beschwichtigen, möchte nicht lügen. Kleine Miseren rede ich mir gerne schön, das macht sie leichter, sie sind dann fast nicht da. Widdewiddwitt, ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Jetzt, mit der Stirn an der Scheibe und dem Handy am Ohr, bin ich keine Pipilotta, möchte ich nichts schönreden. Der Pizzabote geht ins Haus. Ich sage: “Das wissen wir alle nicht.” Die Sonne kommt hinter Wolken hervor.

“Sechs Wochen noch”, sagt sie, “wenn ich nichts mache. Und zwei Jahre, wenn ich sofort Chemo kriege.” Sie schweigt. Dann sagt sie: “Morgen fangen sie an.” Der Pizzabote kommt aus dem Haus und steigt in sein Auto. Die Sonne verschwindet wieder. Sie sagt: “Ich habe Angst.”

Als ich auflege, fühlt es sich plötzlich an, als stünden wir vor einem Wettkampf. Eine Woche lang haben wir auf den Startschuss gewartet, darauf, dass es amtlich wird, dass es losgeht, dass wir aus den Blöcken springen und unseren Lauf beginnen können. Diesen Lauf, von dem wir nicht wissen, wie lang er sein wird – und für den wir nicht trainiert haben.

Ich gehe hinaus, gehe Straßen auf und ab. Sie stirbt. Sie stirbt. Mein ganzes Denken sind diese zwei Worte. Sie stirbt. Sie stirbt. Sie stirbt.

*

Als ich zurück ins Büro komme, habe ich eine neue E-Mail, Betreff: “Er ist da!”
Ich öffne sie und sehe vier Bilder eines Neugeborenen, klein, zerknautscht, die Händchen blau. Der Sohn von Freunden, ersehnt und erwartet – er ist angekommen.

Ich weine.

Eierlikörchen

10. April 2012 § 40 Kommentare

Ostern in der Familie.

Die Verwandtschaft verköstigt zu diesem Anlass Eierlikör, selbstgebraut. Am Ostersonntag sitzen dann Tanten, Schwiegertanten, angeheiratete Großtanten und versprengte Schwippschwägerinnen in trauter Runde beisammen, Damen in strengen Kostümen und blumigen Röcken, mit Silberlöckchen, Perlenketten und voluminösen Broschen.

Nach dem Mittagessen fragt die Gastgeberin: “Likörchen?”, die Damen nicken, und sie entschwindet in die Küche. Sekunden später betritt sie, herausfordernd lächelnd, mit frisch entschraubter Flasche die Szene, und dann – ja dann, geschieht das Unglaubliche: Die  Tanten, Schwiegertanten, Großtanten und Schwippschwägerinnen recken ihre Gläser  in die Luft wie Metal-Fans beim Freibier-Ausschank und rufen wild durcheinander:

“Ich nehm’ einen Blonden Engel!”
“Kalter Busen!”
“Ich krieg’ ein Blutgeschwür!”

Damit Sie für das nächste Osterfest Bescheid wissen:

Blonder Engel = Eierlikör mit Sekt
Kalter Busen = Eierlikör mit Fanta
Blutgeschwür = Eierlikör mit Kirschsaft

Die Herren stehen währenddessen übrigens draußen, die Daumen in Gürtelschnallen und hinter Hosenträger gehakt, und trinken Bier aus der Flasche.

Pyjama

19. März 2012 § 105 Kommentare

Meine Mutter hat mir einen Pyjama geschenkt.

Pyjama mit rosa Plümchen

Ich habe sie gefragt, ob sie möchte, dass ich nie wieder Geschlechtsverkehr habe. Sie antwortete: “Wieso? Der ist doch gut verarbeitet! Was soll ein Mann dagegen sagen?”

Unsaomma hat wieder Zähne

26. Januar 2012 § 49 Kommentare

Heute hatte ich Urlaub.

Ich habe meine Diss abgegeben, und wo ich schonmal frei hatte, bin ich zu Unsaomma gefahren, um nachzusehen, ob sie wieder Zähne hat. Denn Sie erinnern sich vielleicht: Unsaomma hat ihr Gebiss ins Klo fallen lassen.

Ich komme in ihr Zimmerchen. Sie sitzt in ihrem flauschigbraunen Seniorensessel mit ferngesteuerter Aufstehautomatik und strahlt wie Nadja Abd El Farrag nach ihrem ersten Bleeching.

“Du hast ja wieder Zähne”, sage ich fröhlich.
“Schön, woll!” sagt Unsaomma.
“Sieht gut aus”, sage ich. “Sitzen die auch richtig?”

Unsaomma zieht ihre Augenbrauen zur Nasenwurzel und macht mit ihrer Tatterhand eine wegwerfende Geste. “Unten is locker”, sagt sie und schiebt zum Beweis ihre Zunge unter ihr Gebiss und lässt es auf die Lippe hängen.

“Dann musst du jetzt beim Pippimachen den Mund zulassen”, sage ich. “Und durch die Nase atmen.”

Sie saugt ihre Zähne zurück in den Mund. Klackernd rasten sie ein. “Nicht gut”, sagt sie, beugt sich vor und deutet auf die gegenüberliegende Wand. “Da.” Sie wackelt nervös mit dem Zeigefinger. “Da fehlt eine. Kannst du die drucken, vom Computer?”

Ich folge ihrem Finger. Dort hänge ich, sechs Monate alt, und neben mir hängen Prinzessin Viktoria und Prinz Daniel und William und Kate.

Fotowand von Unsaomma

Unsaommas Enkel der Herzen (v.l.n.r.):
die liebe Nessy, Charlène Wittstock (absent), Viktoria, Daniel, Wilhelm und Käthe.

Ich frage: “Wen meinst du?”
“Die von Monaco. Die gabs nicht inne Zeitschrift. Die so schwimmt. Von Afrika.”
“Charlène.”
“Deine Mutter sagt, du kannst Poster machen. Mit dem Computer.”
“Kann ich machen.”
“Machst du, ja?”
“Schicke ich dir mit der Post.”
“In Farbe, ja?”
“Auch in Farbe.”
Sie lässt sich zurück in den Sessel fallen. “Dann ist gut. Dann mach’s dir bequem.”

Dialoge an Weihnachten

27. Dezember 2011 § 32 Kommentare

Beim Essen, jedes Jahr das Gleiche:

“Nimm doch noch Fisch.”
“Danke, ich mag doch keinen Fisch.”
“Seit wann das?”
“Schon immer.”
“Früher hast du den aber gegessen.”
“Ich habe den noch nie gegessen.”
“Als Baby schon.”

“Magst du auch keine Forelle?”
“Forelle ist Fisch.”
“Ach was, nein! Forelle ist doch wie Lachs.”
“…?”

“Vielleicht wenn du groß bist.”
“Ich bin schon ziemlich groß.”
“Nein, nein. Komm du erstmal in mein Alter.”

Früher war mehr Lametta

26. Dezember 2011 § 40 Kommentare

Zweiter Weihnachtstag. Besuch bei Unsaomma.

Als ich ihr Zimmerchen betrete, sieht sie seltsam abgezehrt aus. Ihr Mund ist eingefallen. Sie schmatzt mit hohlen Wangen an einem gestippten Keks. “Hallo Omma”, sage ich, “frohe Weihnachten. Was ist mit deinen Zähnen passiert?”

Sie hält inne und schaut mich mit Rehaugen an. “Die Schähne schin mir inni Doiledde gechallen.”

Ich blicke sie an. “Das ist doch ‘n Witz”, sage ich. Aber Unsaomma lacht nicht.

“Näää”, sagt sie stattdessen, “ich hab mir die Buksche hochgeschogen und misch umdrehd, um abschudrücken, da isch mir dasch Gebiss insch Klo gechallen.”

Ich frage: “Hast du denn sofort abgezogen, oder wie?”

“Näää”, sagt Unsaomma. Sie habe sogar noch nachgefasst, aber sie könne sich ja so schlecht bücken. Und als sie für besseren Halt auf dem Spülkasten abstützte, sei plötzlich die Spülung gegangen. Da sei es eben weg gewesen, das Gebiss. Aber nur oben. Unten sei noch am Start. Ich muss lachen. Sowas gibt’s doch nur in schlechten Comedy-Shows. Unsaomma guckt bedröppelt und mümmelt an ihrem Keks.

Ich reiche ihr den eingepackten Abreißkalender. Sie packt ihn aus und sagt: “Schön. Auchhängen, woll. Da.” Sie deutet auf die Wand, eine Stelle zwischen meinen Babyfotos und einem Foto von Prinzessin Viktoria und Prinz Daniel, herausgetrennt aus der “Bild der Frau”. Ich hänge den Kalender an einen freien Nagel. “Schön”, sagt Unsomma nochmal.

Später kommt die Tante. Wir unterhalten uns über dies und das und über die Cousine. Sie wohnt jetzt in Hamburg und lebt mit einer Frau zusammen.

“Eine Chrau?” fragt Unsaomma.
“Ja, Mutti”, sagt die Tante. “Die Denise ist jetzt lesbisch.”
“Ach”, sagt Unsaomma. “Dasch gibt sisch wieder.”
“Omma”, sage ich. “Das ist doch keine Krankheit.”
“Und wie machen die Kinder?” fragt sie.
“Mutti, die machen keine Kinder”, sagt die Tante. “Die Franka ist ein ganz liebes Mädchen. Sie war Heiligabend bei uns.”
“Haddie auch scho komische Haare?”

Die Cousine trägt Dreadlocks.

“Nein, Mutti. Sie hat ganz normale Haare.”
“Wasch?”
“Nor-mal-le Haare! Sie hat NOR-MA-LE HAARE!”
“Ja dann.”

Unsaomma windet sich in ihrem Sessel und lässt krachend einen fahren.

“Mutti!”
“Omma!”
“Och”, sagt sie und blickt uns mit großen Augen an. “War doch gansch leische.”

Ich seufze. Es ist wie bei Hoppenstedts. Wir sind Hoppenstedts. Und ich bin Dicki. Ich hab’s immer gewusst.

Wo bin ich?

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